Vom Bastler zum Profi

Handwerker-Webseite 2.0: Mit aktuellen Informationen gewinnen Sie neue Kunden

Silvia Hänig

Vom Bastler zum Profi

Viele Unternehmer geben sich mit dem eigenen Internetauftritt nur allzu schnell zufrieden. Ist die Seite einmal online, findet kaum noch Pflege statt. Aus diesem Grund sind heute viele Webseiten veraltet und nicht mehr auf dem neuesten Stand. Welche Anforderungen der Kunde aktuell an einen modernen Webauftritt stellt und welche Bestandteile im Internetauftritt dabei besonders wichtig sind, zeigt dieser Beitrag auf. Nicht selten erlebt ein Kunde bei der Onlinesuche eines Handwerksbetriebes eine Überraschung. Entweder befindet sich der gesuchte Betrieb noch gar nicht im Internet oder die entsprechende Webseite enthält nicht die erwarteten Informationen. Dabei gibt es einen Zusammenhang zwischen aktuellen Informationen und der Gewinnung neuer Kunden.

Ein interessantes Szenario ergibt sich auch, wenn diese Erkenntnisse dem aktuellen Suchverhalten potenzieller Handwerkskunden gegenübergestellt werden. Obwohl der Verbraucher zunehmend nach Brancheninformationen über das Internet sucht, setzt die Handwerksbranche werblich nach wie vor auf Printkanäle wie Tageszeitungen, gedruckte Branchenbücher und Anzeigenblätter. Das heißt, die Betriebe sind nicht dort präsent, wo der Kunde nach ihnen sucht oder mit ihnen in Kontakt kommen möchte. Betriebe sollten demnach umdenken, wenn ihr knappes werbliches Budget auch wirklich wirken soll. Sie müssen erkennen, dass neben den herkömmlichen Medien neue hinzugekommen sind, mit denen sie sich beschäftigen sollten, um nicht den Anschluss zum Kunden zu verlieren.

„Visitenkarte im Netz“

Der Kunde gibt den Ton an. Er möchte entscheiden, wann er sich über welchen Weg in welcher Informationstiefe mit einem Angebot auseinandersetzen möchte. Sein Transportmedium ist hier das Internet und sein Ankerpunkt die Webseite. Hier erwartet er aktuelle Informationen oder Unterhaltung. Unprofessionelle, längst überholte Internetpräsenzen wirken abstoßend und geben dem Betrieb ein schlechtes Image. Die „Visitenkarte im Netz“ sollte dringend aufpoliert werden, um den Kunden binden zu können.

Das funktioniert im ersten Schritt am besten über die eigene Webseite. Sie ist das „Gesicht“ des Betriebes im Internet. Dabei kommt es besonders auf das richtige Zusammenspiel aus einem individuellen Webdesign, relevanten Inhalten und ständiger Aktualisierung an. Denn das Internet ist schnell und der Kunde entscheidet in Bruchteilen von Sekunden darüber, ob er mit diesem Handwerker wirklich Kontakt aufnehmen soll. Konkret geht es darum, die Lust am Verweilen und Weiterklicken zu wecken. Wie könnte also das eigene „virtuelle Gesicht“ aussehen? Was gehört zu einem professionellen Auftritt? Gibt es bereits bewährte Standards für den strukturierten Aufbau einer Webseite, auf die der Betrieb zurückgreifen kann?

Zunächst sollte sich jeder über das Ziel der Webseite im Klaren sein. Sollen neue Kundengruppen angesprochen werden oder soll sich ein aktiver Interessent vertieft über die Leistungen informieren können? Um diese Frage beantworten zu können, muss man wissen, was der Kunde will. Dafür eignet sich eine kleine Umfrage, bei der man mehr über die Bedürfnisse der Zielkunden erfahren kann und damit gleich den Grundstein für sein Marketing legt:

- Handelt es sich um einen Privat- oder Firmenkunden?

- Welche Services sind ihm wichtig?

- Welche Leistungen werden am häufigsten aufgerufen?

Auf Basis dieser oder ähnlicher Erkenntnisse lassen sich die Inhalte für die Webseite leichter identifizieren und strukturiert aufbereiten. Sind sie fixiert, muss der Handwerker überlegen, wie der Kunde sie am besten über die Webseite navigieren kann. Das heißt, er muss die Struktur der Seite so gestalten, dass der Kunde intuitiv zu den Informationen geleitet wird.

Genauso wichtig wie die Beschreibung der Kernleistung des Betriebes ist aber auch die Darstellung einer Besonderheit. Wodurch unterscheidet sich der Betrieb vom Wettbewerb? Warum sollte der Kunde gerade mit ihm zusammenarbeiten? Was hat er, was der Wettbewerb nicht bietet? Hier gibt es viel Spielraum für den Handwerker. Er könnte beispielsweise seinen Servicefaktor durch positive Kundenrückmeldungen hervorheben, besondere Aktionen durchführen oder sich allein durch die Firmenhistorie differenzieren. Unter einem Menüpunkt „Wir über uns“ oder „unsere Leistungen“ sucht der Kunde in der Regel nach diesen Informationen. Große Wirkung erzielt beispielsweise eine zentrale Botschaft, z.B. 30 Jahre Erfahrungen im Markt seit mehreren Generationen, gekrönt durch eine Firmenanekdote, vermittelt durch den Firmengründer. Aber auch Preise und Auszeichnungen sind für die Kommunikation der „Einzigartigkeit“ besonders geeignet. Unter „Wir über uns“ kann sich zudem das Team hervorragend präsentieren, z.B. durch Porträtbilder. Das schafft Nähe und Vertrauen. Aber Achtung: Von jedem Mitarbeiter muss hier vorher eine mündliche oder schriftliche Einwilligung eingeholt werden.

Bei der Darstellung des handwerklichen Leistungsspektrums sollten anstelle butterweicher Marketingfloskeln („Beratung und Service werden bei uns großgeschrieben“) leicht verständliche, gut strukturierte und konkrete Informationen treten. In jedem Fall sollten Bleiwüsten, die den Kunden zum minutenlangen Scrollen nötigen, vermieden werden. Gleiches gilt für die Bedienerfreundlichkeit, die bereits angesprochen wurde. Wer dennoch umfangreiche Informationen zum Betrieb komplett online abbilden möchte, sollte eine „Suchfunktion“ auf der Startseite einbauen. Darüber kann man schnell auf den gesuchten Begriff treffen.

Ein digital versierter Kunde erwartet neben den Basisinformationen und einem ansprechenden Webdesign heute vor allem Interaktivität und Unterhaltung. Diesem Bedarf könnte der Handwerker mit einem kleinen Video nachkommen, das er auf seine Seite stellt. Es gibt dem Kunden in zwei bis drei Minuten einen 360-Grad-Einblick in die Tätigkeit des Handwerkers oder stellt vielleicht einfach das Team vor. Das verleiht dem Betrieb eine zeitgemäße, professionelle Anmutung und lädt zum Verweilen ein.

Ein Kontaktbutton auf der Startseite gehört zur Basisausstattung einer Webseite und animiert den Kunden zur Aktion. Dabei bleibt es dem Betrieb überlassen, welche Form der Kontaktaufnahme er anbietet. Möchte er mit der Seite Neukunden akquirieren, sollte er E-Mail und telefonischen Kontakt zentral aufführen. Möchte er die Möglichkeit des Austausches anbieten, eignen sich Blogs und Foren. Ein Interessent erwartet immer promptes Feedback. Eine Rückantwort sollte nie länger als 24 Stunden dauern. Aber Hände weg von zu viel Schnickschnack. Überladene Seiten mit zu vielen Kontaktoptionen, zu vielen Klickmöglichkeiten oder hektischer Animation wirken kontraproduktiv und überfordern schnell.

Wenn es um die Kosten für die Erstellung einer Webseite geht, lässt sich keine allgemeingültige Aussage machen. Nach Angaben von Webexperten sind viele Variablen im Spiel, die Einfluss auf die Preisgestaltung haben. Generelle Preistreiber sind: Ansprüche an das Webdesign und deren individuelle Gestaltung. Hinzu kommt, ob der Betrieb ein eigenes CMS-System einsetzt und die Inhalte selbst dynamisch hält oder ob er über einen Dienstleister Webseitenpflege durchführen lässt.

Angebote im Baukastensystem

Möchte der Betrieb in erster Linie informieren und hat wenig inhaltliche Aktualisierungen, genügt ein Webspace, auf dem man statische HTML-Seiten ablegen kann. Dieser Service ist bereits unter 100 Euro monatlich erhältlich. Ein individualisiertes Webdesign inklusive Video, speziellen Bildwelten sowie einer speziellen Layoutstruktur liegt preislich schon im vierstelligen Bereich. Wer aber weder den ganz minimalistischen Auftritt noch die Luxusvariante möchte, kann sich auch für Angebote im Baukastensystem entscheiden. Full-Service-Anbieter stellen Kleinbetrieben eine Auswahl an Elementen, Farben und Schriften zur Webseitenerstellung zur Verfügung und kümmern sich um das Hosting. Der Handwerker hat die Möglichkeit, aus einem Sortiment die für ihn passenden Elemente herauszusuchen, und muss sich nicht um die Pflege kümmern. Auch im Internet gibt es rechtliche Spielregeln, an die man sich halten muss. Gerade wenn es um die Erstellung einer neuen Webseite geht, sollten bestimmte gesetzliche Vorgaben zu werblichen und informativen Inhalten eingehalten werden. Diese sind im Telemediengesetz geregelt. Verpflichtend sind die Angaben zum Impressum und die Einhaltung des Datenschutzes.

Speziell bei der Nutzung von Bildmaterial oder fremden Texten herrscht noch Unsicherheit. Wer Inhalte Dritter auf der eigenen Webseite veröffentlicht, z.B. durch „Mitmach-Angebote“ oder „RSS-Feeds“, darf mit dieser Veröffentlichung die Rechte des Urhebers nicht verletzen. Daher sollte bereits beim Grundkonzept der Webseite, also Webdesign, Aussagen, Visualisierungen, darauf geachtet werden, ob Inhalte verwendet werden, für die eine Erlaubnis vom Urheber benötigt wird. Was in der Theorie einleuchtet, erweist sich in der Praxis oft als schwierig. Eine der häufigsten Fallen, das Urheberrecht zu verletzen, ist die Onlineeinbindung von Stadtplänen. Versäumt ein Handwerker die Klärung der Urheberrechte, drohen Abmahnungen und Schadenersatzforderungen. Und wie sieht es mit der Linkhaftung aus? Laut §§ 8-10 des Telemediengesetzes haftet der „Zugangsvermittler“ nicht.