Sicherheitstechnik für Baustelle und Büro Videokamera oder Venenscanner: Wie Betriebe sich vor Einbrüchen schützen können

Handwerksbetriebe sind für Diebe ein attraktives Ziel. Oft finden sich wertvolle Bestände im Lager oder Bargeld in der Kasse. Wer sich schützen will, braucht einen Plan und gute Technik.

Steffen Guthardt

Einbrüche im Betrieb lassen sich mit einer Einbruchmeldeanlage schnell registrieren. - © Rainer ­Fuhrmann – stock.adobe.com

Schützenswertes Gut gibt es in wohl jedem Handwerksbetrieb. Ob das Material auf der Baustelle, die volle Kasse in der Bäckerei oder die wertvollen Bestände im Lager der Schmuckmanufaktur. Für Diebe ist das Handwerk damit hochattraktiv. Zumal gerade kleinere Betriebe oftmals nicht die Sicherheitsvorkehrungen treffen bzw. treffen können wie Großunternehmen.

Handwerker, die ihren Betrieb absichern wollen, sollten aber nicht hektisch ein beliebiges Gerät kaufen, wenn im eigenen oder einem benachbarten Betrieb eingebrochen wurde. "Gerade bei günstigen, nicht standardkonformen Systemen, die es im Internet zu kaufen gibt, ist Vorsicht geboten" sagt Thomas Friedlmeier, Technischer Leiter bei der Firma Lokavis Sicherheitstechnik .

Videokameras oder Alarmanlagen aus dem Discounter-Shop würden sich bestenfalls für den Heimbedarf eignen, wenn ein Diebstahl des zu schützendes Gutes verschmerzbar ist. "Bei sehr günstigen Angeboten besteht das Risiko, dass das System im Ernstfall nicht aktiv wird oder Fehlalarme ausgelöst werden."

Sicherheit schon beim Bau des Gebäudes berücksichtigen

Für ein professionelles Sicherheits­system, das sich für den gewerbli­chen Einsatz eignet, sind nach Erfah­rung des Experten mindestens einige tausend Euro zu veranschlagen. Für eine kabelgebundene Alarmanlage inklusive Installation sollten ab 7.000 Euro aufwärts angesetzt werden."

Wer die Kosten niedrig halten will, denkt am besten schon beim Bau seines Betriebsgebäudes an die Sicherheitstechnik. Türen und Fenster können mit Einbruchmeldekontakten versehen und Rohre für kabelgebundene Installationen verlegt werden. "Muss ich alles nachträglich machen, wird es kostspielig", sagt Friedlmeier. Zwar kann alternativ auch Funktechnik genutzt werden, jedoch ist diese mit laufenden Kosten für die Batterien verbunden, die im Schnitt circa alle fünf Jahre ausgetauscht werden müssen.

Zweck und Ziel der Schutzmaßnahme bestimmen

Vor dem Kauf der Sicherheitsanlage sollte der Betrieb sich selbst hinterfragen, was oder wer eigentlich genau geschützt werden soll. Friedlmeier empfiehlt, sich zusätzlich eine professionelle Beratung einzuholen, ob die gewünschte Technik wirklich zum Einsatzzweck passt. "Eine pauschale Lösung gibt es nicht, es kommt immer auf die individuellen Voraussetzungen und Erfordernisse der Firma an."

Der Experte nennt dazu zwei typische Beispiele aus der Praxis. Ein im Gewerbegebiet ansässiger Autohändler, der seine Fahrzeuge auf dem Hof stehen hat, muss vor allem seinen Außenbereich schützen. "In diesem Fall kann ein Perimeterschutz wie ein Zaun oder/und eine Videoüberwachung des Geländes vorrangig sein." Anders liegt der Fall bei einer Bäckerei direkt in der Fußgängerzone. "Ein Zaun scheidet hier als Schutzmaßnahme aus. Ebenso ist bei regem Fußgängerverkehr eine Videokamera für den Außenbereich ungeeignet, weil sich eine Gefahr schlecht identifizieren lässt. Vorrangig ist in dem Fall ein Schutz des Gebäudes, zum Beispiel durch eine Einbruchmeldeanlage", sagt Friedlmeier.

Für 70 bis 80 Prozent der Unternehmen sieht der Fachmann die Einbruchmeldeanlage als erstes Mittel der Wahl, um sich zu schützen.

Beim Thema Videoüberwachung weist Friedlmeier auf die hohen datenschutzrechtlichen Hürden hin, die sich im Zuge der neuen europäischen Datenschutz-Grund­verordnung noch einmal verschärft haben. "Wann und wo gefilmt und gegebenenfalls aufgezeichnet wer­den darf, sollte im Vorfeld am besten mit einem Rechtsexperten genau geklärt werden", empfiehlt Friedl­meier. Dabei gehe um die Rechte der Mitarbeiter einerseits, aber auch um diejenigen von Firmenfremden, die zum Beispiel bei der Installation von Kameras an belebten Standorten betroffen sein könnten.

Digitalisierung bringt viele neue Möglichkeiten

Neben den klassischen Sicherheitssystemen kommen im Zuge der Digitalisierung immer neue Techniken auf den Markt. "Inzwischen gibt es für fast alles einen Sensor, der etwas überwachen kann", erklärt Friedlmeier.

Im Trend liegen etwa n eue Zutrittssysteme. Neben den mechanischen Schließmechanismen finden vermehrt Transpondertechnik, Fingerabdrucksensoren und Tastaturen mit Codeeingabe Verwendung. Eine besonders sichere Variante sind so genannte Handvenen-Scanner. Diese zeichnen den Verlauf der Venen und Blutgefäße in der Hand auf und scannen sie mit einer Wärmebildkamera ab.

Für kleinere Betriebe hält Friedlmeier solche Hightechspielzeuge für übertrieben. Gänzlich auf Schutzmaßnahmen zu verzichten und darauf zu hoffen, dass der eigene Betrieb von Kriminellen verschont bleibt, ist aus Sicht von Friedlmeier jedoch keine Option. "Mancher Betrieb hat sich in der Vergangenheit über ­Sicherheitstechnik zu wenig Gedanken gemacht, weil er davon ausging, dass die Sicherheit am Standort Deutschland ohnehin gewährleistet ist", sagt Friedlmeier.

Deshalb hinken deutsche Unternehmen nach seiner Einschätzung im internationalen Vergleich hinterher. Es sei weitere Aufklärungsarbeit der Politik erforderlich, um die Betriebe noch stärker für das Thema zu sensibilisieren.