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Aus Sicht der DHZ-Leser Vorurteile gegenüber dem Handwerk und was an ihnen dran ist

"Schlechte Bezahlung, Knochenjob, das kann doch jeder" – so lauten gängige Vorurteile gegenüber Handwerksberufen. Doch entsprechen sie auch der Wahrheit? DHZ-Leser haben auf Facebook berichtet, welche Erfahrungen im Job sie eines Besseren belehrt haben und an welchem Klischee ihrer Meinung nach tatsächlich etwas dran ist.

"Handwerk ist nicht immer sauber, aber es lohnt sich", schreibt Elektromeister Tom Hendlmeier. Er stimmt damit zwar einem gängigen Vorurteil zu, verleiht ihm gleichzeitig aber einen neuen Blickwinkel. Er und andere DHZ-Leser haben auf Facebook berichtet, was sie von bekannten Handwerker-Klischees halten und welche Vorurteile ihnen im Berufsalltag noch begegnen. Die spannendsten Kommentare und Meinungen sind in diesem Artikel zusammengefasst.

DHZ-Leser räumen mit Vorurteilen auf

"Handwerk ist schmutzig, anstrengend und nur was für Doofe" – diese These ist laut Facebook-Nutzer Herbert Uhlmann "absoluter Schwachsinn und völlig aus der Luft gegriffen." Er habe genau die gegenteilige Erfahrung gemacht: "Gutes Handwerk wird von den meisten Kunden wertgeschätzt!", kommentiert er. Handwerker Tom Hendlmeier schreibt: "Für Doofe ist das Handwerk nichts. Hier braucht man Köpfchen, Wissen und Ideen".

Auch für Markus Krabacher sind diese Aussagen reines Klischeedenken: "Handwerker haben ein hohes Ansehen in der Gesellschaft, ich kann wirklich jeden empfehlen ein Handwerk zu lernen, Zufriedenheit und Freude und teilweise unabhängig." User Rainer Voigt widerspricht hier jedoch. Er sei seit 1992 als Handwerker tätig und treffe auf viel Unverständnis, weil er immer noch mit seinen Händen arbeitet. "Kann halt nicht jeder", findet hingegen Matthias Herzog und räumt ebenfalls mit dem Vorurteil auf, das Handwerk erfordere nur wenig Können.

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Handwerker werden schlecht bezahlt – Vorurteil oder Realität?

Trotz des regen Widerspruchs: noch immer sind zahlreiche Handwerker-Klischees in den Köpfen der Menschen verankert. Manche davon beziehen sich auf spezifische Gewerke. "Das bisschen nähen kann doch jeder, davon kann man doch nicht leben", zitiert die selbstständige Kostümbildnerin Nick Lari einen häufig gehörten Satz. Über den ähnlichen Spruch "Maler kann jeder" ärgert sich Claudia Mende.

Ein die Branche umfassendes Klischee nennt Vörckel Thomas: "Knochenjob für wenig Geld." Helga Julia Schrade ergänzt: "Ich kenne nur dass die Leute sagen, als Handwerker verdient man nicht genug und man ist kaputt bevor man in Rente geht."

Aber ist die schlechte Bezahlung im Handwerk nur ein Vorurteil oder doch die Realität? Die Erfahrungen der Facebook-User gehen hier auseinander. So antwortet Dieter Engelhardt, der seit 44 Jahren im Handwerk arbeite: "Ich war immer Top-Verdiener." Maxi Mäschker der vorher im Einzelhandel gearbeitet hat, erklärt, dass der Lohn in seinem Fall "um einiges höher ist als im Handel". User Dennis zum Brook hingegen kommentiert, dass er sich nach einer zweiten Lehre zum SHK-Anlagenmechaniker wieder fürs Büro entschieden hat: "Ich verdiene einfach deutlich besser und werde den Beruf auch noch mit 70 ausüben können."

Vorteile statt Vorurteile

Statt auf Klischees einzugehen, schreibt Jurgen Sieber darüber, welche Vorteile ein Handwerksjob seiner Meinung nach bietet: "Selbstständige Handwerker sind unabhängig im Handeln und im Denken. Dies ist das erste Kennzeichen einer echten Freiheit", so der Facebook-Nutzer. Auch Maxi Mäschker berichtet über seine positiven Erfahrungen und dem vielen Interesse, das seinem Beruf entgegengebracht wird: "Zu meiner Überraschung werde ich gelobt und oft ausgefragt wie groß das Arbeitsspektrum denn ist", erklärt der Dachdecker. Fliesenlegermeister Ralf Gehrig, der seit 1978 in der Baubranche ist, lobt die Vielfalt seiner Tätigkeit: "Ist immer wieder oder noch abwechslungsreich", schreibt er.

Ohne Handwerk geht’s nicht

Wenn Vorurteile ernst genommen werden, kann das schlimme Folgen haben. "Was wären wir alle ohne Handwerk?“, fragt etwa Gerd Jungk und gibt die Antwort gleich selbst: ratlose Kreaturen. "Mittlerweile merken aber doch schon manche, dass sie ohne Handwerker ganz schön aufgeschmissen sind", schreibt Walter Bannert. Und Hamidovic Elvedin bemerkt: "Viele haben in der Coronazeit keinen Job und die Handwerker können sich vor Aufträgen kaum retten. Hier sieht man welche Branchen auch in vielen Jahren sich gut behaupten werden." Auch Michael Hopf rät, das man mit Vorurteilen besser vorsichtig sein sollte: "Wartet nur ab!", schreibt er auf Facebook. " Das Handwerk hat eine gesegnete Zukunft."

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