Kolumne Warum es wichtig ist, die Arbeit der Azubis zu kontrollieren

Ausbildungsbetriebe sollten regelmäßig prüfen, wie ihre Auszubildenden Arbeitsaufträge ausführen. Das wurde mir kürzlich wieder vor Augen geführt, als ich mich beim Bäcker für eine Käsetorte begeisterte.

Gastautor Peter Braune

Wenn jedes Stück denselben Preis hat, sollten auch die Stücke gleich groß sein. - © Andrey Cherkasov - stock.adobe.com

Die Bruchrechnung ist ein anspruchsvoller Lernstoff, der nicht beliebig durch das Schätzen vereinfacht werden kann. Mit so einem schätzenden Lehrling hatte ich es zu tun. Wie an jedem Samstag, so war ich auch am letzten wieder beim Bäcker, um die frischen Brötchen für das Frühstück zu holen. Während der Wartezeit, lachte mich eine frische Käsetorte aus der benachbarten Vitrine an. Die wäre doch etwas für den Nachmittag, dachte ich so vor mich hin und teilte dann der freundlichen Auszubildenden mein Begehren mit.

Bruchrechnen in der betrieblichen Praxis

Nun begann ein Akt der Anwendung von Bruchrechnen in der betrieblichen Praxis. Es ging darum, langfristig die zwölf oder sechzehn gleichgroßen Stücke der Torte verkaufen zu können. Denn jedes Stück hat den gleichen Preis. Die Kundinnen und Kunden wollen dafür ihre gleichgroßen Stücke erwerben. Würde von Beginn an feststehen, dass die Stücke verschieden groß geschnitten werden, dann müssten sie, nach dem Schnitt, zunächst gewogen werden, um dann ganz korrekt den Preis für jedes Kuchenstück zu ermitteln.

Da ich die junge Frau schon länger kenne, weiß ich, dass sie dort eine Ausbildung zur Konditorin macht. Nach dem Ausbildungsrahmenplan muss sie für einen kurzen Zeitraum die wunderbare Welt der Herstellung von Massen, feinen Backwaren, Füllungen, Cremes, Partygebäck, Marzipan-, Schokoladenzeugnissen, Pralinen, Zuckererzeugnissen, Speiseeis und Speiseeiserzeugnissen hinter sich lassen.

Sie wird dann im Laden ausgebildet und muss sich mit der Kundenberatung und dem Verkauf befassen. Dabei lernt sie, unter anderem, die von ihr hergestellten Konditoreierzeugnisse zu präsentieren und zu verkaufen, außerdem muss sie lernen, die verschiedenen Verpackungstechniken anzuwenden. Soweit die Theorie und dann ganz schnell, auf dem direkten Weg, zur Praxis.

Ich hatte Glück, die Kunden nach mir weniger

Zunächst suchte sie, auf der Oberfläche des Kuchens, die Mitte. In der Schule hatte sie, in Geometrie, sicher etwas über den Durchmesser gelernt. Danach wäre das der größtmögliche Abstand zweier Punkte der Kreislinie oder die längst mögliche Sehne. Ihr erster und entscheidender Schnitt ging etwa zehn Millimeter daneben. Das bedeutet, alle die nach mir ein Stück von der kleineren Hälfte kaufen würden, erhielten schon einmal generell einen kleineren Teil der Käsetorte.

Nun wollte sie, da hatte ich großes Glück, den größeren Kreisabschnitt in zwei gleichgroße Teile schneiden. Das Stück war von einem Kreisbogen und einer Kreissehne begrenzt. Sie suchte auf der Kreislinie einen Punkt und wollte diesen mit dem Mittelpunkt der Geraden auf der anderen Seite verbinden, um so über den Ausschnitt der verbliebenen Kreisoberfläche zu entscheiden. Der Flächeninhalt von diesem Käsetorte-Kreisausschnitt sollte vermutlich der Hälfte entsprechen. Es wurde ein Viertel plus den Zuschlag einer unbekannten Teilmenge und ein verbleibender Rest, bei dem die Menge des anderen Teilstückes fehlte.

Es folgte der Höhepunkt meiner Belustigung am frühen Morgen. Es musste mein Glückstag sein, denn wieder wählte sie das größere Tortenstück, schnitt es in drei ungleich große Teile und verpackte mir davon die zwei größten Einzelstücke. Im Laden gibt es eine Kamera für den Videobeweis. Es bleibt ein Geheimnis, ob der Meister nicht im Keller oder die Kamera kaputt war, bei der jungen Frau klingelte jedenfalls nichts.

Erfüllung der Arbeitsaufträge kontrollieren

Grundsätzlich können die Ausbildenden im Handwerk erwarten, dass die dafür verantwortlichen Lehrkräfte, in den allgemeinbildenden Schulen, den jungen Menschen die nötigen Grundlagen im Rechnen vermitteln. Dazu gehören die Grundrechenarten, die Dezimalzahlen und Brüche, die Maßeinheiten, der Dreisatz und das Prozentrechnen, die Berechnung von Flächen, Volumen und Massen.

Für den Konditormeister und alle anderen, die sich im Handwerk der wunderbaren Aufgabe der Ausbildung widmen, gilt im Zusammenhang mit diesem aufschlussreichen Erlebnis, ein ganz wichtiger Hinweis. Zur Ausbildung gehört es, die Erfüllung der Arbeitsaufträge der Auszubildenden zu kontrollieren. Damit sollen sie merken, dass sie mit den Inhalten nicht allein gelassen werden. Das beinhaltet auch die Korrektur oder das Anleiten zu bestimmten Kenntnissen oder Fertigkeiten.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.