Supermärkte verkaufen Herbstgebäck Weihnachtsgebäck im Spätsommer: Bäcker planen anders

In den Supermarktregalen liegen jetzt schon wieder die Lebkuchen. Die Backwarenindustrie nennt sie "Herbstgebäck" und rechtfertigt damit den frühen Verkaufsstart noch mitten im Spätsommer. Beim Handwerksbäcker findet man jetzt noch kaum Weihnachtsgebäck. Eine Konditorenmeisterin berichtet, wie sie das Weihnachtsgeschäft plant und damit bei den Kunden punktet.

Weihnachtsgebäck
Lebkuchen sind das liebste Weihnachtsgebäck der Deutschen. Ab jetzt kann man sie im Supermarkt schon wieder bekommen. - © la_vanda - stock.adobe.com

Für Doreen Seidel ist jetzt noch die Zeit, in der sie Eis herstellt und verkauft. Außerdem stehen jetzt zum Schulanfang der Grundschüler viele Torten auf der Bestellliste der Konditorenmeisterin. "Dann kommt der Herbst und die Zeit von Gebäcken mit Apfel und Pflaume und erst dann beginnt das Weihnachtsbacken", sagt Seidel, die in Gelenau im Erzgebirge eine Bäckerei und Konditorei betreibt. Von dem sehr frühen Start des Verkaufs von Weihnachtsgebäck in Supermärkten und Discountern hält sie wenig. Sie fühlt sich aber auch nicht unter Druck gesetzt, da ihre Kunden jetzt noch kein weihnachtliches Gebäck erwarten würden. "Wenn die Industrie alles auf einmal produzieren kann, ist das ja schön für Sie, bei uns geht das nicht", sagt sie selbstbewusst.

Weihnachtsgebäck im Verkaufsregal: Nicht beim Bäcker

Dass das Gebäck ab September in den Verkaufsregalen liegt und nun erst einmal als "Herbstgebäck" angepriesen wird, hält sie für eine Marketingstrategie, bei der die Verbraucher manipuliert werden. Doch die Süßwarenindustrie kündigt den Verkaufsstart gerne jetzt schon an. So wirbt der Bundeverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) mit folgenden Worten dafür: "Pünktlich zum meteorologischen Herbstbeginn sind die beliebten Herbstgebäcke wieder in den Supermarktregalen zu finden." Drei Viertel der Saisongebäcke, die hierzulande produziert werden, werden dabei auch hierzulande verkauft. Ein Viertel wird exportiert.

Dabei wollen die Deutschen am liebsten Lebkuchen essen. Nach Angaben des Marktforschungs-Unternehmens Nielsen waren sie im vergangenen Jahr die Favoriten beim Absatz. 40 Prozent der befragten Deutschen gaben an, sie im Lebensmittelhandel zu kaufen. Gefolgt war die Beliebtheit von Spekulatius, Stollen und Dominosteinen.

Diese beliebten Gebäcke gibt es auch bei Doreen Seidel – allerdings erst im November und Dezember. Zwar sind die Weihnachtsgebäcke wichtig für die Handwerksbäckerei, aber dennoch beginnt die Konditorenmeisterin erst nach den Herbstferien mit dem Backen von Plätzchen, Stollen und Co. "Wir starten Ende Oktober und beginnen mit zwei Artikeln", sagt sie. Dann kommen nach und nach weitere dazu. Für einen früheren Start sieht sie keinen Grund und keinen Bedarf. "Wenn der Kunde zum Kaffeetrinken zwei süße Stückchen benötigt, wird er nicht das doppelte kaufen, nur weil wir neben der saisonalen Obstware schon die Weihnachtsgebäcke anbieten – er wird sich entscheiden", erklärt Doreen Seidel.

Bäcker backen erst ab Oktober Weihnachtsgebäck

So starten die meisten Handwerksbäckereien in Deutschland erst im Oktober oder November mit der Weihnachtsbäckerei. "Damit grenzen sie sich klar von der Backwarenindustrie ab, die natürlich ganz andere Verkaufsbedingungen in einem Supermarkt hat als in einer Bäckerei mit einem kleineren und saison-aktuellem Sortiment", sagt dazu Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. Zwar gebe es auch einzelne Bäckereien, die vermeintliche Weihnachtsgebäcke wie Kekse oder Plätzchen ganzjährig anbieten. Für die meisten sind sie aber doch auf wenige Monate im Jahr begrenzt.

Das Weihnachtsgeschäft ist für den Handwerksbäcker nach Aussage von Schneider mit die wichtigste Saison im Jahr. "Viele Bäcker machen in der Weihnachtszeit einen Großteil ihres Umsatzes und das nicht nur mit Weihnachtsgebäck", sagt er. Auch das Standardsortiment wie Brot und Brötchen spiele dabei eine große Rolle, da die besinnliche Zeit viele Anlässe für die Backwaren des Bäckerhandwerks bietet. "Viele Menschen gönnen sich zu Weihnachten die handwerklich hergestellten Produkte besonders."