Rürup-Rente, Berufsunfähigkeitsversicherung, ETF-Sparplan – für Handwerkerinnen gelten bei der Altersvorsorge besondere Bedingungen. Selbstständige haben keinen Anspruch auf Mutterschutz, angestellte Handwerkerinnen können ab kommendem Jahr ein neues gefördertes Altersvorsorgedepot nutzen. Finanzexpertin Nathalie Aulbach hat beispielhafte Empfehlungen zusammengestellt.

Die DHZ-Redaktion hat in Teil 1 beschrieben, unter welchen besonderen Bedingungen Frauen ihre Vorsorge fürs Alter und ihre Kapitalanlage organisieren müssen. In dieser Ausgabe soll nun beispielhaft erklärt werden, wie eine Vorsorge für eine selbstständige Handwerkerin und eine angestellte Handwerkerin aussehen kann. Nathalie Aulbach, Leiterin des Operativen Geschäfts bei der Frauenfinanzgruppe in Hamburg, hat ein paar grundlegende, wichtige Tipps zusammengestellt.
Die Vorschläge sind Beispiele und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aulbach empfiehlt grundsätzlich eine individuelle, unabhängige Beratung, da jede Lebenssituation andere Anforderungen stelle.
Selbstständige Handwerkerinnen
Vermögensaufbau
Zu Beginn des Berufslebens, so Aulbach, sei es wichtig, sich Rücklagen zu schaffen, zum Beispiel mit einem Tagesgeldkonto. Nathalie Aulbach rät erst einmal dazu, einen finanziellen Grundstock aufzubauen. Eine weitere Option für den mittel- bis langfristigen Vermögensaufbau sind Fonds-Sparpläne oder ETF-Sparpläne. Die Verbraucherzentralen empfehlen dafür einen möglichst langen Anlagehorizont von mindestens fünf bis zehn Jahren, um mögliche Schwankungen auszugleichen.
Versicherungen
Ein ganz wichtiger Baustein ist der Abschluss von Versicherungsverträgen. Was hierbei leider gerne vergessen wird, ist die rechtzeitige Absicherung gegen Lebensrisiken, etwa gegen Berufsunfähigkeit. Diese Themen schieben nicht nur Frauen gerne auf die lange Bank, weiß Aulbach.
Doch ein paar sind unerlässlich. Zum einen kommt niemand ohne die Haftpflichtversicherung aus, sowohl für den Betrieb als auch auf privater Seite. "In Kombination abgeschlossen können beide günstiger sein", sagt die Expertin.
Zur Absicherung der eigenen Arbeitskraft ist es wichtig, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu besitzen. Diese sollte möglichst früh abgeschlossen werden, und zwar mit einer Option auf Erhöhung ohne eine weitere Gesundheitsprüfung. Ist der Abschluss zum Beispiel aufgrund der Gesundheitsprüfung nicht möglich, kann eine Grundfähigkeitsversicherung eine Alternative sein. Zu überlegen wäre auch, ob ein Verbleib in der gesetzlichen Rentenversicherung sinnvoll ist, da diese im Falle einer Erwerbsminderung eine Rente zahlt. Betriebliche Risiken sollten getrennt davon abgesichert werden.
Schlecht abgesichert sind selbstständige Frauen im Falle einer Schwangerschaft. Sie haben keinen Anspruch auf Mutterschutz. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks rät deshalb zu einer entsprechenden Vorsorge. Möglich sei zum Beispiel die Abstimmung mit der Krankenversicherung über Leistungen im Fall von Schwangerschaft und Mutterschaft. Gesetzlich Versicherte können eine Krankengeld-Versicherung abschließen, privat Versicherte eine Krankentagegeldversicherung. Wartezeiten seien zu beachten. Ein möglicher unternehmerischer Ausfall muss getrennt davon abgesichert werden.
Altersvorsorge
Aulbach empfiehlt zum Beispiel den Abschluss einer Basis-Rente – auch bekannt als Rürup-Rente – mit einem niedrigen laufenden Beitrag. Der große Vorteil ist, dass – je nach Liquidität – Zuzahlungen geleistet werden können. Die Beiträge sind außerdem in der Ansparphase zu 100 Prozent steuerlich absetzbar. Ebenfalls von Vorteil ist die Rentengarantiezeit. Während das im Depot angesparte Geld irgendwann aufgebraucht ist, wird die Rente lebenslang bezahlt, auch bei Erreichung eines hohen Alters. Sollte man dies nicht erreichen, sorgt die zuvor vereinbarte Rentengarantiezeit dafür, dass die Rente zugunsten der Hinterbliebenen weitergezahlt wird.
Eine weitere Option ist eine betriebliche Altersversorgung bei einer Beschäftigung als Geschäftsführerin in der eigenen GmbH. Hier wäre eine Pensionszusage möglich.
Angestellte Handwerkerin
Spargroschen
Auch in diesem Personenkreis hält es Aulbach für angebracht, vor allem anderen einen Mindestbetrag von drei Monatsgehältern anzusparen und auf einem Tagesgeldkonto anzulegen. Damit können Unvorhergesehenes und wichtige Anschaffungen finanziert werden.
Versicherungen
Zur Absicherung der Arbeitskraft ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ebenso essenziell – und das möglichst jung. Denn dann seien diese noch günstig. Mit einem guten Gesundheitszustand könne man ohne Risikozuschläge oder -ausschlüsse auf Dauer abgesichert sein.
Altersvorsorge
Aulbach schlägt vor, die neue Riesterrente oder das Altersvorsorgedepot ab dem kommenden Jahr zu nutzen. Neben niedrigen Kosten beinhalte das Depot eine echte Renditeoption plus der staatlichen Förderung.
Gegebenenfalls biete sich auch eine betriebliche Altersversorgung an. Der Beitrag dafür fließt steuer- und sozialversicherungsfrei in einen Rentenvertrag und der Arbeitgeber muss sich mit 15 Prozent des Eigenbeitrags beteiligen.
Zusätzlich lasse sich der private Vermögensaufbau zum Beispiel mit einem flexiblen ETF-Sparplan gestalten. Aulbach rät dazu, bei der ETF-Auswahl vorsichtig zu sein. ETFs wie der viel besprochene MSCI World etwa seien zu 70 Prozent in den USA und dort vor allem in Tech-Werte investiert. Bei Krisen in dieser Branche drohten hohe Verluste, weil es keine breite Streuung gebe.
>> Zum 1. Teil unseres Zweiteilers über Frauen und Finanzen geht's hier.
Tipps für selbstständige Handwerkerinnen
- Rentenlücke kennen, um gezielt vorsorgen zu können.
- Kindererziehungszeiten überprüfen, ob sie vollständig im Rentenkonto erfasst sind.
- Vorsorge nach unterschiedlichen Lebensphasen anpassen, z.B. nach Elternzeit oder Pflege eines Angehörigen.
- Altersvorsorge nicht dem Partner überlassen, da Trennung, Scheidung oder Tod des Partners erhebliche finanzielle Folgen haben können.
- Schon mit kleinen Beträgen regelmäßig sparen. Wichtig sind Regelmäßigkeit und langfristiger Anlagehorizont.
- Rentenversicherungspflicht prüfen. Langfristige Folgen einer Befreiung oder eines Wechsels sollten beachtet werden.
- Einmal jährlich festen Termin für die Finanzplanung setzen.
- Betriebliche Vorsorge und private Vorsorge getrennt planen.
- Für Steuern, Krankheitszeiten und Altersvorsorge jeweils eigene Rücklagen bilden.
- Bei schwankenden Einnahmen Sparpläne flexibel gestalten statt aussetzen.
- Regelmäßig prüfen, ob freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung sinnvoll sein können.
Quellen: Verbraucherzentrale.de und deutsche-rentenversicherung.de
