Kommentar Was ist uns unser Essen wert?

Das falsche Deklarieren von Lebensmitteln ist kein Kavaliersdelikt. Doch deshalb sind nicht nur mehr staatliche Kontrollen gefragt. Bei jedem einzelnen Verbraucher sollte ein Umdenken stattfinden - hin zu mehr Qualitätsbewusstsein.

Burkhard Riering

Derzeit kommt es wieder Schlag auf Schlag: Erst die Pferdefleisch-Lasagne, dann falsche Bio-Eier, jetzt auch noch verschimmeltes Tierfutter für unsere Milchkühe. Es darf nicht sein, dass Verbraucher nicht mehr wissen, was sie eigentlich essen: Wenn Rind draufsteht, sollte nicht Pferd drin sein.

Burkhard Riering, Chefredakteur der Deutschen Handwerks Zeitung. - © Zeichnung: Kasia Sander
Burkhard Riering

Durch Falschdeklaration des Fleisches werden wir bewusst getäuscht. Unerträglich ist die Vorstellung, dass uns Fleisch von Tieren untergemengt wird, deren Transportwege wir nicht nachvollziehen können. Zudem existiert keine Auskunft darüber, wie die Tiere zu Tode gebracht wurden. Dort, wo allein die Rendite regiert, scheint kriminelle Energie nicht mehr weit zu sein.

Gemeinhin werden die jüngsten Vergehen als „Lebensmittel“-Skandal abgeheftet. Der Begriff führt in die Irre, wenn er nicht gar falsch ist. Es sind eher „Etikettierungs“-Skandale oder „Deklarierungs“-Skandale. Wir haben in der Summe gute Lebensmittel von hoher Qualität. Regionale Produkte der Fleischer und vom Bauern, denen wir vertrauen.

Bei massenindustriell gefertigten Produkten ist es aber ungleich schwieriger, Herkunft und Inhalt genau zu kennen. Deswegen sollten wir uns auf die Informationen der Hersteller verlassen können. Wird hier Schindluder getrieben, ist es nur recht und billig, die Machenschaften öffentlich zu machen, wie es jetzt die Bundesregierung in einem Gesetz plant.

Doch nicht bloß der Ruf nach mehr staatlichen Kontrollen ist das Maß aller Dinge. Ein jeder ist gefragt. Wollen wir weiter möglichst billige Lebensmittel? Geht es nur um den niedrigsten Preis? Was ist uns unser Essen wert? Müssen wir nicht umdenken, wenn ein Tiefkühlprodukt für die ganze Familie vom Discounter weniger kostet als ein Cappuccino „to go“ in der Stadt?

An den bekannt gewordenen kriminellen Vorgängen gibt es nichts zu beschönigen. Doch Eigenverantwortung zählt auch.

Die Fleischer machen klar: Wir wissen, wo unsere Produkte herkommen. Wir kennen die Landwirte in unserer Region, wir wissen, wie die Tiere auf kürzesten Wegen transportiert werden. Dieses Denken, dieses Qualitätsbewusstsein, wird in den kommenden Jahren noch deutlich zunehmen. Denn die Verbraucher ändern mehr und mehr ihre Einstellung: Wir werden bewusster gegenüber dem, was wir tun und was wir essen.