Für die Fertigung von Baumaterialien wird viel Energie, oft Gas, benötigt. Die Hersteller warnen nun vor Produktionsausfällen. Keine guten Aussichten für das Baugewerbe, das aktuell bereits mit Rückgängen rechnet.

Angesichts der drohenden Energieknappheit in Deutschland warnt der Baustoff-Fachhandel vor neuen Lieferengpässen. Das Problem seien weder lückenhafte Lieferketten, noch knappe Rohstoffe. Es liege in der Fertigung. Die Herstellung von Bau-Produkten sei sehr energieintensiv und einzelne Unternehmen stünden vor einem Produktionsstopp. Was wiederum Folgen für die Beschäftigten, aber auch die Branche insgesamt mit sich bringe.
Wie der Bundesverband des Deutschen Baustofffachhandels in einem Brandbrief vom 13. September schreibt, drohten Unternehmen der Baustoffherstellung und des Baustoffhandels schon sehr bald durch die "mangelhafte energiepolitische Krisenbewältigung der Bundesregierung in existentielle Bedrängnis zu geraten".
Ein fehlendes Material kann gesamtes Bauprojekt stoppen
Betroffen wären unterschiedliche Unternehmen, vor allem Produzenten energieintensiver Baustoffe. Beispielsweise benötigen Ziegelwerke viel Gas zum Brennen der Ziegel. Hier könnten schnell Lieferengpässe entstehen, wie Michael Hölker, Hauptgeschäftsführer des DBD berichtet. Auch die Unternehmen in der Zementindustrie diskutierten bereits darüber, ihre Produktion zu reduzieren.
Die Folgen für die Bauwirtschafts wären gravierend, so der DBD. "Um einen kompletten Rohbau lahmzulegen, reicht es schon, wenn ein Baustoff fehlt, weil er nicht mehr produziert werden kann", sagt Verbandspräsidentin Katharina Metzger, "Das fängt schon bei der Dämmung für die Bodenplatte an. Durch kleine Ausfälle kann so der ganze Baufortschritt stoppen. Bauprojekte liegen dann reihenweise brach." Zehntausende Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel, warnt Metzger.
Bau rechnet mit Abflachen des Booms
Keine guten Aussichten für die Baubranche insgesamt. Im Baugewerbe rechnet man aktuell sowieso schon mit einem Abflachen des Booms. Die Zinsen für Wohnungskredite steigen und die Zahl der Baugenehmigungen geht seit ein paar Monaten zurück. Ilona Klein vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe rechnet nicht damit, dass der aktuelle Bauboom so weiter gehen wird. "Noch geht es uns gut", betont Klein, "aber die Baugenehmigungen im Einfamilienhausbau gehen zweistellig zurück. Der Mehrfamilienhausbau läuft noch, was die Genehmigungen angeht. Wir sehen jedoch Auftragsstornierungen und denken, dass wir mit Rückgängen leben müssen."
Auch die öffentliche Hand schrecke aktuell vor den hohen Preisen zurück und warte erstmal ab. "Man denkt, es könnte ja bald günstiger werden. Das alles ist natürlich ein relativ gefährlicher Cocktail", warnt Klein.
Gaspreisdeckel könnte helfen
Ein Lichtblick könnte laut Klein die Gaspreisbremse sein. Vor allem indirekt würde das Baugewerbe profitieren, wenn dadurch die Preise für die Baumaterialien gedeckelt würden. Eine Forderung, die sich auch in dem Protestschreiben des DBD an die Bundesregierung wiederfindet. "Eine Preis-Obergrenze für Energie muss her, wie es sie in anderen Ländern schon gibt. Der Höchstpreis für Öl, Gas und Strom darf maximal 30 Prozent über den Kosten liegen, die im Februar – also vor Beginn des russischen Einmarsches in die Ukraine – aufgerufen wurden", sagt Katharina Metzger. Der Verband fordert außerdem, dass der Staat "Alle gesetzlichen Abgaben und Umlagen […] bei allen Energieformen drastisch reduziert".