Wissenswertes über Normen -

Wissenswertes über Normen Was genau ist eine DIN-Norm und wie kann man sie nutzen?

Fast jeder hat schon mal damit zu tun gehabt – vor allem, wer einen technischen Beruf erlernt hat. Doch nicht jeder weiß im Detail, über sie Bescheid: die DIN-Normen. Wer sie festlegt, wie sie angewendet werden und warum sie so wichtig sind, zeigt folgender Überblick.

Was ist eine Norm?

Grundsätzlich ist eine Norm eine Empfehlung und ihr Einsatz freiwillig. Wegen der großen Bedeutung von Normen für das Zusammenspiel von technischen und wirtschaftlichen Lösungen ist die möglichst breite Akzeptanz und Anwendung von Normen aber absolut sinnvoll.

Es gibt allerdings Normen, die nicht nur als Empfehlung zu betrachten sind. Solche Normen müssen zwingend eingehalten werden, da Gesetzgeber oder Behörden in ihren Erlassen (Gesetze und Verordnungen) verbindlich auf Normen verweisen können. Dabei handelt es sich vorwiegend um Normen, die Themen wie Sicherheit, Gesundheit oder Umweltschutz betreffen.

Das Wort stammt aus dem Lateinischen; dort ist norma = das Winkelmaß; die Regel. Dazu auch gleich das Eigenschaftswort: normativ = als eine Norm geltend, auf eine Norm aufbauend.

Der Begriff "Norm" hat mehrere Bedeutungen. Man findet in den Lexika:

  • Allgemein anerkannte Regel; so ist zum Beispiel die schwäbische Kehrwoche eine "Norm", das heißt ein "Muss" für jeden, der (in seiner Nachbarschaft) nicht auffallen will. Norm in diesem Sinne ist also "Richtschnur" oder "verbindliche Regel".
  • Das sittliche Gebot, auf dem Gesetze aufbauen. Wer (allgemeingültige) Normen (sprich Gesetze) übertritt, muss mit Sanktionen (Strafen) rechnen. Auf einem Gesetz beruhen Verordnungen, zum Beispiel Verordnungen der EU (Europäischen Union).
  • Größenanweisungen für die Technik: So sind zum Beispiel die Papierformate (A4, A5 usw.) nach DIN EN ISO 216 (2007-12) "Schreibpapier und bestimmte Gruppen von Drucksachen — Endformate -A- und B-Reihen)" genormt — und auch tausend Dinge des täglichen Lebens wie beispielsweise Schrauben, Muttern, Splinte. Normen sind hier also Vereinbarungen der Hersteller und der Anwender.

Meist werden Normen automatisch mit der Bezeichnung "DIN" verknüpft und wer sie nennt und nutzt, bezieht sich auf Inhalte, die im Deutschen Instituts für Normung (DIN) erarbeitet wurden.

DIN ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Berlin. Man kann DIN als eine Art Selbstverwaltungsorgan der Wirtschaft sehen. DIN (= Deutsches Institut für Normung) wurde 1917 gegründet. Es vertritt die deutschen Interessen in den europäischen und weltweiten Normung­sorganisationen.

Wie entsteht eine Norm?

DIN-Normen werden in rund 70 Normenausschüssen des DIN mit insgesamt ca. 3.600 Arbeitsausschüssen erarbeitet. Der zuständige DIN-Ausschuss nimmt die deutschen Interessen auch in den übernationalen Normungsorganisationen ISO/IEC und CEN/CENELEC wahr.

Am Anfang steht ein Normungsantrag, der von jedermann gestellt werden kann. Der Antrag wird im zuständigen Gremium besprochen, abgewogen und anschließend angenommen oder abgelehnt.

Entwurf einer Norm: Jeder kann Einspruch einlegen 

Dann wird von Fachleuten eine sogenannte Norm-Vorlage erstellt und diskutiert. Aus der Vorlage entsteht der Norm-Entwurf, der auf der DIN-Website unter din.de/go/entwuerfe  veröffentlicht wird. Nach kurzer Registrierung kann dort jeder kostenfrei und unkompliziert seine Einsprüche gegen den Normentwurf anmelden.

Die Einspruchsfrist beträgt im Allgemeinen zwei Monate. Im Anschluss daran werden die Einsprüche diskutiert und die endgültige Fassung der Norm verabschiedet  und in das Deutsche Normenwerk aufgenommen.

Auf diese Weise erscheinen jährlich über circa 2.000 DIN-Normen und ebenso viele DIN-Normentwürfe.

Normen werden alle fünf Jahr überprüft 

Eine Norm wird spätestens nach fünf Jahren überprüft. Wenn sich keine Änderung aufdrängt, wird die Norm in unverändertem Zustand belassen und erst nach weiteren fünf Jahren wieder überprüft. So stellt man sicher, dass nur aktuelle und relevante Normen fortbestehen.

Wird aber erkannt, dass eine Norm neuen Gegebenheiten, beispielsweise dem neuen Stand der Technik angepasst werden muss, wird sie überarbeitet. Dies kann beispielsweise der Fall sein, weil während der letzten Jahre substantielle Änderungen an einem Verfahren erfolgt sind. In machen Fällen wird sie auch komplett zurückgezogen.

Normung: Jeder kann mitmachen

Diese Mitwirkungsmöglichkeiten gibt es:

1. Stellen eines Normungsantrags: Jeder kann bei DIN einen Normungsantrag formlos schriftlich stellen. Der Antrag muss begründet sein und sollte möglichst einen konkreten Vorschlag enthalten. Anträge, für die ein Bedarf ermittelt wurde und für deren Bearbeitung die Finanzierung gesichert ist, erhalten den Status von Norm-Projekten. Das Normungsvorhaben wird einem der rund 3.600 Arbeitsgremien von DIN zur Bearbeitung zugeteilt. Bei Bedarf wird ein neuer Ausschuss gegründet.

2. Mitwirkung in den Arbeitsgremien: Jede Organisation und jedes Unternehmen hat die Möglichkeit, Experten in die Arbeitsausschüsse zu entsenden. Die Teilnehmer zahlen einen Kostenbeitrag für das Projektmanagement von DIN. Mit Blick auf den Ressourcenaufwand verständigen sich Unternehmen häufig auf einen Vertreter eines Fachverbandes, der ihre Interessen gemeinschaftlich im Ausschuss vertritt. Die Experten erarbeiten unter Berücksichtigung des Standes der Technik im Konsensverfahren einen Norm-Entwurf.

3. Stellungnahme zu Norm-­Entwürfen: Nach Veröffentlichung des Norm-Entwurfes hat die Fachöffentlichkeit innerhalb einer Frist von zwei bis vier Monaten die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben. Dazu steht das Norm-Entwurfs-Portal zur Verfügung, mit dessen Hilfe-Norm-Entwürfe – für den Kommentator kostenlos – eingesehen und kommentiert werden können.

Quelle: Deutsches Institut für Normung e.V.

Welche unterschiedlichen Arten von Normen gibt es?

Welchen Ursprung und damit welchen Wirkungsbereich (national, europäisch oder international) eine DIN-Norm hat, ist aus der Bezeichnung zu ersehen:

  • DIN (plus Zählnummer, z.B. DIN 4701)

Eine DIN-Norm, die ausschließlich oder überwiegend nationale Bedeutung hat oder als Vorstufe zu einem internationalen Dokument veröffentlicht wird. Die Zählnummer hat keine klassifizierende Bedeutung.

  • DIN EN (plus Zählnummer, z.B. DIN EN 71)

Europäische Normen sind DIN-Normen. Hier handelt es sich um die deutsche Ausgabe einer Europäischen Norm, die unverändert von allen Mitgliedern der gemeinsamen europäischen Normungsorganisation CEN/CENELEC übernommen wurde.

  • DIN EN ISO (plus Zählnummer, z.B. DIN EN ISO 306)

Deutsche Ausgabe einer Europäischen Norm, die mit einer Internationalen Norm identisch ist und die unverändert von allen Mitgliedern der europäischen Normungsorganisationen CEN/CENELEC/ETSI übernommen wurde.

  • DIN ISO (plus Zählnummer, z.B. DIN ISO 720)

Hierbei handelt es sich um die unveränderte Übernahme einer Norm der ISO als nationale Norm.

Aus was setzt sich die Bezeichnung einer Norm zusammen?

Normen werden nach bestimmten, festgelegten Regeln einheitlich gestaltet. Diese Regeln sind in der DIN 820 bis ins Kleinste genau festgelegt.

So wird beispielsweise die Kopfleiste der DIN 1301 Teil 1 vom Oktober 2010 mit dem Titel "Einheiten — Einheitennamen, Einheitenzeichen" wie folgt geschrieben:

DIN 1301-1:2010-10 sieht folgendermaßen aus:

  • DEUTSCHE NORM: Dezember 1993
  • Einheiten: DIN
  • Einheitennamen, Einheitenzeichen: 1301
  • Teil 1

Auch die Benummerung ist einheitlich und wird ohne Zwischen­räume geschrieben. Klar: Der Computer kann keine Leerstellen gebrauchen. Ein angehängter Beistrich gibt den Teil dieser Norm an. Ebenso sind auch die Datumsangaben einheitlich. Die Sprache einer Norm und ihre Gliederung sind klar und unmiss­verständlich, ebenso die bildlichen Darstellungen, sowie die Tabellen. Bilder sollen in einer Norm immer dann gebracht werden, damit Informationen in leicht verständlicher Form vermittelt werden können. Die Sätze in einer DIN sind kurz.

Zwingend vorgeschrieben sind für jede Norm das Vorwort, der Anwendungsbereich, die normativen Verweisungen (das sind wichtige Hinweise auf andere Normen), Begriffe (Definitionen, die zum Verstehen bestimmter Benennungen notwendig sind) sowie Literaturhinweise. Ferner die Anwendung des Internationalen Einheitensystems (SI, nach ISO).

Diese Normen sind vielen bekannt

DIN EN ISO 9001: Diese weltweit anerkannte Norm ist aus dem Wirtschaftsleben kaum noch wegzudenken, denn ein funktionierendes Qualitätsmanagementsystem stärkt das Vertrauen der Kunden in die Fähigkeiten der Organisation, steigert die Kundenzufriedenheit, trägt zur Transparenz der Abläufe bei und verbessert insgesamt Leistungen und Fähigkeiten einer Organisation.

DIN EN ISO 216: Auch wenn Sie die Bezeichnung vielleicht nicht kennen, den Inhalt kennen Sie ganz sicher. Diese Norm ermöglicht weltweit einheitliche Papierformate, allen voran das berühmte Format A4, das mit der früheren Bezeichnung DIN A4 einen der ältesten und wohl auch bekanntesten Norminhalte darstellt.

DIN EN 124: Irgendwo haben Sie die Bezeichnung schon einmal gesehen? Sie treten sie regelmäßig mit Füßen! Die Europäische Norm für Aufsätze und Abdeckungen von Verkehrsflächen, also Gullydeckel, sorgt dafür, dass Sie Ihr Fahrzeug darauf parken können, ohne dass die Abdeckung nachgibt.

DIN 5008: Eine gelungene Geschäfts- und Bürokommunikation braucht heute auch einheitliche Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung. Genau die enthält DIN 5008, die auf bewährten Erfahrungen der Praxis und Erkenntnissen der Rationalisierung basiert.

DIN 13157: Im Notfall gut ausgerüstet zu sein, dafür sorgt die Norm für Erste-Hilfe-Material, Verbandkasten C. Sie listet den Inhalt des Verbandkastens auf sowie Anforderungen an das Behältnis. Die Anforderungen an Erste-Hilfe-Materialien wie Scheren, Fixierbinden und medizinische Handschuhe regeln weitere Normen.

Quelle: Deutsches Institut für Normung e.V.

Wie viele Normen gibt es?

Klickt man sich durch die Website der DIN-Normenausschüsse unter din.de/go/mitwirken, so stellt man fest, dass Monat für Monat sicher an die hundert neue Normen oder Normentwürfe oder auch nur Normenänderungen veröffentlicht werden. Eine gewaltige Sache. In der Tat, es ist so: Die Anzahl der Feuerwehr-Normen beispielsweise ist sehr umfangreich.

Die Gruppe der Feuerwehr-Normen ist vielleicht die größte zusammen­hängende Normen-Gruppe. Es gibt an Feuerwehr-Normen — zusammen mit den laufenden Norm-Entwürfen, den Europa-Normen und den ISO-Standards aus dem Brandschutz sowie den DIN-Normen und -Entwürfen aus anderen, verwandten Fachgebieten — geschätzt gut und gern 1.000 Normen der Feuerwehr.

Dazu kommen Übersetzungen, CDs und weitere Printprodukte zu diesem Fachgebiet. Ähnlich ist es auch auf allen anderen technischen Gebieten: Wo viel ist, wird viel genormt!

Nach Angaben von DIN gibt es etwa 34.500 DIN-Normen . Wie viele es weltweit sind, weiß niemand. Man kann nur schätzen. Sicher sind es mehrere hunderttausend aktuelle Standards aus aller Welt.

Welche Vorteile bieten Normen?

  • Normen schaffen einheitliche Standards und belegbare Nachweise. Sie dienen der Orientierung und verhelfen der Wirtschaft zu Wettbewerbsvorteilen.
  • Normen schaffen weltweit einheitliche Basisstandards (Standard = internationale Vereinbarungen) für den Austausch von Komponenten, zum Beispiel Schrauben. Sie werden im Geschäftsverkehr als Beschreibung technischer Sachverhalte herangezogen, auch vor Gericht.
  • Normen sind — wie Patente — für das Wirtschaftswachstum enorm wichtig. Sie basieren auf beweisbaren naturwissen­schaftlichen Argumenten und verfolgen gesamtwirtschaftliche Zwecke. Der Nutzen für alle steht über dem Vorteil einzelner Personen oder Institutionen.
  • Unternehmen können durch aktive Beteiligung an der Normung technische Regeln nach eigenen Interessen und Vorstellungen mitgestalten, aber auch Festlegungen zur Sicherheit etwa in den Bereichen Arbeits-, Umwelt-, Verbraucher- oder Gesundheitsschutz treffen. Dies trägt auch zur Investitionssicherheit für das Unternehmen bei.
  • Die Anwendung von Normen ist zwar freiwillig. Doch sie können auch bindend werden, wenn sie Gegenstand von Verträgen zwischen Parteien sind oder wenn der Gesetzgeber ihre Einhaltung zwingend vorschreibt. Dann bieten sie Rechtssicherheit.
  • Normen sind die weltweite Sprache der Technik und liefern anerkannte Lösungen für den Schutz von Gesundheit, Sicherheit und Umwelt. Mit Blick auf den internationalen Geschäftsverkehr können sie dazu beitragen, Vertrauen zwischen Kunden und Zulieferern zu schaffen, Kompatibilität sowie Qualität zu garantieren, Handelshemmnisse zu reduzieren und internationale Handelsabkommen einfacher umzusetzen. So können Unternehmen weltweit aktiv werden, ohne ihre Produkte landesspezifischen Forderungen anpassen zu müssen.

Warum sind Normen aus rechtlicher Sicht so wichtig?

DIN-Normen sind ein Maßstab für einwandfreies technisches Verhalten. Dies ist im Rahmen unserer Rechtsordnung von Bedeutung. Festlegungen einer Norm sind allein schon aufgrund ihres Zustande­kommens nach hierfür geltenden Grundsätzen und Regeln als "fachgerecht" zu beurteilen. Sie gelten als "Anerkannte Regeln der Technik".

Im Prinzip sind DIN-Normen für jedermann frei zugänglich und frei zur Anwendung. Das heißt, man kann sie anwenden, muss aber nicht. Kommt es jedoch zu Streitigkeiten, so werden vom Richter beziehungsweise vom Sachverständigen die DIN-Normen als Entscheidungs­hilfe herang­e­zogen.

Dann spricht für den Anwender der sogenannte "Beweis des ersten Anscheins", das heißt für den Anwender der Norm, weil er — veranlasst durch die Norm — "die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beachtet hat".

DIN-Normen sind jedoch nicht die einzige, sondern nur eine von möglicherweise mehreren Erkenntnisquellen für technisch ordnungsgemäßes Verhalten. Durch das Anwenden von Normen entzieht sich niemand der Verantwortung für sein eigenes Handeln. Jeder handelt somit auf eigene Gefahr.

DIN-Blätter sind keine Lehrbücher. Wer sie anwendet, muss so viel Sachverstand haben, dass er die Verantwortung für sein Handeln selbst übernehmen kann. Obwohl die DIN-Normen allgemein zugänglich sind, dürfen sie nicht ohne Genehmigung kopiert werden. Der Grund dafür ist das (deutsche und internationale) Urheberrecht. Was genormt ist, sollte man immer auch als "genormt" kennzeichnen.

Die Rechtliche Bedeutung von Normen

Die Anwendung von Normen basiert auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Normen haben im rechtlichen Sinne daher keine Bindungswirkung wie etwa Gesetze. Man ist demnach zur Einhaltung oder Anwendung von Normen rechtlich nicht verpflichtet.

Rechtsverbindlichkeit erlangen Normen, wenn Gesetze oder Rechtsverordnungen auf sie verweisen. Daneben können Vertragspartner die Anwendung von Normen auch in Vereinbarungen verbindlich festlegen.

In den Fällen, in denen DIN-Normen weder von den Vertragsparteien zum Inhalt eines Vertrages gemacht worden sind, noch durch den Gesetzgeber verbindlich vorgeschrieben werden, dienen sie im Streitfall dennoch als Entscheidungshilfe. Praktische Relevanz erlangen Normen in diesem Zusammenhang vor allem in Haftungsprozessen. Gerichte ziehen Normen und technische Regeln in Verfahren auf dem Gebiet des Mängelgewährleistungsrechts sowie des Delikts- und Produkthaftungsrechts heran, um zu beurteilen, ob der Hersteller die allgemein anerkannten Regeln der Technik beachtet und somit die verkehrsübliche Sorgfalt eingehalten hat.

Normen sind also Empfehlungen, deren Einhaltung für Unternehmer im Hinblick auf mögliche Haftungsfälle eine gewisse Rechtssicherheit darstellt.

Quelle: Deutsches Institut für Normung e.V.

Wie haben Normen mit Sicherheit zu tun?

Sicherheit ist einer der wichtigsten Aspekte der Normung. Nicht die Anzahl der erstellten Normen ist das Maß der Leistungsfähigkeit einer Institution wie der DIN, sondern ihre Effizienz. Dazu gehören in erster Linie Aspekte der Sicherheit.

Beispiele:

  • Sicherheit auf der Straße beziehungsweise im Einsatz; Beispiel: Bei einem Sturz beeinflusst die Kleidung, die ein Motorradfahrer trägt, die Art und Schwere der erlittenen Verletzungen erheblich. Schutzkleidung ist Gegenstand zahlreicher Europäischer Normen, zum Beispiel die DIN EN ISO 11612 "Schutzkleidung – Schutz gegen Hitze und Flammen".
  • Betriebssicherheit; Ein Beispiel aus dem Maschinenbau: Anforderungen an unbefeuerte Druckbehälter nach DIN EN 13445. Zu diesen Geräten gehören eine ganze Reihe von Geräten, vom Feuerlöscher bis zum Schnellkochtopf.
  • Sicherheit beim Heben; Beispiel: zum Halten, Heben und Bewegen von Lasten werden so genannte Tragmittel wie Drahtseile eingesetzt. Diese Arbeiten gefährden Personen in erhöhtem Maße. Beispiele für den Schutz der damit arbeitenden Personen sind die Normen über Drahtseile aus Stahldraht (DIN EN 12385-1 bis -10), Anschlagseile (DIN EN 13414-1 bis -3) und Seilendverbindungen (DIN EN 13411-1 bis -7).
  • Sicherheit von Kindern, beispielsweise von sogenannten Schwimmsitzen. Diese Sitze helfen Kleinkindern, sich spielerisch (und hoffentlich sicher) an das Wasser zu gewöhnen. Wellen sollen dann den Sitz nicht zum Kippen bringen können. Mit dem Kopf unter Wasser würde das Kind im Schwimmsitz hängen bleiben und ertrinken. Eine technische Lösung für dieses Problem zeigt DIN EN 13138-3.
  • Sicherheit im Labor; darunter versteht man Maßnahmen zum Schutz des Laborpersonals beim Umgang beispielsweise mit infektiösem Material (DIN EN 13641).
  • Sicherheit beim Zahnersatz; auch beim Herstellen und Reparieren von Kronen und Brücken oder herausnehmbarem Zahnersatz müssen die Einzelteile verlässlich und fest miteinander verbunden werden. Dabei kommt es in verstärktem Maße auf die Art der Verbindungs­technik an. Geschweißte chemisch unterschiedlicher Dental-Legierungen können zu Unverträglichkeitsproblemen im Mund des Patienten führen. Einen qualitätssichernden Ansatz zu diesen Problemen zeigt die DIN EN ISO 28319, die Anforderungen und Prüfver­fahren zu Laser­schweißung festlegt. Ergebnis: Die Bioverträglichkeit steigt, das heißt es treten bei Anwendung dieser Technik weniger Allergien auf. dhz

Kleine Geschichte der DIN und der Normung

1917 begann alles mit der Gründung des "Normalienausschuss der deutschen Industrie" (NADI).

1918: Veröffentlichung der ersten Norm (DIN 1: Kegelstifte)

1922: Veröffentlichung der wohl berühmtesten deutschen Norm DIN 476 (Normung der Papierformate) — jetzt DIN ISO 216 vom März 2002 (Schreibpapier und bestimmte Gruppen von Drucksachen, Endformate - A- und B-Reihen)

1924: Gründung des Beuth-Verlags zum Vertrieb der DIN-Normen; übrigens: Der Name Beuth geht auf Christian Peter Wilhelm Beuth (1761 bis 1853) zurück, einen Wegbereiter der Industralisierung in Preußen

ab 1925: Deutscher Normenausschuss (DIN)

1926: Gründung der Internationalen Normungsorganisation (ISA, heute ISO)

1934: Das "Urbild" des DIN (die Abkürzung DIN mit den beiden Strichen über und unter den Buchstaben DIN) wird festgelegt (DIN 31)

1946: DIN nimmt nach dem Kriege seine Arbeit wieder auf

1954: In der DDR entsteht das "Amt für Standardsierung" (AfS). Der AfS-Präsident wird Vizepräsident des DIN

1961: Gründung des Europäischen Komitees für Normung (CEN)

1975: Umbenennung in DIN Deutsches Institut für Normung e.V.

1990: Das Amt für Standardisierung, Messwesen und Warenprüfung (ASMW) der DDR stellt seine Tätigkeit ein. DIN ist wieder für ganz Deutschland zuständig.

1996: DIN und der Beuth-Verlag richten erste Websites ein. Es sind alle DIN-Normen und VDI-Richtlinien online unter beuth.de recherchierbar.

2000: Download-Service des DIN: über 50.000 technische Regeln stehen online zur Verfügung.

2013: Zum 1. Januar 2013 tritt die europäische Normungsverordnung (Nr. 1025/2012) in Kraft. Ziel der Verordnung ist die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen.

2017: DIN feiert 100. Jubiläum. Aktualisierte Fassung der Deutschen Normungsstrategie wird veröffentlicht

Weitere Infos zum Thema Normen bietet die Broschüre "1x1 der Normung – ein praxisorientierter Leitfaden für KMU". Hier geht es zum PDF >>>

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