Kolumne Wie sollten Ausbilder beim Verdacht auf Drogenmissbrauch reagieren?

Eine Ausbilderin bemerkt bei ihrer Azubine einen stetigen Leistungsabfall. Wenn der Verdacht besteht, dass Drogen im Spiel sind, muss der Ausbildungsbetrieb reagieren. Was zu tun ist, erklärt Ausbildungsberater Peter Braune.

Gastautor Peter Braune

Wenn sich bei einem Lehrling ein Leistungsabfall bemerkbar macht, sollte ein Ausbilder reagieren und prüfen, ob ein Drogenmissbrauch vorliegt. - © Foto2u - stock.adobe.com

Die Ausbilderin einer Kraftfahrzeugmechanikerin beobachtet schon seit einiger Zeit die Leistungsminderung ihrer Auszubildenden. Die Qualität der Arbeitsergebnisse wird immer schlechter. Sie bemerkt Gedächtnislücken. Die junge Frau wirkt unkonzentriert, kommt häufig zu spät oder fehlt oft. Die Merk- und Lernfähigkeit nimmt ab und sie verhält sich risikoreich, was im Zusammenhang mit den Kraftfahrzeugen besonders problematisch ist. In einem Gespräch mit ihr äußert sie den Verdacht, dass es da ein Drogenproblem geben könnte.

Grundsätzlich ist die Sucht nach einer Droge vorhanden, wenn die betreffende Person körperlich davon abhängig ist. Das geschieht sehr schleichend und oft ohne dass es selbst bemerkt wird. Die Sucht macht sich vor allem durch Mangelerscheinungen bemerkbar. Als Droge ist hier vor allem gemeint, was durch das Betäubungsmittelgesetz verboten ist. Darunter fallen zum Beispiel Haschisch oder Ecstasy.

Die Ausbilderin muss ihre Azubine ansprechen

Die Ausbilderin hatte erst kurz zuvor einen interessanten Artikel über das Thema gelesen. Demnach wirken Drogen sehr unterschiedlich, aber einige Merkmale sind typisch: Cannabiskonsum entspannt und erheitert. Das Unbedeutende wird bedeutend. Die Droge bewirkt eine gewisse Albernheit. Andere Personen werden nicht mehr ernst genommen. Kokain wirkt belebend, steigert das Selbstbewusstsein extrem und senkt das Risikobewusstsein. LSD erzeugt böse oder gute Halluzinationen. Durch die Aufputschmittel sinkt das Schlafbedürfnis sehr stark zugunsten starker Aktivität, dann folgen die Einbrüche und Auszehrung.

Nach meiner Meinung kann eine Auszubildende oder ein Auszubildender, in der Freizeit hin und wieder einen über den Durst trinken, wenn sie es unbedingt brauchen. Es muss jedoch sichergestellt sein, dass dieses Verhalten keinen Einfluss auf die betriebliche Ausbildung hat.

Generell gilt, wenn festgestellt wird, dass jemand unter Drogen steht, die Person nicht weiterarbeiten zu lassen und sie insbesondere von den gefährlichen Gebrauchsgütern fernzuhalten. Bei einer berauschten Person gilt, ihr den Zutritt zum Betrieb zu verweigern, da sie in der Regel eine Gefahr für sich und alle anderen Menschen darstellt. Die Betroffenen sollten dann aber nicht ihrem Schicksal überlassen werden. Bei Bedarf werden sie nach Hause geschickt, notfalls mit einer Begleitung oder es wird veranlasst, dass sie ein Rettungsdienst abholt. Die Situation wird protokolliert. Später folgt ein ausführliches Gespräch, in dem erläutert wird, warum der Drogenkonsum in der Ausbildung nicht geduldet wird. Es wird auf die rechtlichen Folgen hingewiesen. Bei einem fortgesetzten Verdacht sollte unbedingt der Beweis für die Drogenfreiheit verlangt werden.

Es gehört zur Fürsorgepflicht der Ausbildenden, die Auszubildenden vor den Schäden und Gefahren von Suchtmitteln zu bewahren, soweit dies möglich und zumutbar ist. Sie haften persönlich bei einer Verletzung der Fürsorgepflicht. Es war daher ganz richtig, dass die Ausbilderin ihrer Wahrnehmung vertraute und die junge Frau zunächst einmal unter vier Augen bezüglich Ihrer Vermutungen angesprochen hat. Danach informierte sie den Chef.

Konsequenzen können eine Abmahnung oder Kündigung sein

Wenn der Drogenkonsum oder Drogenhandel im Betrieb stattfindet, die Jugendlichen im Rauschzustand am Ausbildungsplatz erscheinen oder die langfristige Wirkung von Drogenkonsum sichtbar wird, dann müssen die geeigneten Konsequenzen folgen.

Wegen der Verstöße gegen die Betriebsordnung und die Lern- und Arbeitspflicht kann abgemahnt und fristlos gekündigt werden. Nach der Fahrerlaubnisverordnung kann eine Untersuchung angeordnet werden und es droht dann der Verlust der Fahrerlaubnis. Fahren unter Drogen ist eine Ordnungswidrigkeit.

Ein Unternehmen ist keine Therapieeinrichtung. Die Ausbildenden müssen die betrieblichen Interessen wahren. Das bedeutet die Null-Toleranz gegenüber allen Drogen.

Auf jeden Fall helfen klare Regeln, die ab Beginn der Ausbildungszeit strikt angewendet werden. Die Geschäftsführung muss sich klar gegen die Drogen am Arbeitsplatz bekennen. Das Ausbildungspersonal muss regelmäßig über das Thema auf dem aktuellen Stand gehalten werden. In einem größeren Unternehmen wäre eine Betriebsvereinbarung zum Thema Drogen denkbar.

Es sollte, so weit wie möglich, immer die Hilfe zur Selbsthilfe angeboten und über Beratungs- und Hilfeangebote informiert werden. Möglich ist, eine Unterstützung von außen zu holen, denn je sicherer und konsequenter gehandelt wird, desto früher können die Auszubildenden aus dem Drogenkreislauf aussteigen.

Die Suchtprobleme stellen in der Gesellschaft eine große gesundheits- und sozialpolitische Herausforderung dar. Sie verursachen für die Betroffenen und deren Angehörige viel Leid und für die Gesellschaft hohe und vermeidbare Kosten. Die Sucht verursacht persönliche Tragödien, zugleich belasten sie die Gesellschaft als Ganzes.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

- © privat

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.