Qualität der Arbeit Viele Selbstständige haben überlange Arbeitszeiten

Jeder zweite Selbstständige der Vollzeit arbeitet, hat eine überlange Arbeitszeit von mehr als 48 Stunden pro Woche. Damit sind deutlich mehr Selbstständige von langen Arbeitstagen betroffen als Arbeitnehmer.

Über die Hälfte der Selbstständigen arbeitet über 48 Stunden pro Woche und hat damit überlange Arbeitszeiten. - © Foto: Kzenon

Über die Hälfte der Selbstständigen musste im vergangenen Jahr durchschnittlich mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten. Laut des Indikatorenberichts "Qualität der Arbeit – Geld verdienen und was sonst noch zählt" des Statistischen Bundesamtes (Destatis) , sind 53 Prozent der Selbstständigen von derart langen Wochenarbeitszeiten betroffen. Dies gilt nach internationaler Konvention als überlange Arbeitszeit.

Deutlich weniger Arbeitnehmer von langen Arbeitszeiten betroffen

Zum Vergleich: Unter den Arbeitnehmern in Vollzeit betrug der Anteil derer, die über 48 Stunden pro Woche mit beruflichen Aktivitäten verbringen, lediglich rund sieben Prozent. 2014 lag damit der Anteil aller Vollzeiterwerbstätigen, die gewöhnlich mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten, bei rund zwölf Prozent. Damit ging die Quote der Erwerbstätigen mit überlanger Arbeitszeit seit dem Höchststand im Jahr 2012 (13,6 Prozent) wieder etwas zurück.

Arbeitsschutz in Deutschland - Das Arbeitszeitgesetz

  • Laut des Arbeitszeitgesetzes in Deutschland dürfen Arbeitnehmer nicht länger als 48 Stunden pro Woche arbeiten.
  • Die tägliche Höchstarbeitszeit beträgt 8 Stunden, darf jedoch in Ausnahmefällen auf 10 Stunden verlängert werden. Allerdings dürfen 48 Stunden pro Woche in der Regel nicht überschritten werden.
  • Ausnahmen sind nur möglich wenn: in erheblichem Maße Bereitschaftsdienst anfällt und, wenn ein anderer Ausgleichszeitraum geschaffen wird.
    - Beispielsweise in der Landwirtschaft, der Pflege oder im öffentlichen Dienst.
  • Für Arbeitnehmer in bestimmten Berufsgruppen gilt das Arbeitszeitgesetzt nicht. z.B Ärzte, Bäcker oder Seeleute.

Insbesondere Führungskräfte sind häufiger von sehr langen Arbeitszeiten betroffen: Demnach müssen mehr als 37 Prozent der Erwerbstätigen in Führungsposition gewöhnlich mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten. Allerdings lässt sich dieser Wert teilweise auf den überdurchschnittlich hohen Anteil Selbstständiger unter den Führungskräften (50,7 Prozent) zurückzuführen. Während fast 64 Prozent der selbstständigen Führungskräfte Arbeitszeiten von mehr als 48 Stunden pro Woche aufweisen, berichtete nur gut jeder vierte Angestellte in einer Führungsposition (26,4 Prozent) von überlangen Arbeitszeiten.

Männer arbeiten länger als Frauen

Ein klarer Unterschied lässt sich bei den Geschlechtern erkennen. Männer (15 Prozent) hatten 2014 deutlich häufiger überlange Arbeitszeiten auf als Frauen (7,2 Prozent). Dies lässt sich jedoch darauf zurückführen, dass Frauen im Vergleich zu Männern deutlich seltener Führungspositionen ausüben.

Neben überlangen Arbeitszeiten wirken sich laut des Statistischen Bundesamtes auch Abend- und Nachtarbeit negativ auf private Aktivitäten und das gesundheitliche Wohlbefinden aus. Gut ein Viertel der Erwerbstätigen (25,7 Prozent) arbeitete 2014 regelmäßig am Abend von 18 bis 23 Uhr. Demnach hat sich der Anteil der Spätarbeitenden in den letzten zwölf Jahren fast verdoppelt. Im Jahr 1992 lag der Anteil noch bei 14,9 Prozent.

Nur wenige Selbstständige arbeiten nachts

Im gleichen Zeitraum ist auch der Anteil der nachts arbeitenden Personen (von 23 bis 6 Uhr) von 7,2 auf 8,6 Prozent leicht gestiegen. Selbstständige (36,6) arbeiteten 2014 häufiger am Abend als Arbeitnehmer (24,4). Bei der Nachtarbeit zeigte sich ein umgekehrtes Bild: Während 5,2 Prozent der Selbstständigen auch in der Nacht arbeiteten, lag der Anteil unter den Arbeitnehmern bei 9,2 Prozent. dhz