In einer kleinen Seitenstraße in der Altstadt von Schwäbisch Gmünd arbeiten vier Frauen in einer kleinen Goldschmiede. In dem Laden mit offener Werkstatt wird noch mit präziser Handarbeit und wenig Technik gearbeitet – und das persönliche Gespräch mit den Kunden geschätzt.

An einem Mittwochmorgen um kurz vor neun sind die Straßen und Gassen in der Altstadt von Schwäbisch Gmünd ganz ausgestorben. Fast alle Läden haben noch geschlossen, nur wenige Frühaufsteher schlendern schon durch die ruhigen Gassen. In einer Seitenstraße neben dem Rathaus sticht ein Gebäude mit vielen kleinen Fenstern und einem rot-orangenem Anstrich ganz besonders heraus. An der Wand ist ein ovales Hängeschild angebracht mit der Aufschrift "Goldschmiede". Auf dem Schaufenster steht in schnörkliger Schrift geschrieben: "Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet." Das mit warmem Licht beleuchtete Schaufenster präsentiert glänzende Schmuckstücke. Um Punkt neun wird es hell im Laden und die Tür wird geöffnet.
Betritt man den Laden, wird man herzlich von zwei netten Damen begrüßt. Heute stehen Isabell Grosse und Martina Peter-Eckle im Laden. Insgesamt sind es vier Frauen, die die Goldschmiede Delta Schmuckgestaltung betreiben. Der Laden wirkt sehr hell und offen. An den Wänden links und rechts befinden sich kleine Schaukästen aus Holz, welche die Schmuckstücke beinhalten. In der Mitte des Raumes stehen weitere Vitrinen mit Schmuck, ein Tisch mit zwei Hockern und auch ein paar Modepuppen, die den Schmuck präsentieren. Lugt man hinter den Verkaufstresen, welcher am Ende des Verkaufsraumes steht, sieht man auch schon die offene Werkstatt. In der Mitte der Werkstatt steht eine große hölzerne Werkbank.
Goldschmiede und Schmuckdesigner
Martina Peter-Eckle hatte schon früh Spaß und Interesse daran, Schmuck selbst zu machen. "Ich habe mir erhofft, dass ich den Beruf später kreativ ausüben kann, nicht nur rein handwerklich, wie das üblich ist bei den Goldschmieden. Denn das Handwerk als Goldschmied bedeutet nicht zwingend, dass man kreativ tätig ist", erklärt sie. "Im Grunde ist es ein handwerklich technischer Beruf. Das heißt, man hat Vorlagen, nach denen man produzieren muss und die Entwurfsarbeit obliegt immer den Designern oder dem jeweiligen Goldschmied, dem der Laden gehört." Das wollte Martina Peter-Eckle nicht. Sie entschied sich nach der Ausbildung noch ein Studium in Schmuckdesign anzuhängen. Dort lernt man unter anderem auch Schmuck zu entwerfen und zu designen. Durch das Studium haben sich die vier Frauen kennengelernt. Drei der Schmuckdesignerinnen haben zuerst die Ausbildung als Goldschmied absolviert und später dann Schmuckdesign studiert. Das Studium ist dabei keineswegs zwingend, aber eine großartige Voraussetzung, den Beruf selbstständig auszuüben.
Handarbeit mit wenig Technik
Isabell Grosse setzt sich auf einen runden Holzhocker an ihrem Arbeitsplatz. Das sogenannte Werkbrett ist rund und hat vier Aussparungen für vier Arbeitsplätze. In der Mitte der Aussparung befindet sich der sogenannte Feilnagel. Er besteht aus Holz und dient als Auflagestütze beim Arbeiten. Auf dem Tisch befinden sich Gläser mit verschiedenen Feilen, Schleifwerkzeugen und Zangen, aber auch zahlreiche Edelsteine, Perlen und angefangene Schmuckstücke. "Wir sind ein Betrieb, der mit wenig Technik arbeitet. Wir arbeiten noch relativ rudimentär", erklärt Isabell Grosse. Währenddessen zündet sie mit einem Feuerzeug das Lötgerät an. Vor ihr ist ein dickes Tuch gespannt, das sogenannte Fell, in das die ganzen Reste beim Arbeiten hineinfallen.

Isabell Grosse nimmt ein kleines Blatt aus Silber in die Hand. "Das ist ein Gussmodell. In eine Form habe ich Silber eingegossen. Den dabei entstandenen Gussstotzen muss ich im nächsten Schritt von dem Blatt absägen und abfeilen. Dann kann ich einen Stecker oder Stein dranmachen." Die Frauen arbeiten entweder mit Gussmodellen oder bauen die Schmuckstücke von Grund auf. Isabell Grosse zeigt mit der Hand ausschweifend auf ihren Arbeitsplatz. "Wir bohren und fräsen auch. Das ist hier so ein bisschen wie beim Zahnarzt", sagt sie lachend. Nachdem sie den Gussstotzen abgefeilt hat, steht sie auf und läuft in Richtung Schaufenster. Dort liegen bereits ein paar fertige Ohrringe und die passende Kette mit dem silbernen Blatt als Anhänger. "Wir variieren unsere Sachen. Der Ohrring hat dann eben einen anderen Stein oder er ist aus Gold. Es gibt auch reine Einzelstücke. Aber im Prinzip arbeiten wir mit Kleinserien", erklärt Isabell Grosse während sie die fertige Kette durch ihre Finger gleiten lässt.
Zurück am Werkbrett nimmt Isabell Grosse als Nächstes einen dicken silbernen Ring in die Hand. "Diese Ringschiene wird auch gegossen, weil das sonst zu aufwendig ist. Dann wird die Fassung dazwischen gebaut und hin gelötet. Und dann ist da ein Stift drin, wo nachher ein Stein befestigt wird. Der Ring ist noch nicht ganz versäubert, das heißt, er wird noch poliert und mattiert", erklärt sie. In der Goldschmiede gibt es viele verschiedene Schmuckstücke, die vom Arbeitsaufwand ganz verschieden sind. Fest steht: Die Schmuckstücke nehmen viel Arbeit und Konzentration in Anspruch. "Bis das Stück gelötet, gesäubert und gefasst ist ... unter zwei bis drei Stunden geht gar nix", sagt Isabell Grosse nachdenklich.
Auch ohne Online-Shop zahlreiche Kunden
Die Frauen haben sich bewusst gegen einen Online-Shop für ihre Schmuckstücke entschieden. "Für mich ist es so, dass man Schmuck nicht unbedingt online kaufen kann, für mich zählt das persönliche Gespräch. Die Leute müssen den Schmuck anprobieren", begründet Isabell Grosse. Die Goldschmiede gibt es bereits seit über 30 Jahren. Mittlerweile haben die Frauen viele Stammkunden, aber auch neue Kunden kommen immer wieder dazu. "Die meisten Leute haben schon alles. Wenn ich persönlich in die Stadt gehe, möchte ich ein schönes Einkaufserlebnis haben und das möchten wir den Kunden hier auch bieten", so Isabell Grosse. Für individuelle Kundenwünsche sind die Frauen immer offen und froh. "Es ist auch toll, sich darüber Gedanken zu machen und sich darüber mit dem Kunden auseinanderzusetzen. Und wenn sie dann zufrieden sind, ist das natürlich ein ganz schönes Erlebnis", erklärt Martina Peter-Eckle mit einem Strahlen in den Augen.

