Corona-Pandemie Was Geimpfte und Genesene ab Sonntag wieder dürfen

Nun hat auch der Bundesrat dem Wegfall der Grundrechtseinschränkungen zugestimmt. "Ein wichtiges Signal", freut sich der Handwerksverband. Welche Lockerungen konkret gelten, wie der Nachweis zu erfolgen hat und wie Großunternehmen das Handwerk beim Impfen unterstützen sollen.

Als Beleg für eine vollständige Impfung wird ein Nachweis digital oder auf Papier akzeptiert. Das kann ein Formular aus dem Impfzentrum oder der gelbe Impfausweis sein. - © Benedikt - stock.adobe.com

Vollständig Geimpfte oder Genesene können sich über Erleichterungen bei den Corona-Regeln freuen. "Es gibt keinen Grund die Einschränkungen bestimmter Freiheitsrechte bei vollständig Geimpften und Genesenen weiter aufrecht zu erhalten", sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet im Bundesrat. Die Länderkammer stimmte der Verordnung mit Mehrheit zu. Danach können schon ab Sonntag für die Betroffenen Ausgangssperren, Kontaktbeschränkungen oder bestimmte Test- und Quarantänepflichten wegfallen. Auch wird es für sie leichter, in Geschäfte oder zum Friseur zu gehen, da dann dafür kein Test mehr nötig ist.

Handwerk begrüßt Entscheidung und fordert höheres Impftempo

Handwerkspräsident Hans-Peter Wollseifer begrüßte die Entscheidung. "Die beschlossenen Erleichterungen für vollständig Geimpfte und für Covid-19-Genesene sind ein richtiger Schritt auf dem Weg hin zurück zur Normalität", sagte er mit Blick auf Handwerksbetriebe mit Ladenlokalen und im Bereich körpernaher Dienstleistungen. Erleichtert zeigte sich auch Harald Esser, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks. "Das ist der erste Schritt in Richtung Normalität für den Salonalltag." Wichtig sei jetzt, Friseurinnen und Friseure als körpernahe Dienstleister endlich bundesweit in die Impfkampagne zu integrieren und in der Priorisierung nach vorne zu rücken.

Ausgangssperren fallen für Geimpfte und Genesene weg

Im Einzelnen gelten mit der binnen weniger Tage beschlossenen Verordnung für Genesene und vollständig Geimpfte nun folgende Erleichterungen: Sie können sich ohne Beschränkung mit anderen Geimpften und Genesenen treffen und zählen bei den Treffen mit allen anderen nicht mit. Auch an nächtliche Ausgangssperren müssen sie sich nicht mehr halten. Und wer in einem Geschäft einkaufen möchte, muss keinen negativen Corona-Test mehr vorlegen. Nach Auslandsreisen besteht für die Betroffenen auch keine Quarantänepflicht mehr, es sei denn, sie kommen aus einem Virusvariantengebiet.

Verordnung tritt am Sonntag in Kraft

Bundesjustizministerin Chrisine Lambrecht (SPD), die die Verordnung auf den Weg gebracht hat, mahnte dennoch zur Vorsicht: "Die Pandemie ist noch nicht überstanden, und ein individuelles Restrisiko besteht auch bei geimpften und genesenen Personen", sagte sie. Auch deshalb müssen geimpfte, genesene und getestete Personen weiterhin eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen und die Abstandsgebote einhalten. Wie es im Justizministerium weiter heißt, wird die Verordnung am 8. Mai verkündet. Ein Tag danach tritt sie dann in Kraft.

Ohne Beleg keine Erleichterungen

Als Beleg für eine vollständige Impfung wird ein Nachweis digital oder auf Papier akzeptiert. Das kann ein Formular aus dem Impfzentrum oder der gelbe Impfausweis sein. Dabei müssen nach der letzten erforderlichen Impfung - in der Regel nach der zweiten Impfung -  mindestens 14 Tage vergangen sein. Auch Genesene müssen die Überwindung der Krankheit mit einem positiven PCR-Labortest belegen können. Dieser muss mindestens 28 Tage und darf höchstens sechs Monate alt sein. Menschen, deren Erkrankung länger zurückliegt, gelten nach der Verordnung nicht als genesen. Dies hängt damit zusammen, dass die Antikörper, die das Immunsystem mit der Krankheit ausgebildet hat, nach einer gewissen Zeit wieder zurückgehen. Schon länger Genesenen wird eine Schutzimpfung empfohlen.

Die geplanten Erleichterungen gelten, solange das Infektionsgeschehen weitgehend unverändert bleibt oder weiter abklingt. Sollten sich neue besorgniserregende Virusvarianten verbreiten, von denen man noch nicht weiß, ob die bestehende Immunabwehr funktioniert, könnte dies eine Änderung der Verordnung nötig machen, heißt es im Justizministerium.

Höheres Impftempo gefordert

Die vorgesehenen Erleichterungen sind nach den Worten Wollseifers ein wichtiges Signal an Betriebe und Beschäftigte, dass ein normaleres Arbeiten und Leben mit jeder weiteren Impfung näher rücke. "Umso wichtiger ist es, dass das inzwischen erreichte Impftempo beibehalten und noch einmal gesteigert wird", sagte er. Denn verlässliche Öffnungsperspektiven werde es nur mit einer ausreichend großen Anzahl von Geimpften geben. Daher sollten betriebsärztliche Strukturen möglichst rasch und nicht erst im Juni beim Impfen einbezogen werden. Und dort, wo im Handwerk mit seinen überwiegend eher kleineren Betrieben Impfungen nicht durch eigene Betriebsärzte oder unmittelbar in den Betrieben erfolgen könne, sollten Beschäftigte aus Handwerksbetrieben in die Impfinfrastruktur von Großunternehmen eingebunden werden.

Zudem bereite etwa im Baubereich der arbeitsmedizinische Dienst der BG-BAU Impfangebote vor. Wer auf der Suche nach einem passenden Betriebsarzt für zeitnahe Impfungen ist, kann sich nach Angaben des Handwerksverbandes neben Berufsgenossenschaften auch über eine gemeinsame Internetseite der vier Spitzenverbände der Wirtschaft unter www.wirtschaftimpftgegencorona informieren.