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Liquiditätsvorteile für Handwerksunternehmer Vorsteuerabzug: Spielregeln für Privat-Pkw

Normalerweise ist der Vorsteuerabzug für den Kauf und für die laufenden Kosten privater Gegenstände ausgeschlossen. Doch handelt es sich um einen Privat-Pkw, gibt es eine interessante Ausnahme. So setzen Sie Kosten für den Privat-Pkw als Unternehmer steuerlich ab.

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Normalerweise ist der Vorsteuerabzug für den Kauf und für die laufenden Kosten privater Gegenstände ausgeschlossen. Doch handelt es sich um einen Privat-Pkw, gibt es eine interessante Ausnahme. Wird ein Privat-Pkw mindestens zu zehn Prozent unternehmerisch genutzt, ist ein Vorsteuerabzug möglich. Doch kein Steuergeschenk ohne Wermutstropfen. Für die nichtunternehmerische Pkw-Nutzung wird Umsatzsteuer fällig.

Verdeutlichendes Beispiel aus der Praxis: Einzelunternehmerin Huber kauft sich privat einen Pkw. Kaufpreis: 30.000 Euro zuzüglich 5.700 Euro Umsatzsteuer. Da der Pkw nachweislich mindestens zu 10 Prozent unternehmerisch genutzt wird, ist ein Vorsteuerabzug aus dem Kaufpreis und aus den laufenden Kosten zulässig.

Folge: Frau Huber kann den Privat-Pkw dem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zuordnen. In diesem Fall erstattet das Finanzamt die Vorsteuer. Frau Huber bekommt auf Antrag die 5.700 Euro Vorsteuer erstattet. Dadurch mindert sich ihr Finanzierungsaufwand. Sie muss im Gegenzug jedoch jeden Monat für die nichtunternehmerische Nutzung Umsatzsteuer ans Finanzamt überweisen.

Privat-Pkw: Voraussetzung für den Vorsteuerabzug

Der Vorsteuerabzug für den Privat-Pkw ist möglich, wenn der Einzelunternehmer folgende Voraussetzungen nachweisen kann:

  • Die unternehmerische Nutzung des Privat-Pkw beträgt mindestens zehn Prozent. 
  • Die mindestens 10-prozentige unternehmerische Nutzung muss durch plausible Aufzeichnungen nachgewiesen werden.
  • Der Pkw muss dem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen eindeutig zugeordnet werden (Schreiben an Finanzamt, Beantragung Vorsteuer in Umsatzsteuervoranmeldung).
  • Die Zuordnung zum umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen muss bis spätestens 31. Mai des Folgejahrs erfolgen.

Umsatzsteuerliche Zuordnung ist für Ertragsteuer nicht bindend

Die Zuordnung zum umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen bedeutet nicht, dass der Pkw auch ertragssteuerlich dem Betriebsvermögen zugeordnet werden muss. Ertragsteuerlich besteht nämlich ein Wahlrecht, wenn der Pkw zwischen zehn Prozent und 50 Prozent betrieblich genutzt wird (sog. gewillkürtes Betriebsvermögen).

Beispiel: Unternehmer Maier ordnet einen Privat-Pkw, der zu 40 Prozent betrieblich genutzt wird, seinem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zu. Das ist umsatzsteuerlich möglich, weil der Pkw mindestens zu 10 Prozent für unternehmerische Zwecke genutzt wird. Ertragsteuerlich muss der Pkw nicht dem Betriebsvermögen zugerechnet werden.  

Besonderheiten zur Ermittlung der 10-Prozent-Grenze

Maßgebend für die 10-Prozent -Grenze ist bei einem Fahrzeug das Verhältnis der Kilometer unternehmerischer Fahrten zu den Jahreskilometern des Fahrzeugs. In Zweifelsfällen muss der Unternehmer dem Finanzamt die unternehmerische Mindestnutzung durch plausible glaubhaft machen. Ein Fahrtenbuch muss zum Nachweis der mindestens 10-prozentigen unternehmerischen Nutzung nicht geführt werden.

Praxis-Tipp: Bei sogenannten Zweit- oder Drittfahrzeugen von Einzelunternehmern oder sogenannten Alleinfahrzeugen bei einer nebenberuflichen Unternehmertätigkeit ist regelmäßig davon auszugehen, dass diese Fahrzeuge zu weniger als zehn Prozent unternehmerisch genutzt werden. Das gleiche gilt bei Personengesellschaften, wenn ein Gesellschafter mehr als ein Fahrzeug privat nutzt, für die weiteren privat genutzten Fahrzeuge. Hier empfiehlt sich zum Nachweis der 10- Prozent-Grenze die Führung eines Fahrtenbuchs.  

10-Prozent-Grenze im Jahr des Kaufs des Privat-Pkw: Maßgebend für die Zuordnung ist die im Zeitpunkt der Anschaffung des Fahrzeugs beabsichtigte Verwendung für den Besteuerungszeitraum der erstmaligen Verwendung. Dabei ist auf das voraussichtliche Verhältnis der Jahreskilometer für die unterschiedlichen Nutzungen abzustellen.

Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb: Wichtig zu wissen: Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb des Unternehmers stellen aus umsatzsteuerlicher Sicht Fahrten für unternehmerische Zwecke dar.

Vorsteuerabzug für die Aufwendungen aus den laufenden Pkw-Kosten

Bei den laufenden Pkw-Kosten kommt bei Zuordnung des Pkws zum umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen ebenfalls ein Vorsteuerabzug in Betracht. Bei dem Vorsteuerabzug aus den laufenden Pkw-Kosten ist jedoch zwischen folgenden Kostenblöcken zu unterscheiden:
 
  • Sonstige Leistungen und vertretbare Gegenstände
  • Einheitliche Gegenstände

Kostenblock 1: Sonstige Leistungen und vertretbare Gegenstände

Bei Kosten für sonstige Leistungen (z.B.: Wartungsarbeiten) und für vertretbare Gegenstände (z.B. Treibstoff) wird es nicht beanstandet, wenn der Unternehmer trotz nichtunternehmerischer Nutzung des Pkws den vollen Vorsteuerabzug aus diesen Pkw-Kosten geltend macht. Im Gegenzug versteuert der Unternehmer die nichtunternehmerische Pkw-Nutzung und überweist dafür Umsatzsteuer ans Finanzamt.

Kostenblock 2: Einheitliche Gegenstände

Bei einheitlichen Gegenständen für das Fahrzeug (z.B. Satz Winterreifen) sind in Punkto Vorsteuerabzug unabhängig von der Nutzung des Fahrzeugs zu beurteilen. Ein Vorsteuerabzug kommt danach in Höhe des (geplanten) Verwendungsverhältnisses in Betracht. Aus Vereinfachungsgründen kann der Unternehmer aber auch auf das Verhältnis der Nutzung des Fahrzeugs abstellen.

Beispiel: Der selbständige Handwerker Huber hatte 2016 ein Privat-Fahrzeug erworben, das er teils privat, teils unternehmerisch nutzte. Die unternehmerische Nutzung betrug mindestens zehn Prozent. Er hat dieses Fahrzeug deshalb seinem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zugeordnet. Im Jahr 2017 erwirbt Huber einen Satz Winterreifen und hat Aufwendungen für Benzin und Wartung. 

Folge: Huber kann sowohl für die Benzin- und Wartungskosten sowie für die Kosten der Winterreifen den vollen Vorsteuerabzug geltend machen. Er muss im Gegenzug dann jedoch Umsatzsteuer für die nichtunternehmerische Nutzung des Pkw ans Finanzamt abführen.

Praxis-Tipp: Kann ein Fahrzeug dem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen nicht zugeordnet werden, weil die 10-prozentige Mindestnutzung für unternehmerische Zwecke nicht erreicht wird, können Vorsteuerbeträge aus Aufwendungen, die sich ausschließlich auf eine unternehmerische Nutzung beziehen, in vollem Umfang abgezogen werden (z. B. Reparaturaufwendungen für Unfallkosten aus einer unternehmerischen Fahrt).

Zuordnung eines Wirtschaftsguts zum Unternehmensvermögen: Stichtag 31. Mai

Für privat gekaufte und unternehmerisch genutzte Pkws gibt es den Vorsteuerabzug nur, wenn die unternehmerische Nutzung mindestens bei zehn Prozent liegt und wenn bis spätestens 31. Mai des Folgejahrs eine eindeutige Zuordnung zum Unternehmensvermögen getroffen wurde. Wie streng die Finanzverwaltung ist, verdeutlich ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs.

Ein Unternehmer nutzte ein Wirtschaftsgut auch unternehmerisch. Da die Nutzung mindestens bei zehn Prozent lag, machte er in seinen verspätet eingereichten Umsatzsteuerjahreserklärungen erstmals Vorsteuer dafür geltend. Doch das Finanzamt lehnte ab, weil bis zum 31. Mai des Folgejahrs nach Entstehung der Baukosten keine offensichtliche Zuordnung des Wirtschaftsguts zum umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen getroffen wurde.

Zuordnung muss dem Finanzamt gegenüber angezeigt werden

Der Bundesfinanzhof lehnte den Vorsteuerabzug ab und bestätigte, dass die Zuordnung eines Wirtschaftsguts zum umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen dem Finanzamt bis zum 31. Mai des Folgejahrs nach dem Kauf muss (BFH, Urteil v. 14.2.2017, Az. V B 154/16).

Praxis-Tipp: Die Zuordnung zum Unternehmensvermögen muss entweder durch die fristgemäße Abgabe einer Umsatzsteuervoranmeldung mit Geltendmachung des Vorsteuerabzugs passieren oder durch ein formloses Schreiben an die Veranlagungsstelle, in die die Zuordnung des Wirtschaftsguts zum umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögens angezeigt wird.

Ermittlung der Umsatzsteuer für die nichtunternehmerische Pkw-Nutzung

Anwendung der 1-Prozent-Regelung: Ermittelt der Unternehmer für Ertragssteuerzwecke den Wert der Nutzungsentnahme nach der sogenannten 1-Prozent-Regelung nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG, kann er von diesem Wert aus Vereinfachungsgründen bei der Bemessungsgrundlage für die Umsatzbesteuerung der unternehmensfremden Nutzung ausgehen.

Auch wenn der Pkw dem ertragsteuerlichen Betriebsvermögen, sondern nur dem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zugeordnet wird, kann die 1-Prozent-Regelung zur Ermittlung der Umsatzsteuer gewählt werden.

Praxis-Tipp: Für umsatzsteuerliche Zwecke erfolgt jedoch keine pauschale Kürzung des inländischen Listenpreises für Fahrzeuge mit Antrieb ausschließlich durch Elektromotoren, die ganz oder überwiegend aus mechanischen oder elektrochemischen Energiespeichern oder aus emissionsfrei betriebenen Energiewandlern gespeist werden (Elektrofahrzeuge), oder für extern aufladbare Hybridelektrofahrzeuge.  

Für die nicht mit Vorsteuern belasteten Ausgaben kann aus Vereinfachungsgründen ein pauschaler Abschlag von 20 Prozent vorgenommen werden. Der so ermittelte Betrag ist der Nettowert; die Umsatzsteuer ist mit dem allgemeinen Steuersatz hinzuzurechnen.  

Anwendung der Fahrtenbuch-Methode: Setzt der Unternehmer für Ertragssteuerzwecke die private Nutzung mit den auf die Privatfahrten entfallenden Aufwendungen an, indem er die für das Fahrzeug insgesamt entstehenden Aufwendungen durch Belege und das Verhältnis der privaten zu den übrigen Fahrten durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch nachweist (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 3 EStG), ist von diesem Wert auch bei der Ermittlung der Bemessungsgrundlage für die Umsatzbesteuerung der unternehmensfremden Nutzung auszugehen.

Für umsatzsteuerliche Zwecke erfolgt jedoch keine Kürzung der insgesamt entstandenen Aufwendungen um Aufwendungen, die auf das Batteriesystem bei Elektro- und Hybridelektrofahrzeugen entfallen.

Aus den Gesamtaufwendungen sind für Umsatzsteuerzwecke die nicht mit Vorsteuern belasteten Ausgaben in der belegmäßig nachgewiesenen Höhe auszuscheiden.

Entgeltliche Überlassung des Pkws an Personal

Überlässt der Unternehmer (Arbeitgeber) seinem Personal (Arbeitnehmer) ein Fahrzeug auch zu Privatzwecken (Privatfahrten, Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie Familienheimfahrten aus Anlass einer doppelten Haushaltsführung), ist dies regelmäßig eine entgeltliche sonstige Leistung im Sinne des § 1 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 UStG.  

Das Fahrzeug wird durch die entgeltliche umsatzsteuerpflichtige Überlassung an das Personal ausschließlich unternehmerisch genutzt (10-Prozent-Grenze gilt also automatisch als erfüllt). Die aus den Anschaffungskosten als auch aus den Unterhaltskosten der sogenannten Dienst- oder Firmenwagen anfallenden Vorsteuerbeträge können in voller Höhe abgezogen werden.

Beispiel: Sie überlassen Ihrem im Betrieb angestellten Ehegatten einen Pkw, den dieser auch privat nutzen darf. Der Pkw wird dadurch automatisch ertragsteuerlich Betriebsvermögen und umsatzsteuerlich Unternehmensvermögen, weil eine Nutzung für den Betrieb von mehr als zehn Prozent unterstellt wird.

Folge: Sie bekommen aus dem Kaufpreis und aus den laufenden Pkw-Kosten einen Vorsteuerabzug. Für die Privatnutzung muss der angestellte Ehegatte lohnsteuerlich einen geldwerten Vorteil versteuern und es muss Umsatzsteuer ans Finanzamt abgeführt werden.

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