Kolumne Was Sie zum Ausbildungsplan wissen sollten

Ein betrieblicher Ausbildungsplan legt fest, wie eine duale Ausbildung in einem Betrieb ablaufen soll. Worauf bei der Erstellung geachtet werden sollte – und was droht, wenn er nicht eingehalten wird, erklärt Ausbildungsberater Peter Braune.

Gastautor Peter Braune

Der betriebliche Ausbildungsplan wird im Unternehmen erstellt. Das kann auf der Grundlage von Bespielen geschehen, die von den Kammern zur Verfügung gestellt werden. - © Milan - stock.adobe.com

Vor einer Ausbildung wird in jedem Ausbildungsbetrieb der Ausbildungsplan auf die erkennbaren Gegebenheiten abgestimmt. Das musste auch ein Buchbindermeister lernen, als er zum ersten Mal ausbilden wollte. Auf der Homepage der Handwerkskammer hatte er sich einen Ausbildungsplan gesucht. Darin liest er, dass aus betrieblichen oder schulischen Gründen Änderungen des Zeitumfanges und Zeitablaufes möglich sind. Nun wollte er wissen, was denn eigentlich passiert, wenn er davon Gebrauch macht.

Ich nahm mir ein wenig Zeit. Als keine Kundschaft mehr da war, setzte ich mich mit ihm zusammen und erläutert ihm den Sachverhalt.

Ausbildungsplan: Was ist das?

Der Ausbildungsplan ist ein verbindlicher Bestandteil des Berufsausbildungsvertrags. Die Grundlage für seine Erarbeitung ist der Ausbildungsrahmenplan. Diese Pläne sind eine Anlage zu den Ausbildungsordnungen. Der betriebliche Ausbildungsplan wird im Unternehmen erstellt. Das kann auf der Grundlage von Bespielen geschehen, die von den Kammern zur Verfügung gestellt werden. Man sollte diese Musterpläne jedoch nie 1:1 übernehmen. Sie müssen stets den individuellen, betrieblichen Bedingungen angepasst werden, sonst ergibt ihre Anwendung keinen Sinn.

Der Plan bildet die sachliche und zeitliche Gliederung der Ausbildungszeit ab. Alle Ausbildungsverträge ohne Plan entsprechen nicht den Anforderungen des Berufsbildungsgesetzes und dürfen von den zuständigen Stellen nicht in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse eingetragen werden, wenn sie vor Beginn der Ausbildungszeit von den Ausbildenden dort eingereicht wurden.

Die sachliche Gliederung

Die sachliche Gliederung muss alle im Ausbildungsrahmenplan aufgeführten Fertigkeiten und Kenntnisse enthalten. Die Probezeit gestaltet er so, dass ihr Zweck erfüllt wird und sich daraus die Aussagen über die Eignung und Interessen der Auszubildenden ergeben können. Die Fertigkeiten und Kenntnisse sollte er so zusammenfassen und gliedern, dass passende Einheiten entstehen, die er bestimmten Tätigkeiten oder Bereichen zuordnet. Die Ausbildungseinheiten gestaltet er überschaubar. Bei den größeren Bereichen werden sachlich gerechtfertigte Unterabschnitte gebildet. Die sachliche Gliederung stimmt er außerdem auf die Anforderungen der Prüfungen ab. Insgesamt und innerhalb jeder Ausbildungseinheit beachtet er den Grundsatz, dass erst nach der Vermittlung von Grundlagen die speziellen Anwendungen und die Festigung der vermittelten Fertigkeiten und Kenntnisse folgen.

Die zeitliche Gliederung

Die zeitliche Gliederung ordnet er nach den sachlichen und pädagogischen Gesichtspunkten. Sind im Ausbildungsrahmenplan für die Vermittlung von Fertigkeiten, Kenntnissen und Erfahrungen, zeitliche Richtwerte vorgegeben, kann innerhalb von diesem Rahmen eine flexible Regelung gefunden werden. Sie soll entsprechend den Inhalten überschaubare Abschnitte vorsehen und den Urlaub berücksichtigen. Gut überschaubar sind die Abschnitte von höchstens sechs Monaten. Möglich sind Unterteilungen in Monate oder Wochen. Bei der zeitlichen Gliederung berücksichtigt er natürlich die vertraglich vereinbarte Ausbildungszeit.

Individuelle Anpassungen möglich

Die Dauer der Ausbildungsabschnitte und ihre zeitliche Folge können nach den Fähigkeiten der Auszubildenden und den Besonderheiten der Ausbildungsstätte abgewandelt werden. Dabei dürfen die Teilziele und das Gesamtziel der Ausbildung nicht beeinträchtigt sein. Die einzelnen Abschnitte können bei besonderen Leistungen gekürzt werden. Bei besonderen Schwächen können sie, unter Beachtung der vertraglichen Ausbildungszeit, verlängert werden. Die zeitlichen Verschiebungen und Umstellungen innerhalb der Ausbildungsabschnitte ist möglich. Dabei sind die beschriebenen Grundsätze zu beachten. In begründeten Ausnahmefällen kann - in begrenztem Umfang - von der Gliederung abgewichen werden. Das darf jedoch die Teilziele und das Gesamtziel nicht beeinträchtigen. Er sollte auf jeden Fall die Abweichung mit einer Begründung festhalten.

Wenn der Ausbildungsplan nicht eingehalten wird

Wenn er den Ausbildungsplan nicht einhält, kann das erhebliche Folgen haben. Bei mangelhafter Ausbildung haben die Auszubildenden gegebenenfalls Anspruch auf Schadenersatz, wenn für sie nachweislich ein Schaden entstanden ist. Zur Ermittlung der Ursachen und um die Schuldfrage zu klären werden die von beiden Vertragsparteien unterschriebenen Ausbildungsnachweise mit dem betrieblichen Ausbildungsplan verglichen.

Die nicht plangerechte Ausbildung und die damit einhergehende Beschäftigung mit Tätigkeiten, die nicht zur Ausbildung gehören, sind auch häufig ein Anlass zur Auflösung von Ausbildungsverhältnissen, bei denen die Auszubildenden fristlos kündigen. Das Ende einer Ausbildung ist aber kein plötzliches Ereignis. Es bahnt sich langfristig an. Selten ist nur eine Ursache der Grund. In vielen Fällen ist es eine Anhäufung von verschiedenen Problemen, Konflikten und Schwierigkeiten. Betriebliche Gründe führen sehr oft dazu, einen Berufsausbildungsvertrag aufzulösen. Vor allem in kleinen und mittleren Betrieben sind es Konflikte zwischen den Auszubildenden und Ausbildenden. Zu einem hohen Prozentsatz liegen die Gründe in der schlechten Vermittlung von Ausbildungsinhalten, in Verbindung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten, also in der nicht nach dem Ausbildungsplan durchgeführten Ausbildung.

Auf diese Warnzeichen sollten Ausbilder achten

Der Buchbindermeister muss sehr wachsam sein, um die ersten Anzeichen auf die Gefährdung des Ausbildungserfolges zu erkennen. Nur wenn er nah genug am Ausbildungsgeschehen ist, kann er erkennen und darauf reagieren. Schwache Signale sind unter anderem mangelhafte Ergebnisse bei den praktischen Arbeiten, schwache Leistungen in der Berufsschule, häufige Unpünktlichkeit und Krankmeldungen, unentschuldigtes Fehlen, plötzliche Änderungen im Verhalten, Streit mit anderen Beschäftigten oder Vorgesetzten, wiederholte Weigerung Arbeitsaufträge auszuführen, Frust bei Misserfolgen in der Ausbildung, aggressive Reaktionen auf Kleinigkeiten oder mangelnde Kommunikationsfähigkeit.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

© privat

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.