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Herkunftsnachweise für regionale Lebensmittel Lebensmittel: Das Problem mit der Regionalität

Die freiwilligen Kennzeichnungen für regionale Produkte sind zahlreich. Jede hat ihre eigenen Vorgaben – auch das staatlich unterstützte "Regionalfenster". Nur wenige Betriebe aus dem Lebensmittelhandwerk nutzen es. Doch regionale Lebensmittel sind gefragt wie nie. Ob man dafür ein Zertifikat braucht ist umstritten.

Eigentlich ist ein regionales Produkt "aus der Region für die Region" oder müsste zumindest so sein, wenn die Begrifflichkeiten unmissverständlich gelten würden. Dann würde ein Produkt innerhalb einer abgegrenzten Region erzeugt, verarbeitet und vermarktet. Doch der Begriff "Region" ist gesetzlich nicht geschützt – im Zusammenhang mit der Vermarktung von Lebensmitteln dennoch beliebt.

So besagt der aktuelle Ernährungsreport "Deutschland, wie es isst" von Bundesminister Christian Schmidt, dass 73 Prozent der Verbraucher Wert auf regionale Lebensmittel legen. Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zeigt zudem, dass der Begriff "Regionalität" in der Gesellschaft weit verbreitet ist. So haben 83 Prozent der von der DGE der Befragten schon einmal von diesem Begriff gehört und für 93 Prozent von ihnen bedeutet er "Produkte aus der Region".

Weitere Ergebnisse: Für etwas weniger als die Hälfte der Befragten beschreibt die  Regionalität den Großraum um ihre Stadt, für genau die Hälfte ist es ihr Bundesland. Die Bedeutung im Zusammenhang mit dem Lebensmittelverkauf zeigt sich wiederum daran, dass insbesondere die kaufkräftige Mittel- und Oberschicht bereit ist, für regionale Produkte mehr zu zahlen. Das – und auch die Unbestimmtheit der Begriffe – nutzt auch der Handel.

Wer kennt sie nicht, die Eigenmarken der großen Supermärkte: Sie heißen "Unser Land", "Von hier" oder "Aus der Region" und versprechen Produkte aus regionalen Rohstoffen. Wo genau die Inhaltsstoffe allerdings herkommen und was jeweils mit der "Region" gemeint ist, erfährt man meist nur nach aufwendigem Suchen. Also alles nur Marketing? – Zumindest zu wenig transparent und zu verwirrend, wertet das Bundesverbraucherministerium und hat schon vor ein paar Jahren eigenes Label für regionale Produkte auf den Markt gebracht.

Aldi-Eigenmarke "Meine Metzgerei" in der Kritik

Der Blogger Hendrik Haase hat sich einmal ganz genau angeschaut, welche Informationen man bekommt, wenn man dem Versprechen des Lebensmitteldiscounters Aldi nachgeht und den auf den Verpackungen versprochenen " Transparenz Code" nutzt. Damit hat der Food-Aktivist eine Empörungswelle in den sozialen Medien ausgelöst. Sein Facebook-Post dazu hat mittlerweile fast 700 Kommentare und wurde über 4.000 Mal geteilt.

Dabei hat er eigentlich nur den Code einer Packung Hackfleisch der Aldi-Eigenmarke "Meine Metzgerei" in sein Handy eingegeben und dann kommentiert, welche Informationen man wirklich bekommt. Das Resultat: Das Hackfleisch kommt gar nicht von nebenan, nicht von einem kleinen Bauernhof und nicht aus einer kleinen Fleischerei wie es die Aufmachung der Verpackung und der Titel "Meine Metzgerei" vorgaukeln.

Geht man dem Code so präzise nach wie es Hendrik Haase gemacht hat und recherchiert dann noch ein bisschen weiter, dann weiß man einige Zeit später, dass das Fleisch vom Schlachtkonzern Danish Crown in Husum geschlachtet, in Oldenburg verarbeitet und in die deutsche Hauptstadt verfrachtet wurde. Es stammt von einem Unternehmen mit acht Milliarden Euro Umsatz und 25.000 Mitarbeitern wie welt.de berichtet. Außerdem hat es einen Verarbeitungsweg von ein paar Hundert Kilometern hinter sich. Mehr erfährt der Fleischkäufer nicht und das hält Haase alles andere als transparent – geschweige denn das Produkt für regional oder die Verarbeitung handwerklich.

Der Lebensmitteldiscounter teilt in Folge der Diskussion über den Blogger-Post mit, dass  konkretere Angaben zur Herkunft des Hackfleischs nicht machbar seien, da das Bereitstellen für die beteiligten Betriebe ein enormer technischer Aufwand wäre.

Hendrik Haase ist übrigens nicht nur Food-Blogger, sondern auch Mitinhaber der Metzgerei "Kumpel & Keule" in Berlin.

Nach einer Testphase mit 150 Produkten in ausgewählten Läden – darunter auch zwei Metzgereien und eine Bäckerei – startete 2014 der offizielle Herkunftsnachweis für Lebensmittel: das "Regionalfenster" und seitdem findet der Verbraucher derart gekennzeichnete Produkte im Markt. Als Aufdruck auf Verpackungen oder Hinweisschild für lose Waren soll es Auskunft darüber geben, woher die Zutaten des Produkts stammen und wo sie verarbeitet wurden.

Über zwei Jahre nach dem Start sind mehr als 4.000 Produkte registriert und es bestehen Verträge mit mehr als 740 Lizenznehmern . Ketten wie Edeka, Rewe und Tegut sowie Discounter wie Netto, Lidl, Norma und Aldi Süd haben ausgewählte Lebensmittel mit dem "Regionalfenster" im Sortiment und einige der großen Handelsunternehmern sind auch Mitglieder im dazugehörigen Trägerverein.

Handwerksbetriebe scheinen bislang weiter skeptisch zu sein, obwohl auch sie es nutzen könnten. Nach Ansicht von Daniel Schneider, dem Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks liegt das vor allem daran, dass es sehr aufwendig und auch teuer ist, wenn man als Betrieb diese offizielle Regionalkennzeichnung nutzen will. "Das schreckt kleine Handwerksbäcker verständlicherweise ab", sagt er und ergänzt, dass das Regionalfenster zudem für Hersteller von verpackter Ware besser nutzbar sei. Zwar würden einige Bäckereien an Regionalinitiativen von Städten oder Landkreisen teilnehmen, doch wirklich nötig sei das für das Marketing der Betriebe selten. "Wer beim Lebensmittelhandwerk einkauft, verbindet damit meist automatisch regionale Produkte", so Schneider.

In den Lebensmitteln steckt Heimat 

Mit dem Regionalfenster verspricht das Bundesernährungsministerium ein Siegel, das die Region  "eindeutig und nachprüfbar" festlegt. Konkrete Vorgaben gibt es allerdings auch hier nicht. Eine Region muss "kleiner als die Bundesrepublik Deutschland" sein und kann damit sowohl einen Landkreis oder ein ganzes Bundesland bezeichnen. Sie kann sogar Staats- oder Ländergrenzen überschreiten, solange sie benannt ist.

Also wieder keine eindeutigen Grenzen? Dabei hat Regionalität doch auch etwas mit dem Bezug der Menschen zu ihrer Heimat und den dort verwendeten Rohstoffen zu tun. Genau diese wollen sie auch in den Lebensmitteln wiederfinden. "Und es geht auch um die Umwelt, nicht nur ums Verkaufen", wendet Stefan Mast ein. Der Bäcker aus Untersulmetingen in Oberschwaben geht deshalb mit der Herkunft seiner Rohstoffe ganz offen um und versucht alle direkt aus dem nahen Umfeld zu bekommen.

Das Getreide für seine Vollkornbackwaren bekommt er direkt von Bauern und mahlt es dann auf der hauseigenen Mühle. Die Eier, die er verarbeitet kommen aus den nahegelegenen Orten Blaustein und Öpfingen; auch Mohn, Käse und Milchprodukte sowie Leinsamen stammen von der Produzenten, die er persönlich kennt und die die Zutaten ganz in der Nähe seiner Backstube herstellen. Zusammen mit sechs weiteren Bäckern hat er 2006 die Sonnenblumen-Offensive gestartet, die es Landwirten aus Süddeutschland ermöglicht, Speisesonnenblumen anzubauen. Darüber berichtet er auch auf der Internetplattform reg.io, einer Initiative für mehr Transparenz bei der Herkunft von Lebensmitteln aus dem Raum Ulm.

Regionallogos: Freiwilligkeit in der Kritik 

"Mehr Transparenz" steht auch beim neuen Regionalfenster im Vordergrund – und das trotz der offenen Grenzen und der Freiwilligkeit, das Siegel überhaupt zu verwenden, wenn man für die Regionalität von Lebensmitteln werben will. Letzteres kritisiert die Verbraucherorganisation Foodwatch übrigens vehement und fordert, dass nur eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung den Regionalschwindel beenden könne.

In ähnliche Richtung geht die Kritik des Bäckerhandwerks – allerdings bezogen auf die Masse an Siegeln und Logos, die es aktuell gibt. "Da ja auch schon jeder Discounter sein eigenes Regionallogo hat, verwirrt das die Verbraucher mehr als das es informiert", sagt Hauptgeschäftsführer Schneider. Das führe zudem dazu, dass die Siegel immer weniger wahrgenommen würden. So will der Bäckerverband Handwerksbetrieben auch kein Siegel besonders empfehlen.

Doch Peter Klingmann vom Trägerverein von Regionalfenster e.V. verteidigt: "Unsere Vorgaben sind nur auf den ersten Blick sehr variabel, denn wir fordern von jedem, der mitmacht, eine klare Definition seiner Region und nur, wenn das nachvollziehbar ist, wird es genehmigt", sagt der Vorstandsvorsitzende bei Regionalfenster e.V. aus Hessen. Außerdem bekämen Verbraucher auch immer Auskunft über die jeweilige Region – da das Logo wenig Platz für lange Texte lasse, über die Internetseite des Trägervereins.

Dann erklärt er, wie sich die Kennzeichnung zusammensetzt. Grundsätzlich müssen die Hauptzutat und die wertgebenden Zutaten zu 100 Prozent aus der definierten Region stammen. Beträgt die Hauptzutat weniger als 50 Prozent des Gesamtgewichts, so müssen auch die weiteren Zutaten jeweils zu 100 Prozent aus der definierten Region stammen. Mindestens 51 Prozent des Gesamtgewichtes müssen von regionalen Zutaten stammen. "Das ist das absolute Minimum, bei Fleisch- und Wurstwaren sind es im Schnitt 80 Prozent", erklärt Klingmann.

Neben der jeweils unterschiedlichen Region wird auf dem Logo die Rohstoffherkunft, der Ort der Verarbeitung und bei zusammengesetzten Produkte der regionale Rohstoffanteil genannt. Dass Produkte gentechnikfrei, biologisch erzeugt oder aus tiergerechter Haltung stammen, sind als zusätzliche Angaben nicht zugelassen. So darf das Regionalfenster keine Aussage zur Qualität des Produkts treffen.

Die Vorgaben bezüglich der Hauptzutat sind es jedoch auch, die es dem Bäckerhandwerk schwer machen, am Regionalfenster teilzunehmen. "Es mag Bäcker geben, die mit einer Mühle vor Ort auskommen, aber das ist bei den Mengen an Getreideprodukten, die die Bäckerbranche verarbeitet eher selten", sagt Daniel Schneider. Zwar würden einige Betriebe ganz gezielt auf derartige Kooperationen setzen und das auch bekannt machen. Meist stammt das Mehl jedoch aus verschiedenen Bundesländern und so wären auch für einzelne Produkte verschieden gestaltete Logos nötig.

Beispiele für die Vergabe des Regionalfensters

  • Schinkenwurst (47 Prozent Schweinefleisch, 45 Prozent Rindfleisch): 100 Prozent des Schweinefleischs muss aus der definierten Region stammen, da diese Zutat weniger als 50 Prozent des Produktgesamtgewichts beträgt, muss auch das Rindfleisch zu 100 Prozent aus der definierten Region stammen.
  • Weizenvollkornbrötchen (90 Prozent Weizenvollkornmehl): 100 Prozent des Weizens muss aus der definierten Region stammen.

Quelle: Regionalfenster e.V.

Handwerksbetriebe, die das neue Siegel nutzen möchten, können sich ganz einfach per Mail oder per Telefon beim Trägerverein melden und bekommen dann ein Handbuch, anhand dessen sie die Zertifizierung der einzelnen Produkte vorbereiten können. Überprüft werden sie einmal im Jahr von regulären Lebensmittelkontrolleuren. Zusätzlich wird bei mindestens zehn Prozent der Lizenznehmer eine Stichprobenkontrolle durchgeführt.

Was das Regionalfenster kostet 

Wer das Logo verwenden möchte, muss sich an "Regionalfenster e.V." wenden und anmelden. Dann kann der Betrieb aus den durch den Trägerverein zugelassenen Kontrollstellen selbst ein Kontrollinstitut auswählen. Die Institute sind auf der Homepage aufgelistet. Die Verwendung der Regionalfenster-Deklaration ist an Lizenzgebühren gekoppelt. Diese sind nach Höhe des Umsatzes eines Unternehmens gestaffelt.

Regionalfenster

Neben den Lizenzgebühren müssen zusätzlich die Zertifizierungskosten an die Zertifizierungsstelle entrichtet werden. Sofern möglich, sollen die Kontrollen mit bereits bestehenden Kontrollen, wie etwa Biokontrollen, kombiniert werden. So sollen die Kosten relativ überschaubar bleiben, da zum Beispiel keine erneute Anfahrt des Kontrolleurs notwendig ist.

Lizenznehmer ist immer der Markeninhaber. Produziert ein Unternehmen dagegen für eine regionale Handelsmarke, so übernimmt das Handelsunternehmen die Lizenzgebühr.

Stefan Mast findet es trotzdem fraglich, ein neues Siegel auf den Markt zu bringen und dabei keine klaren Entfernungen für die Rohstoffherkunft festzulegen. "Wer regionale Produkte anbietet, kann sich vom Wettbewerb abgrenzen und es schafft Vertrauen beim Kunden", wirbt der Bäckermeister. Die Vorteile hängen für ihn aber auch mit der Verantwortung zusammen, wirklich Transparenz bieten zu können.

Für seinen Handwerksbetrieb haben sich noch weitere Vorteile ergeben. Durch seinen Austausch mit anderen Firmen, Erzeugern und Händlern in der Region, hat er auch Unterstützung beim Verkauf seiner Waren. Dazu kommt, dass sein Betrieb eine Bioland-Zertifizierung hat und er deshalb seine Waren auch in Bioläden der Region verkaufen kann.

Foodwatch fordert Pflichtangaben 

Die Kritik an der mangelnden Transparenz des Regionalfensters teilt auch die Verbraucherorganisation Foodwatch. Sie erklärt die staatlich unterstützte Kennzeichnung, die sich von den zahlreichen anderen Siegeln und Regionallogos abheben will, als längst gescheitert. Das Ziel, eine größtmögliche Transparenz bei den Herkunftsangaben von verarbeiteten Lebensmitteln zu schaffen, werde in der Praxis aus Sicht von Sophie Unger von Foodwatch verfehlt. "Nur eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung kann Verbraucherinnen und Verbraucher wirklich aufklären", sagt sie und fordert Bundesernährungsminister Schmidt auf, sich endlich für eine verpflichtende Angabe auf Lebensmittelverpackungen stark zu machen.

Foodwatch sieht in der Freiwilligkeit des Regionalfensters und auch bei allen anderen Siegeln und Zertifikaten das Kernproblem. Eine Pflichtkennzeichnung sollte laut Unger die Herkunft der Hauptzutaten angeben müssen. Wenn ein Hersteller oder Händler gezielt mit der Herkunftsregion werben will, sollten sogar Angaben für alle Zutaten gesetzlich verpflichtend sein, für Deutschland mindestens bundeslandgenau. "Wir brauchen nicht noch ein weiteres Siegel, sondern endlich Klarheit und Verbindlichkeit", sagt Unger. Derzeit könnten Hersteller mit nicht definierten Begriffen wie "regional" oder "Heimat" werben, ohne dass die Zutaten tatsächlich aus den beworbenen Regionen stammen müssten. Für Verbraucherinnen und Verbraucher sei das häufig nicht nachvollziehbar.

Auch der TÜV zertifiziert Regionalität

Mit der Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln wächst also auch die Kritik am Umgang mit den Vermarktungsstrategien der Anbieter – im Mittelpunkt die vielen Siegel und Logos. Doch statt von diesen Abstand zu nehmen, lautet die Reaktion sowohl der Politik als auch der Wirtschaft: neue Siegel, Zertifikate und Logos, die angeblich endlich Neutralität und Transparenz versprechen.

So kritisiert etwa auch der TÜV Nord, dass "Regionalität" kein geschützter Begriff sei und mittlerweile beinahe inflationär verwendet werde, ohne dass jemand die Richtigkeit dieser Aussage prüft. Das Zertifizierungsunternehmen TÜV Nord Cert will nach eigenen Aussagen dafür sorgen, "dass der Kunde im Entscheidungsprozess ein wichtiges Kriterium zur Auswahl eines regionalen Produktes erhält" und bietet nun die Dienstleistung und das Prüfzeichen "Zertifizierter Herkunftsnachweis" an, um die Herkunft von Produkten zu kennzeichnen – sowohl bei Obst, Gemüse oder Fleisch als auch bezogen auf die komplette Produktpalette eines Betriebs.

Lebensmittelbetriebe können demnach einzelne Produkte oder das ganze Sortiment zertifizieren lassen. Voraussetzung für die Produktzertifizierung ist, dass das Anbaugebiet sowie die Verarbeitungsgebiete des Produkts lückenlos nachvollziehbar sind. Auch Herstellung und Verarbeitung müssen sich zurückverfolgen lassen und alles wird ordentlich dokumentiert.

Das Zertifikat haben bereits Handwerksfirmen wie die Aurora Mühle in Hamburg genutzt und können nun seit kurzem damit belegen, dass ihre Mehle und Schrote zu einhundert Prozent aus der Region stammen. Das Ziel wiederum die Transparenz und mit den Worten von Peter Warnke, dem Geschäftsleiter der Mühle, "ein mit Sicherheit regionales Produkt." Ob das die Kunden auch zu schätzen wissen, muss sich zeigen. Auch ob sie einen Unterschied zu anderen Siegeln wirklich erkennen.

Regionale Produkte gezielt eingekauft

Immerhin zeigen neuere Befragungen, dass Verbraucher Regionalität nicht nur gut finden, sondern angeblich auch wirklich gezielt nach diesen Vorgaben einkaufen. Laut einer Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH) kaufen 61 Prozent der Befragten meistens regionale Produkte. Dabei spielen vor allem Backwaren eine große Rolle: 89 Prozent der Studienteilnehmer gaben demnach an, dass die Backwaren, die sie kaufen aus der Region stammen.

Regionale Lebensmittel: Große Unterschiede bei den Kennzeichnungen

  • Konkrete Regionsangaben wie Allgäu, Uckermark oder Rheinland sagen mehr über die Herkunft der Lebensmittel aus als Slogans wie „von hier“ oder „aus der Heimat“.
  • Ähnliches gilt für Markennamen mit regionalem Bezug wie "Mark Brandenburg", oder "Küstengold". Auch für sie gibt es keine Vorgaben im Markengesetz und sie sagen nichts über den Ursprung ihrer Zutaten aus.
  • Keinerlei Aussage über die Herkunft der Rohstoffe gibt auch die Angabe "Hergestellt für ..." oder die Herstelleradresse auf verpackten Lebensmitteln.
  • Kleine Erzeuger und Verarbeiter oder Gastronomen in einer Region schließen sich oft zu Regionalinitiativen zusammen, um ihre regionalen Lebensmittel gemeinsam zu vermarkten. Doch auch sie legen die Anforderungen an die regionale Herkunft und besondere Qualitäten sowie die Kontrollregeln selbst fest. Auch hier lohnt sich das direkte Gespräch mit den Anbietern und das genaue Nachfragen nach der Herkunft.
  • Große Unterschiede bei den Kriterien gibt es auch bei den regionalen Qualitätszeichen der einzelnen Bundesländer. Die Rohstoffe kommen nicht immer vollständig aus dem genannten Bundesland.
  • Und dann gibt es da noch die beiden EU-Kennzeichen „geschützte Ursprungsbezeichnung“ und „geschützte geografische Angabe“: Beide sind jedoch sehr selten zu finden und sie weisen Unterschiede auf: So gibt das EU-Kennzeichen "geschützte Ursprungsbezeichnung" (g.U.) eindeutig Auskunft über die Herkunft. Die auf EU-Ebene eingetragenen Produkte müssen im festgelegten Gebiet nach bestimmten Kriterien erzeugt, verarbeitet und hergestellt werden. Ein Beispiel ist der "Allgäuer Emmentaler" oder der "Parmaschinken". Die EU-weite Kennzeichnung "geschützte geografische Angabe" (g.g.A.) besagt dagegen lediglich, dass eine Stufe der Produktion im genannten Gebiet stattfinden muss. So könnte das Schweinefleisch für die "Nürnberger Rostbratwurst" aus Dänemark oder den Niederlanden stammen und nur die Herstellung der Wurst in der Region erfolgen.
Quelle: Bundesverband der Verbraucherzentralen

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