Was auf Gartenpartys, Vereinsfesten und Familienfeiern über einen Betrieb gesagt wird, verrät mehr als jede Karriereseite. Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg zeigt in ihrer DHZ-Kolumne, warum genau das der ehrlichste Test für die eigene Arbeitgebermarke ist – und was Handwerksbetriebe daraus ziehen sollten.

Viele Betriebe wollen wissen, wie zufrieden ihr Team ist. Also werden Fragebögen verschickt, Gespräche geführt, Skalen angekreuzt und Ergebnisse ausgewertet. Von eins bis zehn, wie wahrscheinlich ist es, dass Sie Ihren Arbeitgeber weiterempfehlen würden?
Das kann hilfreich sein. Aber manchmal liegt die ehrlichere Antwort nicht in einem Tool, sondern zeigt sich an einem Samstagabend am Gartentisch.
Der Moment, in dem kein Betrieb zuhört
Stellen Sie sich eine Gartenparty vor. Es ist warm, der Grill läuft, irgendwo steht Kartoffelsalat, jemand schenkt Getränke nach. Man kennt sich lose, kommt ins Gespräch, fragt nach Kindern, Urlaub, Haus, Arbeit. Und dann fällt dieser Satz, der mehr über einen Betrieb verrät als viele Hochglanzseiten zusammen: Was machst du eigentlich beruflich? Jetzt wird es spannend.
Nicht für die Person, die fragt. Sondern für den Arbeitgeber, über den gleich gesprochen wird. Denn in diesem Moment sitzt keine Führungskraft daneben. Es gibt keine vorbereitete Antwort, keine Skala, keine Auswertung. Es gibt nur einen Menschen, der erzählt.
Stolz oder Fluchtplan – zwei sehr unterschiedliche Antworten
Und genau darin liegt die Wahrheit. Sagt dieser Mensch: "Ich arbeite bei einem richtig guten Betrieb. Viel los, aber ein starkes Team." Oder sagt er: "Ach, frag nicht. Ist gerade schwierig." Erzählt er von Projekten, auf die er stolz ist? Von Kolleginnen und Kollegen, auf die Verlass ist? Von einem Chef, der klar führt? Oder wird aus der harmlosen Frage nach dem Beruf ein kleiner Fluchtplan?
Arbeitgebermarke entsteht dort, wo kein Betrieb sie kontrolliert

Viele Betriebe unterschätzen diesen Moment. Sie glauben, Arbeitgebermarke sei das, was auf der Karriereseite steht. Die Bilder, die Texte, die Stellenanzeigen, die Benefits. Aber die stärkste Arbeitgebermarke entsteht dort, wo niemand aus dem Betrieb sie kontrollieren kann.
In Gesprächen am Spielfeldrand. Beim Vereinsfest. In der Nachbarschaft. Beim Friseur. Auf Familienfeiern. Und eben auf Gartenpartys. Dort zeigt sich, ob Menschen nur beschäftigt sind oder ob sie verbunden sind. Ob sie ihren Betrieb innerlich mittragen oder nur ihre Stunden dort verbringen. Ob sie mit Stolz erzählen oder mit hochgezogenen Schultern. Ob sie andere neugierig machen oder still davon abraten.
Das ist unbequem, weil Betriebe diesen Moment nicht steuern können.
Außendarstellung und echte Marke: ein wichtiger Unterschied
Genau hier liegt der Unterschied zwischen schöner Außendarstellung und echter Arbeitgebermarke. Eine schöne Außendarstellung sagt: So möchten wir gesehen werden. Eine echte Arbeitgebermarke sorgt dafür, dass andere über den Betrieb gut sprechen, auch wenn niemand darum gebeten hat.
Dafür braucht es mehr als gute Laune. Es braucht Führung, die hält, was sie verspricht. Kommunikation, die nicht nur funktioniert, wenn alles ruhig ist. Wertschätzung, die nicht erst beim Sommerfest auftaucht. Und eine Kultur, in der Menschen nicht das Gefühl haben, sie müssten ihren Betrieb schönreden.
Die entscheidende Frage, die kaum jemand stellt
Wer wissen will, wie stark die eigene Arbeitgebermarke wirklich ist, sollte nicht nur fragen: Wie zufrieden sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Er sollte sich auch fragen: Was erzählen unsere Leute, wenn sie keiner bewertet?
Denn auf der Gartenparty wird nicht die perfekte Antwort gegeben. Dort wird erzählt, was hängen geblieben ist. Vielleicht ist genau das der ehrlichste Test für Arbeitgeber. Nicht die nächste Kampagne. Nicht der nächste Fragebogen. Sondern dieser eine Satz irgendwo zwischen Grillzange und Getränkekiste: "Bei uns im Betrieb ist das so."
Was danach kommt, ist Arbeitgebermarke.
Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint jeden Donnerstag exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Melden Sie sich für den kostenlosen DHZ-Newsletter an, um keine Ausgabe zu verpassen.