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Klimawandel Wälder in Gefahr: Wie schädlich ist das Heizen mit Holz?

Deutschlands Wälder leiden. Die trockenen Sommer lassen Bäume sterben. Wiederaufforstung ist nötig – und weniger Brennholz aus dem Wald zu holen. Das fordern Naturschützer. Das Heizen mit Holz gerät in die Kritik. Dabei kann man dabei eigentlich klimaneutral bleiben. Warum dies oft nur der Idealfall ist und wie man umweltfreundlich mit Holz heizt.

Die Dürre 2019 und auch der trockene Sommer 2019 lassen viele Bäume absterben – vor allem Fichten, aber auch Buchen. Schädlinge wie der Borkenkäfer haben es dann umso leichter und hinterlassen zusätzliche Schäden. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner plant deshalb ein Aufforstungsprogramm und möchte 500 Millionen Euro für die Wälder in Deutschland ausgeben. Im September lädt sie zum nationalen Waldgipfel. Die Wälder sind große CO2-Speicher und gleichen viel von dem aus, was wir beim Autofahren und Heizen in die Luft blasen und die Industrie an Emissionen freisetzt. Noch. Denn der Wald leidet.

Monokulturen im Wald: Angriffsfläche für Schädlinge und Brandgefahren

Knapp ein Drittel – genauer gesagt 11,4 Millionen Hektar – der Gesamtfläche von Deutschland ist mit Wald bedeckt. Doch Waldbrände haben allein im Dürre-Jahr 2018 laut Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) dafür gesorgt, dass eine Fläche von 3.300 Fußballfeldern verloren ging. Zudem fielen rund 32,4 Millionen Kubikmeter Schadholz an. Auch für 2019 sind die Prognosen ähnlich.

Dazu kommt, dass der Holzverbrauch in Deutschland in den vergangenen Jahren stetig angestiegen ist – für Brennholz und Bauholz. Letzteres macht allerdings nur einen vergleichsweise kleinen Teil im Holzverbrauch aus. Anders beim Holz, aus dem Energie gewonnen wird. Der Verbrauch dafür liegt seit 2010 bei etwa der Hälfte des in Deutschland genutzten Holzes. Wie Zahlen des Umweltbundesamts zeigen, wird derzeit in mehr als jedem vierten Haushalt Holz verfeuert. Rund elf Millionen Kamine und Kachelöfen sind in Deutschland im Einsatz.

Ist das zu viel? Schädigt der hohe Verbrauch den Wald und gefährdet damit den Klimaschutz? Und warum wird das Heizen mit Holz dennoch als klimaneutral angepriesen?

Umweltschützern ist die geplante Aufforstung der Wälder zu wenig als Maßnahme, damit sich der Wald wieder erholen kann. Zu intensiv sei die Bewirtschaftung. Wie die Landwirtschaft auf den Äckern setzt auch die Forstwirtschaft zu sehr auf Monokulturen. Das hinterlässt Spuren: eine höhere Anfälligkeit durch Schädlinge, eine höhere Brandgefahr und Windanfälligkeit und kaum Chancen für die Biodiversität.

Der Naturschutzverband Nabu fordert deshalb nun, das in Deutschland zehn Prozent der Waldflächen unbewirtschaftet bleiben sollten. Derzeit sind es einem Bericht von faz.net zufolge zwischen 2,8 Prozent laut Bundesamt für Naturschutz und 5,6 Prozent, wenn man den Zahlen des Bundesumweltministeriums folgt.

Weniger Menschen sollten für einen besseren Schutz des Waldes aus Sicht des waldpolitischen Sprecher der Grünen, Harald Ebner, auf Holz als Brennstoff setzen. So kritisiert er laut faz, dass wir nicht immer mehr Holz aus dem Wald holen und es dann lediglich im Kamin verfeuern könnten. Stattdessen sollte aus Holz seiner Ansicht nach möglichst langlebige Produkte entstehen.

"Über die Hälfte des Holzes, das wir aus dem Wald holen, geht in die thermische Verwertung – teilweise auch ins Ausland. Das ist zu viel und vor allem nicht mehr CO2-neutral", erklärt Heinz Kowalski vom Nabu. Seiner Meinung nach ist das Heizen mit Holz nicht grundsätzlich schlecht – Stichwort Substitution der fossilen Energieträger – aber man müsse auf die Mengen schauen. Zudem brauche der Wald und alles was darin lebt auch das herabgefallene Totholz. Wenn jetzt neue Bäume gepflanzt werden, sollten es laut Kowalski nicht wieder Mengen an Fichten sein, sondern stattdessen ein Mischwald mit vielen Laubbäumen, der sich natürlich entwickeln kann. "Ein natürlicher Aufwuchs ist klimastabiler", so der Waldexperte.

Wann ist Holz ein klimaneutraler Brennstoff?

Beim Heizen mit Holz muss man allerdings differenziert hinsehen, denn eigentlich könnte es sogar ein klimaneutraler Brennstoff sein. Idealerweise entstehen bei der Verbrennung von Holz nur Kohlendioxid (CO2), Asche und Wasser und keine anderen Schadstoffe, die die Luft und das Klima belasten. Das freigesetzte CO2 wirkt nur dann klimaschädlich, wenn mehr Holz verbrannt wird, als nachwächst.

Genau hier liegt aber der Knackpunkt in Sachen Klimaneutralität: N achwachsende Bäume und Sträucher können das bei der Verbrennung entstandene CO2 neutralisieren und so die klimaschädlichen Wirkungen mindern. Doch dafür braucht es die Aufforstung mindestens in dem Maße, wie Brennholz geschlagen wird oder durch Stürme und Trockenheit abstirbt und verbraucht werden kann. "Holz als Brennstoff zu nutzen, ist dann ein geschlossenes System", sagt dazu Schornsteinfegermeister Alexis Gula. "Wenn man es einfach nur verrotten lässt, erzeugt es unter Umständen mehr CO2 als beim Verbrennen", fügt der Sprecher des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks hinzu.

Geht man nun allerdings nicht vom Idealfall, sondern vom verbreiteten Alltagsfall aus, muss man anders rechnen. Denn dann setzt die Verbrennung doch mehr als CO2, Asche und Wasser frei. Noch immer laufen viele Holzöfen und Kamine in deutschen Haushalten mit veralteter Technik, sind schlecht gewartet und ihre Besitzer befeuern sie mit den falschen Brennstoffen. Das sind die Erfahrungen aus der Praxis vieler Schornsteinfeger. Doch der Prozess, dass sich dies ändert, ist angestoßen. Die Bundes-Immissionsschutzverordnung schreibt den Austausch alter Holzöfen oder die Nachrüstung mit Filtern schrittweise bis Ende 2024 vor. >>>

Kamine und Kachelöfen werden falsch befüllt

Doch nicht nur die Technik an sich macht Probleme, sondern meist das falsche Betreiben der Holzfeuerstätten mit festen Brennstoffen. Dann entstehen nicht selten schädliche Stickstoff- und Schwefeloxide, Salzsäure und Feinstaub. Die winzig kleinen Feinstaubpartikel - in ihrer Wirkung vergleichbar mit Dieselruß – gelangen über die Atemwege in die Lunge. Sie belasten das Herz-Kreislauf-System und können zu Bronchitis und Asthma führen. Feinstaub steht außerdem im Verdacht, Krebs auszulösen. Nach Angaben des Umweltbundesamts können bei einer unvollständigen Verbrennung zudem Krebs erzeugende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in Asche und Abluft entstehen.

Alexis Gula erwähnt deshalb, dass in der Branche auch bereits darüber diskutiert wird, ob nicht eine Art "Ofen-Führerschein" nötig sein sollte, wenn jemand Holz zum Heizen nutzen möchte. "Auf jeden Fall ist Aufklärung nötig, denn viele machen Fehler", sagt er. Seiner Erfahrung nach rüsten die meisten, die einen Kamin oder Kachelofen mit veralteter Technik nutzen und damit zu viel Feinstaub und CO2 ausstoßen, aber gerne auf einen neuen Ofen um, wenn die Frist des alten abgelaufen ist. Kaum einer lässt den Ofen nur stilllegen. "Gerade in Übergangszeiten ist ein Kachelofen oder Heizkamin bzw. ein Kaminofen kostensparend und die meisten mögen auch die besondere, behagliche Wärme", erklärt der Schornsteinfeger.

So ist eine wichtige Aufgabe seiner Branche, die Holzofenbesitzer über das richtige und umweltschonende Betreiben aufzuklären und auf Mängel hinzuweisen. Das erfolgt im Zuge der gesetzlich vorgeschriebenen Feuerstättenschau und auch im Rahmen der üblichen Kehr- und Überprüfungsarbeiten. Besonders wichtig ist für das Heizen mit Holz, dass jede Feuerstätte nur mit dem geeigneten Brennstoff betrieben wird – also Pelletofen mit Pellets, Kachelöfen und Kamine mit  Holzscheiten in der zum Brennraum passenden Größe. Zeitungen, behandeltes Holz oder gar Plastikabfälle setzen Schadstoffe frei und gehören nicht in den Ofen.

Auskunft über die Größe der Scheite gibt die Bedienungsanleitung des Ofens, genauso darüber, wie voll man den Ofen machen darf und wann Brennstoff nachgelegt werden muss. In der Anleitung findet man auch Angaben zur Brennstoffqualität, denn das Holz darf nicht zu feucht sein. Es muss richtig gelagert sein, so dass nur ganz trocken in den Ofen wandert. Der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks rät dabei zu einem Feuchtegehalt von weniger als 25 Prozent und zu naturbelassenem, luftgetrockneten Holz. Er stellt zum Heizen mit Holz online eine Broschüre bereit.

Wärmewende: Heizen mit Holz nicht grundsätzlich umweltschädlich

Die grundsätzliche Kritik, dass Heizen mit Holz umweltschädlich sei, möchte Alexis Gula deshalb auch nicht gelten lassen. Wenn man über den Klimaschutz spricht eine Wärmewende anstoßen wolle, dürfe man nicht einfach einzelne Brennstoffe und Heizungsarten verbieten. "Wir sind für eine Technologieoffenheit", sagt er. Denn nicht in jedem Dorf liegt eine Gasleitung, nicht überall ist es lohnenswert Solarthermie zu installieren oder eine Wärmepumpe zu betreiben – geschweige denn ein Holzofen sinnvoll, wenn man Brennholz über weite Strecken transportieren muss, wenn es in der Region keines gibt. Um die richtige Heizungsart zu finden – im Sinne der Umwelt und der Kosten – sei eine neutrale Energieberatung, die individuell auf das Gebäude und die Umgebung schaut, die wichtigste Voraussetzung.

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