Elektromobilität Wasserstoff-Transporter: Auftanken in wenigen Minuten

Opel stellt mit dem Vivaro-e Hydrogen seinen ersten Wasserstoff-Transporter vor. Die baugleichen Modelle von Peugeot und Citroën werden ebenfalls in Rüsselsheim umgerüstet.

Wasserstoff-Transporter Opel Vivaro-e Hydrogen
Der Wasserstoff-Transporter Opel Vivaro-e Hydrogen fährt emissionsfrei, lässt sich aber in wenigen Minuten auftanken. - © Stellantis

Wegen der langen Ladezeiten scheuen noch viele Handwerker den Um­­stieg auf die Elektro­mobilität. Wird die Batterie als Energiequelle für den Elektromotor abgelöst von einer Brennstoffzelle, die den Strom aus Wasserstoff (H2) er­zeugt, wäre ein entscheidender Nachteil von batterieelektrischen Fahrzeugen behoben. Fahren ohne Ab­gase mit Tankstopps wie beim Verbrenner. Diese Idee verfolgt Opel mit seinem Vivaro-e Hydrogen. Mitte Juni durften Journalisten mit dem Wasserstofftransporter im Rhein-Main-Gebiet auf Testfahrt gehen.

Kleine Batterie unterstützt Wasserstoff-Transporter

Der Vivaro-e Hydrogen verhält sich zunächst einmal wie das batterie­elektrische Vorbild, das bei Opel Special Vehicles (OSV) in einer 1.500 m2 großen Werkhalle von 70 spezialisierten Mitarbeitern mit drei Wasserstoffflaschen (Fassungsvermögen insgesamt 4,4 kg H2) und einer Brennstoffzelle (45 kW) ausgestattet wurde. Kein Geräusch im Innenraum verrät, wenn der Motor läuft. Man muss schon aufs Display schauen, um zu bemerken, dass der Transporter startklar ist.

Den Unterschied zwischen den Fahrmodi Eco, Normal und Power spürt der Fahrer vor allem beim Anfahren, viel deutlicher allerdings beim Verbrauch. Soll es bei der Reichweite von 400 km (50 km steuert die Lithium-Ionen-Batterie bei) bleiben, sind häufige Zwischensprints kontraproduktiv. Trotzdem schwimmt der Wasserstoff-Transporter auf der dichtbefahrenen Autobahn nach Darmstadt trotz der begrenzten Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h sicher im Verkehr mit, lassen sich langsame Lkws ohne Probleme überholen.

Preissprung auch bei Wasserstoff

Opel Vivaro-e Hydrogen Montage
Eingebaut werden die drei Wasserstoffflaschen und die Brennstoffzelle bei Opel Special Vehicles (OSV) in Rüsselsheim. - © Ulrich Steudel

In Weiterstadt bietet sich ein Tankstopp an. 12,85 Euro/kg H2 werden fällig, Anfang Juni lag der Preis noch bei 9,5 Euro/kg – so wie in den vergangenen zehn Jahren fast immer. Der Tankvorgang selbst läuft zwar etwas anders als bei Benzin oder Diesel ab, gestaltet sich aber unkompliziert. Zunächst wird der Tankstutzen aufgedrückt und mit einem Hebel verriegelt. Anschließend muss an der Tanksäule ein grüner Knopf gedrückt werden, bevor der Wasserstoff mit 700 bar in die drei Tanks fließt. Mit einem roten Knopf kann der Tankvorgang jederzeit beendet werden. Sonst stoppt er automatisch, wenn die Gasflaschen voll sind. Dann hört der grüne Knopf auf zu blinken. Nach einem erneuten Druck auf den Tankstutzen lässt sich dieser wieder abziehen. Gezahlt wird in der Regel über eine Scheckkarte. Einmal Volltanken dauert laut Opel drei Minuten. Das dürfte zwar etwas knapp bemessen sein, aber selbst fünf Minuten wären ja mehr als akzeptabel.

Nutzlast bleibt erhalten

Die Wasserstoffflaschen sind wie die Akkupacks beim batterieelektrischen Vivaro-e unter dem Ladeboden platziert. Die Brennstoffzelle befindet sich unter der Motorhaube, die Batterie hingegen unter den Sitzen. Gegenüber den Verbrenner-Modellen geht also kein Laderaum verloren, auch die Nutzlast bleibt bei einer Tonne.

Die Vorteile von Wasserstoff-Transportern liegen auf der Hand: Abgesehen von der geringeren Höchstgeschwindigkeit müssen Unternehmer keine Kompromisse eingehen, wenn sie emissionsfrei fahren wollen, aber keine Zeit beim Aufladen von Batterien verlieren möchten. Nutzlast und Ladevolumen bleiben unverändert und eine Reichweite von 400 km reicht für die meisten Einsätze im Handwerk aus.

Wasserstoff-Tankstellen fehlen noch

Trotzdem sind der Opel Vivaro-e Hydrogen und die baugleichen Modelle von Peugeot und Citroën, die ebenfalls bei OSV in Rüsselsheim um­gerüstet werden, die bislang einzigen Wasserstoff-Transporter auf dem Markt. Und das hat seine Gründe: Das Tankstellennetz befindet sich noch im Aufbau. Ende vergangenen Jahres gab es erst knapp 100 Tankstellen, die Wasserstoff für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge mit 700 bar anbieten. Bei 350-bar-Tankstellen, die schwere Lkw und Busse benötigen, sieht es noch deutlich schlechter aus. Hinzu kommt, dass Wasserstoff nicht per se als umweltfreundlich gilt, sondern nur, wenn er mit Strom aus erneuerbarer Energie hergestellt wird.

Opel will seine Vorreiterrolle beim Einsatz von Wasserstoff unter dem Dach des Stellantiskonzerns dennoch weiter ausbauen. Die Kapazität von rund 1.000 Fahrzeugen pro Jahr soll sich bis 2024 verzehnfachen. Dann sollen auch 3,5-Tonner bei OSV mit diesem Antrieb ausgerüstet werden.

­Tankstellennetz

Vorangetrieben wird der Ausbau des Netzes an Wasserstofftankstellen von H2 Mobility. 2021 wurden an den 85 Stationen des Unternehmens, an dem unter anderem Daimler Truck, Hyundai, Shell, OMV und Total beteiligt sind, nach eigenen Angaben 191 Tonnen Wasserstoff abgegeben.

Der Anteil von grünem Wasserstoff lag bei knapp 30 Prozent. Echtzeit­informationen zu allen öffentlichen Wasserstofftankstellen von H2 Mobility in Europa bietet die App H2.live.