Mittelstandsbarometer: Heftiger Stimmungseinbruch Warnschuss für die Politik

Vor allem bei den kleinen und mittleren Firmen geht die Angst um. Ein Grund für diese Verunsicherung ist die drohende Eskalation in der europäischen Schuldenkrise. Nach Ansicht von Experten der Kreditförderbank (KfW) ist diese Rezessionsangst jedoch überzogen. Die heftige Abwärtskorrektur des Geschäftsklimas sollte die Politik aber wachrütteln.

Die Geschäftslage und -erwartungen gingen im Mai deutlich zurück. - © imageteam - Fotolia

Auf eine tatsächliche, sehr rasche und umfassende Abkühlung der deutschen Wirtschaft deutet laut der KfW zurzeit wenig hin: Die zuletzt veröffentlichten harten Daten zur deutschen Konjunktur – Auftragseingänge und Industrieproduktion im März sowie das dank Export und Konsum starke Realwachstum im ersten Quartal – hatten sogar sämtlich positiv überrascht.

Das Geschäftsklima, der Leitindikator des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers, in Deutschland trübte sich trotzdem massiv ein. Mittelständler wie Großunternehmen korrigierten sowohl die Einschätzung hinsichtlich ihrer Geschäftserwartungen als auch hinsichtlich ihrer Geschäftslage nach unten.

Die Erwartungen der kleinen und mittleren Firmen sanken im Mai ebenfalls massiv. Eine im Wesentlichen erwartungsgetriebene Klimaverschlechterung wäre angesichts des starken Unsiche rheitsschubs durchaus plausibel gewesen. Schwer nachvollziehbar ist für die KfW hingegen, dass sich auch die Urteile zur aktuellen Geschäftslage im Mai nicht nur in einem „normalen“ Ausmaß sondern geradezu drastisch verschlechterten.

Angst vor einer Rezession geht um

Diese diffuse Rezessionsangst sei jedoch „etwas irrational“ und vor allem der derzeitigen unsicheren Lage geschuldet. Dr. Norbert Irsch, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe: "Eine Abkühlung des Geschäftsklimas aufgrund des gegenwärtig schwierigen Umfelds hatten wir zwar erwartet, doch nicht in diesem Ausmaß. Die Stärke des Rückgangs dürfte eher als Panikattacke zu werten sein und damit die tatsächliche Abschwächung überzeichnen."

Die KfW halte jedoch nach wie vor daran fest, dass die deutsche Wirtschaft im Jahr 2012 um 1,2 Prozent wachsen wird. "Die heftige Abwärtskorrektur des Geschäftsklimas sowohl im Mittelstand als auch bei den Großunternehmen im Mai ist jedoch eine deutliche Warnung, die man sehr ernst nehmen muss", sagte Irsch.

Sollte die Verunsicherung in den Unternehmen weiter steigen und in der Folge auf die privaten Haushalte übergreifen, dürfte auch die deutsche Konjunktur deutlich beeinträchtigt werden. rh