So berechnen Käufer die Rendite Wann es sich lohnt, eine Immobilie zu vermieten

Die vermietete Immobile gilt als die perfekte Altersvorsorge. Viele Kapitalanleger machen allerdings nach Abzug der Inflation ein schlechtes Geschäft damit. Wer die sinkenden Preise nutzen will, um in eine Immobilie zu investieren, sollte deshalb folgende Punkte beachten.

Ansicht eines Mehrfamilienhauses.
Die vermietete Immobilie gilt als die perfekte Altersvorsorge. Doch das ist sie nicht in jedem Fall. - © Tiberius Gracchus - stock.adobe.com

Jahrelang sind die Preise für Immobilien in den meisten Regionen in Deutschland explodiert. Jetzt hat sich der Trend umgekehrt. "Der mehr als zehnjährige Anstieg der Kaufpreise ist beendet", resümierten die sogenannten Immobilienweisen Anfang des Jahres in ihrem Frühjahrsgutachten zum deutschen Immobilienmarkt.

Das Immobilienportal Immowelt hat ermittelt, dass in 106 von 117 untersuchten Stadt- und Landkreisen in Süddeutschland die durchschnittlichen Kaufpreise in den vergangenen zwölf Monaten um bis zu 15 Prozent gesunken sind. Selbst in Städten wie München oder Stuttgart, in denen die Preise lange Zeit nur eine Richtung kannten, verlieren vor allem ältere Häuser und Wohnungen an Wert. Im Bodenseekreis und im Landkreis Tuttlingen sind die Preise laut Immowelt zwischen Juni 2022 und Juni 2023 um mehr als sieben Prozent gefallen. In Konstanz und Ravensburg sogar um rund acht Prozent. Etwas stabiler waren die Landkreise Waldshut, Schwarzwald-Baar oder Emmendingen mit einem Minus zwischen vier und fünf Prozent.

Gleichzeitig steigen vor allem in den größeren Städten die Mieten weiter an. Sinkende Preise bei steigenden Mieten bedeutet eine höhere Rendite. Für Immobilienanleger eigentlich eine gute Ausgangslage, um zu investieren.

Vermieter rechnen sich ihre Immobilie schön

Doch: "In der Praxis rechnen sich viele Anleger ihre Immobilieninvestition schön und überschätzen die Rendite ihrer vermieteten Eigentumswohnung", weiß Michael Thaler, Vorstand der TOP Vermögen in München. Der Grund: Sie rechnen meist zwar die nicht umlagefähigen Nebenkosten und die Zinsen für ein Darlehen als Kosten, nicht aber Rücklagen für Mietausfälle, Modernisierungen und Reparaturen. "Insbesondere das sogenannte Ausfallwagnis kalkulieren viele Eigentümer nicht", sagt Thaler. Wenn ein Mieter mal nicht zahlt oder man einen der berüchtigten Mietnomaden bekommt, rauscht die Rendite oft in den Keller. "Wer keine böse Überraschung erleben will, rechnet Zeiten für Renovierungen und dass die Wohnung mal ein paar Monate leer steht, ein".

Politische Entscheidungen wie die Mietpreisbremse oder die momentan viel diskutierten Auflagen für mehr Klimaschutz können die Mieterträge zusätzlich aufzehren und die Ertragschancen senken. In guten Lagen sollte dieses Risiko mit ein bis zwei Prozent der Mieteinnahmen berücksichtigt werden, rät Thaler. In Regionen mit hoher Abwanderung müsse man mit bis zu fünf Prozent rechnen.

Real gerechnet machten in der Vergangenheit viele Immobilienbesitzer mit ihrer Altersvorsorge aus Beton ein Minusgeschäft. Die Immobilienweisen ermittelten, dass durch den starken Anstieg der Kaufpreise im letzten Jahrzehnt die Renditen für Wohnungsvermietungen kaum über zwei bis drei Prozent lagen. "Das ist zwar besser als die Nullzinsen, die es lange Zeit auf festverzinsliche Anlagen gab. Allerdings bieten heute Banken schon auf Fest- und Tagesgelder mehr als drei Prozent Zinsen", erinnert Thaler.

Lage, Erreichbarkeit und energetischen Standard beachten

Um beim Immobilienkauf nicht zu viel zu bezahlen, müssen Anleger den richtigen Wert des Objektes einschätzen können. "Der Wert einer Immobilie hängt von verschiedenen Faktoren ab", weiß Rainer Laborenz, Geschäftsführer der Azemos Vermögensverwaltung in Offenburg.

Von Maklern wird dabei oft die Regel "Lage, Lage, Lage" beschworen. Laborenz rät, sich zunächst die Region anzuschauen, in der die Immobilie liegt. Neben der wirtschaftlichen Stärke der Region sollte sie eine positive Bevölkerungs- und Kaufkraftentwicklung aufweisen. Sinkende Einwohnerzahlen führen in einigen Gegenden dazu, dass immer mehr Wohnungen leer stehen. "Je kleiner der Markt ist, desto schwerer lässt sich eine Immobilie wieder verkaufen", warnt Laborenz.

Das gelte in guten Lagen auch für ältere Gebäude, insbesondere, wenn sie noch mit einer Ölheizung ausgestattet sind, oder für eintönige Siedlungsbauten. Zudem sollte die Gemeinde, in der die Immobilie liegt, mit dem Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sein. "Immobilien in Gegenden mit einer guten Infrastruktur und einer starken Wirtschaft erzielen höhere Preise", weiß Laborenz.

Bei der Mikrolage sollten Käufer dann die unmittelbare Umgebung der Immobilie betrachten. Dabei spielen die Erreichbarkeit von Einkaufsmöglichkeiten, Kindergärten, Schulen und anderen wichtigen Einrichtungen eine Rolle. Auch hier gelte: Passen alle Rahmenbedingungen, sind die Immobilien in der Regel teurer. Es lassen sich aber auch höhere Mieten erzielen und das Risiko eines Leerstands ist geringer. Zudem sollte die Immobilie dem neuesten energetischen Standard entsprechen, um teure Sanierungen zu ersparen.

So berechnen Käufer die Rendite ihrer Immobilie

Um den Wert zu ermitteln, helfen sogenannte Immobilienrechner von Portalen wie PlanetHome. Diese würden zumindest eine grobe Einschätzung ermöglichen, so Laborenz. Dennoch sollten Käufer vor der Entscheidung bei Maklern, Banken und Gutachtern anfragen, um den Marktwert zu ermitteln.

Generell abraten vom Immobilienkauf will Laborenz nicht. "Bei der Altersvorsorge sollten Immobilien berücksichtigt werden. Mietfreies Wohnen oder zusätzliche Mieteinnahmen können das Leben im Alter deutlich entspannter machen". Allerdings warnt er vor übereilten Kaufentscheidungen. "Wer heute zu aktuell meist noch überteuerten Preisen kauft, kann auf viele Jahre nicht realistisch mit einem Inflationsschutz rechnen, sondern muss die Sinnhaftigkeit der Investition voll auf die Mietrendite abstellen", sagt Laborenz. Doch Anleger müssen genau rechnen, wie diese Beispielrechnung zeigt:

Beispielrechnung

Eigentumswohnung, 60 Quadratmeter, gute Lage, gute Ausstattung
Kaufpreis (inklusive Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbucheintrag, Makler)330.000 Euro
Mieteinnahmen pro Jahr10.800 Euro
Bruttorendite (Mieteinnahmen /Kaufpreis)3,27 Prozent
./. nicht-umlagefähige Nebenkosten (pro Jahr): Verwaltergebühren, Abschluss und Prüfkosten, Kontoführung730 Euro
Rücklage für Instandhaltung und Reparaturen
(Baukosten* x 1,5) / 80 Jahre
2.290 Euro
./. Wagniskosten (pro Jahr): Instandhaltungsrücklage, Mietausfallwagnis1.600 Euro
Nettoergebnis (Mietertrag nach Abzug der Kosten)6.180 Euro
Nettorendite vor Wertzuwachs, Steuern, Finanzierung1,9 Prozent
./. Inflation (Durchschnitt der letzten zehn Jahre):1,9 Prozent
Reale Rendite0 Prozent
*lt. Statistischem Bundesamt ca. 2.034 Euro/qm (2021), Quelle: eigene Berechnung