Wer einen Mechatroniker für Kältetechnik, eine Modistin oder eine ausgebildete Kosmetikerin sucht, findet kaum jemanden auf dem Markt. Drei Betriebe haben daraus dieselbe Konsequenz gezogen: Sie bilden selbst aus. Was sie motiviert, wo sie an Grenzen stoßen – und warum sie die Zukunft ihres Handwerks positiv sehen.

Drei Betriebe, drei Branchen, drei Welten – und doch verbindet sie etwas: Alle bilden aus, weil sie an ihr Handwerk glauben. Und alle stoßen dabei auch an Grenzen. Zu Wort kommen Kälteanlagenbauermeister Jeffrey Genes von Genes Kältetechnik aus Hof, Julia Schneider-Koch von Schneiders Hutmanufaktur aus Bamberg und Pamela Paulini von Beautyloft Kosmetik aus Neustadt bei Coburg.
Seltene Berufe bekannt machen
Vor allem seltene Berufe haben Schwierigkeiten, geeigneten Nachwuchs zu finden. Das ist auch ein Grund, warum die drei Betriebe ausbilden.
"In erster Linie ist unser Beruf, der Mechatroniker für Kältetechnik, sehr unbekannt. Heizungsbauer, Elektriker kennt jeder. Wir sind eine Mischung daraus. Wir müssen ausbilden, weil es auf dem Markt eben zu wenig Leute gibt und zu selten ausgebildet wurde damals. Das müssen wir jetzt auffangen", erzählt Jeffrey Genes. Er ergänzt, dass der Betrieb den Azubi gleich ins "Fahrwasser der Firma" einbinden könne, wenn er selbst ausbilde.
Auch der Beruf des Modisten ist selten. Modisten entwerfen und fertigen Kopfbedeckungen wie Hüte und Mützen. Julia Schneider-Koch zieht ihre Motivation daraus, den Beruf nicht aussterben zu lassen – und Personal und Nachwuchs zu finden. "Selbst wenn sie nicht bleiben: Wenn jeder ausbildet, gleicht sich das ja wieder aus, so dass das Handwerk nicht ausstirbt", so Schneider-Koch.
Pamela Paulini, Gründerin und Inhaberin von Beautyloft Kosmetik, sieht in der Ausbildung ebenfalls eine Möglichkeit, Mitarbeiter zu gewinnen. "Tatsächlich gibt es so gut wie gar keine ausgebildeten Kosmetikerinnen. Daraufhin habe ich entschieden, das selbst in die Hand zu nehmen, um eventuell langfristig Mitarbeiter zu gewinnen."
Vom abgebrochenen Studium ins Handwerk
Im Handwerk von Julia Schneider-Koch hat KI bisher keine Auswirkungen. Verändert haben sich dagegen die Auszubildenden selbst. "Sie sind älter geworden. Viele haben ein Studium abgebrochen." Die meisten hätten zunächst auf Druck ihrer Eltern studiert, kommentiert Schneider-Koch – und fügt mit einer Prise Sarkasmus hinzu: "Sie sind ja alle sehr schlau, und müssen ja am besten mit einem Doktor ein Studium abschließen." Das höhere Alter mache sich in der Ausbildung bemerkbar: "Du bekommst selbstbestimmtere Menschen, die dann dieses Besondere schätzen, auch das Miteinander in der Werkstatt, die Zusammenarbeit mit Menschen." Die Azubis seien zudem äußerst motiviert. "Und sie dürfen bei mir von Anfang an alles machen, sie dürfen von Anfang an an einem Hut mitarbeiten. Und dann ist natürlich der Wissensdurst sehr groß."
Genes nutzt KI in seinem Betrieb noch nicht – aber er ist überzeugt: Sie wird kommen. Mit der Zeit sollen in der Ausbildung immer mehr computergestützte Systeme hinzukommen. Auch die Bewerbungssituation habe sich grundlegend verändert. "Es gab damals wirklich sehr, sehr wenige Stellen. Ich musste viele Bewerbungen schreiben, um da überhaupt wahrgenommen zu werden. Das ist heutzutage nicht mehr so. Da reicht es, wenn der Azubi anruft und sich vorstellt."
"Wir arbeiten schon sehr digital", sagt Paulini. In ihrem Betrieb nutze sie viel Social Media – "und auch da nutzen wir ChatGPT."
Jungen Menschen Perspektiven aufzeigen
Jeffrey Genes spricht auch Schattenseiten an. Einige junge Auszubildende erlebt er als weniger motiviert: Sie hätten keine Lust, mit anzupacken und Verantwortung zu übernehmen. Viele junge Menschen seien verunsichert und orientierungslos. "Allgemein finde ich, man sollte schon in der schulischen Ausbildung darauf achten, dass man den jungen Menschen auch Perspektiven aufzeigt." Durch Praktika, Workshops oder Werkunterricht ließe sich zeigen, was alles möglich sei.
In der Kosmetikbranche sieht Paulini eine andere Herausforderung: Der Beruf sei nicht geschützt. "Das muss dringend geändert werden. Dass wirklich nur Kosmetikerinnen ein Studio eröffnen dürfen, die auch eine Ausbildung haben. Es geht dabei auch darum, die Qualität zu steigern."
Neue Azubis. Neue Blickwinkel
Was treibt die drei trotz aller Herausforderungen an? An der Lehre gefällt Jeffrey Genes besonders, Fähigkeiten zu vermitteln und Abläufe und Technik zu erklären. "Junge Menschen an die Hand nehmen und quasi ins Erwachsenenleben führen – auch das ist Teil der Ausbildung."
Julia Schneider-Koch findet es besonders spannend zu sehen, wie sich Auszubildende über die Ausbildungsjahre entwickeln, dazulernen und Begeisterung aufbauen. Sie schätzt den frischen Wind in der Werkstatt, die neuen Ideen und anderen Blickwinkel der Azubis.
Paulini freut sich darüber, ihre Auszubildenden in umfangreiche Themen einzuführen, "sodass es dann später wirklich gelernte Kosmetikerinnen gibt, die sich in allen Bereichen viel Wissen angeeignet haben."
Das Handwerk hat Bestand
Trotz stetiger Veränderungen blicken alle drei Betriebe positiv in die Zukunft.
"Unser Bereich ist sehr gefragt. KI braucht zum Beispiel unheimlich viel Kühlung, damit sie läuft, die ganzen Serverräume, Prozesstechnik. Man wird, das kann ich versprechen, in unserem Beruf nicht arbeitslos werden." Dazu kämen die Herausforderungen der Klimaerwärmung, sagt Genes über die Zukunftschancen für Mechatroniker der Kältetechnik.
Auch Kosmetikerinnen hätten laut Paulini gute Zukunftschancen, da sich die Branche weiterentwickle. "Man kann in die Richtung Permanent-Makeup gehen, in die Medical Beauty mit Gerätebehandlung. Man kann ein reines Waxing Studio eröffnen. Man kann Fußpflege machen. Also in vielen Bereichen eröffnen sich tolle Möglichkeiten."
Für den Beruf des Modisten sieht Schneider-Koch Zukunftschancen, weil Handwerker etwas Individuelles vor Ort herstellen. Die Kunden schätzten das – die Betriebe müssten sich nur gut verkaufen. "Das Handwerk hat Bestand. Wir wollen ja von dieser Wegwerf-Mentalität weg: Wenn du etwas Gutes machst, was lange hält, dann bist du da auf dem richtigen Weg."


