Gesundheit -

Interview mit Schreinerbetrieb Von Ernährung bis Ergonomie: So halten wir unsere Mitarbeiter gesund

Zwölf Mitarbeiter zwischen 18 und 65 Jahren, darunter vier Schreinermeister, arbeiten in der Schreinerei Schleier. Die Chefin, Beate Schleier, die den Betrieb gemeinsam mit Mann Reinhold und Sohn Stephan leitet, ist gelernte Steuerfachangestellte. Auch sie kennt das Problem "Fachkräftemangel". Im Interview verrät sie, wie sie ihre Mitarbeiter ans Unternehmen bindet.

Was tun Sie in Ihrer Schreinerei für Ihre Mitarbeiter?
Beate Schleier: Uns ist vor allem die Gesundheit unserer Mitarbeiter wichtig. In einer Schreinerei muss man viel heben, tragen und es ist manchmal sehr laut. Unsere Mitarbeiter können zwischen verschiedenen Arten von Gehörschutz auswählen. Für die nicht vermeidbaren Transporte großer Platten haben wir spezielle Hebehalterungen angeschafft, die Platten werden auf Paletten gelegt und mit dem Stapler transportiert. Außerdem kann sich jeder Mitarbeiter die Höhe der Werkbänke individuell einstellen.

Aber, um sich an einem Arbeitsplatz wohlzufühlen, gehört noch mehr dazu?
Schleier: Ja natürlich. Bleiben wir erst einmal bei der Ernährung. Trinkwasser ist bei uns ein großes Thema und: Wir wollten weg von der Plastikflut und vom Kistenschleppen. Deshalb haben wir bei uns eine Trinkwasseranlage eingebaut und für unsere Mitarbeiter Thermosflaschen (kein Alu) angeschafft. Nun können sie sich ihr Trinkwasser mit oder ohne Kohlensäure, gekühlt oder zimmerwarm und gefiltert, direkt in ihre Flasche abfühlen. Mittlerweile bringt keiner mehr andere Flaschen mit in den Betrieb. Ganz im Gegenteil. Manche haben sich noch eine zweite Thermosflasche angeschafft und nehmen sich am Abend noch Wasser mit nach Hause.

Und wie ernähren sich Ihre ­Mitarbeiter?
Schleier: Das ist in der Tat ein besonderes Kapitel. Unsere Mitarbeiter, die ja auch oft auf Baustellen unterwegs sind, bringen ihre Verpflegung selbst mit. In einem speziellen Ernährungskurs haben sie gelernt, dass vernünftige Ernährung nicht Extremverzicht bedeutet, aber auch, dass man nicht jeden Tag Leberkässemmeln konsumieren sollte.

Erzählen Sie noch mehr über den Ernährungskurs?
Schleier: Das war ein spezieller Kurs nicht nur zum Thema Ernährung, sondern auch zum Thema Bewegung, den wir zusammen mit der IKK hier in unserem Betrieb gehalten haben. Dazu haben unsere Mitarbeiter von uns einen Tag frei bekommen. In einem Mix aus aktiven Trainings und kurzen Vorträgen lernten die Mitarbeiter zum Beispiel, wie sie ihren Rücken mit einzelnen Übungen stärken und entlasten können und welche Lebensmittel sowohl körperlich als auch geistig fit machen. Die Teilnahme war für Mitarbeiter und Betrieb kostenlos.

Und zahlt sich betriebliches Gesundheitsmanagement für Ihre Schreinerei aus?
Schleier: Gesundheitsmanagement zahlt sich immer aus, denn es werden nicht nur die Ausfalltage kürzer. Durch solche Maßnahmen verbessert sich auch das Betriebsklima. Wir haben ein gutes Miteinander und unsere Mitarbeiter identifizieren sich stark mit unserem Betrieb, aber auch mit unserer ­Familie. Als vor einigen Jahren mein Mann plötzlich schwer erkrankte, zogen alle an einem Strang und halfen mit, diese persönliche und auch betriebliche Krise erfolgreich durchzustehen.

Wie sieht es mit der Weiterbildung für Ihre Mitarbeiter aus?
Schleier: Vor kurzem haben wir vier jüngere Mitarbeiter den unverzichtbaren Hänger-Führerschein absolvieren lassen und ihn auch bezahlt. Gleiches gilt für den ebenso notwendigen Stapler-Führerschein. Aber auch unsere Azubis unterstützen wir nach Kräften. Wir sind bei der Gesellenprüfung mit dabei und verbringen viel Zeit mit ihnen und der Planung und Erstellung des Gesellenstücks. Und manchen haben wir auch schon auf einen Knigge-Kurs "Wie verhalte ich mich bei einem Kunden" geschickt.

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