Software-Manipulation VW Abgas-Skandal: Dieselmotoren in schlechtem Licht

Der Abgas-Skandal im Volkswagen Konzern wirft ein schlechtes Licht auf Diesel-Motoren. Doch sind Diesel-Aggregate wirklich so schlecht und umweltschädlich? Warum und vor allem, wie hat Volkswagen getrickst?

Manuel Endress

Rote Ampel für VW: Wissenschaftler aus den USA brachten die Manipulationen von Abgaswerten bei VW-Diesel-Motoren ans Licht. Hier leuchtet das Logo von Volkswagen an der Fassade der Niederlassung "Manhattan" in New York neben einer roten Fußgängerampel. - © Foto: Michael Kappeler/dpa

Der Skandal um die manipulierten Abgasmessungen bei Dieselfahrzeugen von Volkswagen hat nun endgültig die deutschen Autofahrer erreicht. Mehrere Millionen Inhaber von VW-Dieselautos müssen ihre Fahrzeuge demnächst um- oder nachrüsten lassen. Hierzu hatte das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg dem Konzern ein Ultimatum gesetzt. Nun gab der Wolfsburger Autobauer bekannt, dass die Umsrüstungen ab Januar 2016 beginnen sollen. Bis Ende 2016 sollen dann laut VW alle betroffenen Autos überholt sein.

Dobrindt: 2,8 Millionen VW-Fahrzeuge betroffen

Immerhin geht Volkswagen davon aus, dass weltweit rund elf Millionen Autos die Manipulationssoftware enthalten. In Deutschland sind laut Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) rund 2,8 Millionen VW-Fahrzeuge betroffen. Außerdem sind weitere Marken des Volkswagen Konzerns involviert.

Über eine halbe Millionen Audis in Deutschland mit Manipulations-Software unterwegs

Nun wurde bekannt, dass auch Audi in den Abgas-Skandal verwickelt ist. Bei der Ingolstädter VW-Tochter sind laut eines Konzernsprechers weltweit 2,1 Millionen Autos betroffen. Alleine in Deutschland sind demnach rund 577.000 Pkw des Unternehmens mit dem Motor, in dem die Software zur Manipulation von Abgaswerten eingebaut ist, auf den Straßen unterwegs. Der fragliche Motor sei in den Varianten mit 1,6 und 2,0 Litern Hubraum als Turbodiesel in den Fahrzeugtypen A1, A3, A4 und A6, dem Sportwagen TT sowie den Geländewagen Q3 und Q5 verbaut worden.

Der TDI-Schriftzug prangt an der Heckklappe eines Audi A4 Avant TDI 2.0. Von Audi sind rund 2,1 Millionen Fahrzeuge weltweit von den Abgas-Manipulationen betroffen. - © Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Dabei geht es laut Audi um Dieselmotoren, die die Abgasnorm EU 5 erfüllen. Aktuelle Aggregate, die bereits die gültige Norm EU 6 einhalten, sind demnach, wie auch bei den anderen Volkswagen-Marken, nicht betroffen. Der Motor trägt bei VW die interne Bezeichnung EA 189. Er wurde in etlichen Marken des Konzerns verwendet, etwa auch bei Skoda.

Wie hat Volkswagen getrickst?

Ans Licht war die Manipulationdurch Forscher des International Council on Clean Transportation (ICCT) gekommen. Die Wissenschaftler untersuchten einen VW Passat sowie einen VW Jetta und stellten dabei fest, dass in beide Autos eine besondere Software eingebaut war. Das Programm erkannte, ob das Fahrzeug behördlich untersucht wird oder im normalen Straßenbetrieb unterwegs ist. Im Regelbetrieb wurde die Abgasbehandlung durch die Software ausgeschaltet, bei Tests aktiviert.

Allerdings ist der Stickoxid-Grenzwert in den USA deutlich schärfer als in Europa. In der Bundesrepublik dürfen Dieselfahrzeuge bis zu 80 Milligramm Stickoxid pro Kilometer ausstoßen. In den USA sind es dagegen nur 40 Milligramm pro Meile (1,6 Kilometer). Dadurch überschritten die Autos, nachdem die Abgasbehandlung durch die Software deaktiviert worden war, die US-Grenzwerte deutlich.

"AdBlue"-Einspritzung abgeschaltet

Beim Passat sorgt im Normalfall ein Katalysator mit Harnstoffeinspritzung dafür, die gefährlichen Stickoxide zu reduzieren. Besser bekannt ist der Harnstoff als "AdBlue". "AdBlue" wird in den Abgasstrang eingespritzt und sorgt dann für einen deutlich geringeren Ausstoß an Stickoxiden (um bis zu 90 Prozent).

VW hatte die Funktion jedoch durch die Software im Alltag abgeschalten, sodass entweder wenig oder gar kein Harnstoff eingespritzt wurde. Durch den Verzicht auf die Abgasreinigung sparen die Fahrzeuge etwas Sprit und haben mehr Leistung.

Bosch hat VW gewarnt

Zugeliefert hat das Bauteil, mit dessen Hilfe Volkswagen die Abgaswerte bei Tests manipuliert hat, Bosch. Allerdings verweist der Zulieferer darauf, dass VW die benutzte Software selbst programmiert habe. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete , habe Bosch jedoch bei VW darauf hingewiesen, dass der Einsatz der Software in normalen Straßenfahrzeugen gesetzeswidrig sei.

Wie wird in Europa getestet? 

Im Gegensatz zu den USA, wo es eine Reihe an Tests gibt, werden in Europa die Abgaswerte durch den sogenannten NEFZ-Testzyklus ermittelt. Dieser findet unter Laborbedingungen statt. Umweltschützer hatten den Test des öfteren als realitätsfern kritisiert.

 Beispielsweise dürfen die Hersteller ihre Fahrzeuge mit spärlichster Ausstattung oder mit schmalen Reifen auf den Prüfstand fahren. Zudem erkennt auch hier eine Software, dass das Fahrzeug gerade auf einem Prüfstand unterwegs ist und verfällt so in den Spritsparmodus. Durch dieses legale tricksen der Automobilindustrie weichen die angegebenen Sprit-Verbräuche der Hersteller oft bis zu 25 Prozent von denen in der Praxis ab.

"Der Diesel ist die effizienteste Wärmekraftmaschine“

Der Skandal rund um VW wirft allgemein ein schlechtes Licht auf die im Jahre 1893 von Rudolf Diesel erfundenen Motoren. Fakt ist: Diesel-Motoren stoßen deutlich mehr Stickoxide (Stickoxide reizen und schädigen die Atemwege von Menschen) aus, als vergleichbare Ottomotoren, die mit Benzin laufen. Das ist der größte Nachteil. Aber: "Nichts hat sich daran geändert, dass der Diesel die effizienteste Wärmekraftmaschine mit innerer Verbrennung ist“, heißt es beim Diesel-Technologie-Forum in der US-Hauptstadt Washington. Seine bewährte Technologie vereinige Effizienz, Leistung, Zuverlässigkeit und geringe Emissionen.

Allgemein wirft der Abgas-Skandal kein gutes Licht auf die Dieseltechnik. Hier fertigt ein VW-Mitarbeiter im Volkswagen-Werk in Salzgitter einen Diesel-Motor MDB. - © Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Der größte Vorteil: Der Diesel-Motor verfügt aufgrund der höheren Verdichtung (Expansionsgrad) über einen besseren Wirkungsgrad als ein Ottomotor. Das heißt, es entstehen sehr geringe Ladungswechselverluste und dadurch ein geringerer Kraftstoffverbrauch . Im Vergleich zu einem Ottomotor ist zudem der Ausstoß von Kohlenwasserstoffen und Kohlenmonoxid beim Dieselmotor geringer. Außerdem ist der Kraftstoff einfacher herzustellen. (mit Inhalten von dpa)

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