Tipps für väterfreundliche Betriebe Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Väter besser unterstützen

Nicht nur Müttern, sondern auch Vätern ist die Zeit mit der Familie wichtig. Für sie ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht immer einfach. Welche staatliche Unterstützung es für Väter gibt und wie Arbeitgeber ihren Vätern im Betrieb helfen können, lesen Sie hier.

Nicht nur Mütter, sonder auch Väter wollen Familie und Beruf besser vereinbaren. - © Foto: istock

In den meisten Familien sind beide Elternteile erwerbstätig. 60 Prozent befürworten ein Modell, bei dem beide Partner in ähnlichem Umfang arbeiten und sich gemeinsam um Haushalt und Familie kümmern. Aber nur 14 Prozent der Elternpaare setzen diese Aufteilung auch in die Tat um. Insbesondere Väter möchten neben ihrem Beruf mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Dabei fehlt es ihnen aber oft noch an Unterstützung im Betrieb. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Kinder hat in einem neuen Leitfaden Tipps für Betriebe zusammengestellt, die eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern wollen.

Was wünschen sich Väter von ihren Arbeitgebern?

Ein Großteil der Väter findet laut einer Studie der Väter gGmbH, dass Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu sehr auf Frauen ausgerichtet sind. Vor allem alleinerziehende oder geschiedene Väter stehen vor besonderen Herausforderungen. Sie wünschen sich Flexibilität und unterstützende Rahmenbedingungen von ihrem Arbeitgeber.

Eine Forsa-Studie zum Thema "Väter in Deutschland" hat 2013 herausgefunden, dass die Mehrheit der Väter nach eigener Einschätzung nicht genug Zeit mit ihren Kindern verbringt. Mit einer familienbewussten Betriebskultur können also auch besonders männliche Fachkräfte angesprochen werden. 90 Prozent aller Eltern zwischen 25 und 29 Jahren ist Familienfreundlichkeit bei der Arbeitgeberwahl mindestens so wichtig wie das Gehalt.

Wie können Väter Familie und Beruf besser vereinbaren?

Finanzielle Unterstützung

Elterngeld Plus

Das ändert sich für Eltern: Das Elterngeld Plus ist eine Weiterentwicklung des Elterngeldes und tritt ab dem 1. Juli 2015 in Kraft. Bislang können Eltern zwar Teilzeitarbeit und Elterngeld kombinieren, allerdings verlieren sie dann nach der bisherigen Regelung einen Teil ihres Elterngeldanspruches. Das ändert sich nun: Arbeiten Eltern während des Elterngeldbezugs in Teilzeit, können Sie den Bezug des Elterngelds auf die doppelte Zeit strecken. Zusätzlich soll ein Partnerschaftsbonus eingeführt werden. Wenn beide Eltern für mindestens vier Monate pro Woche 25 bis 30 Stunden parallel arbeiten, erhält jeder Elternteil zusätzlich vier Monate Elterngeld Plus. Auch Alleinerziehende haben Anspruch auf das Elterngeld Plus.

Das ändert sich für Betriebe: Bis zum dritten Geburtstag eines Kindes können Eltern nach wie vor eine unbezahlte Auszeit vom Job nehmen. Künftig können jedoch 24 Monate statt bisher zwölf zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag des Kindes genommen werden. Die Elternzeit muss 13 Wochen vorher angemeldet werden, die Elternzeit vor dem dritten Geburtstag nach wie vor sieben Wochen vorher.

Kinderbetreuung

Betriebe, die keine Kita einrichten wollen oder können, aber die Eltern trotzdem unterstützen möchten, können bei der Finanzierung der Kinderbetreuung helfen. Dabei können beide Seiten profitieren. Im Gegensatz zu einer Lohnerhöhung sind Zuschüsse zur Kinderbetreuung nach § 3 Nr. 33 Einkommenssteuergesetz steuer- und sozialversicherungsfrei. Dafür müssen jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Unter anderem dürfen die Kinder noch nicht schulpflichtig sein.

Weitere Informationen für Betriebe, die sich näher über betriebliche Kinderbetreuung informieren möchten, gibt es bei den Förderlotsen, in dem Leitfaden "Unternehmen Kinderbetreuung" und bei den lokalen Bündnissen für Familie .

So können Arbeitgeber helfen

Väter bevorzugen flexible, vollzeitnahe Modelle mit 30 bis 35 Stunden pro Woche. Außerdem würden viele Väter in Führungspositionen gerne in Teilzeit arbeiten, jedoch nur unter der Bedingung, dass ihre Karriere dadurch keinen Knick bekommt. "Wochenend-Papas" kann man als Arbeitgeber dadurch unterstützen, indem man feste freie Tage am Anfang oder Ender der Woche anbietet oder auch Arbeit von zu Hause ermöglicht.

Checkliste: Richtige Rahmenbedingungen schaffen

  • festgelegte Familienzeit: Schaffen Sie Leitlinien zur Erreichbarkeit. Legen Sie bestimmte Zeiten fest, zu denen Beschäftigte nicht erreichbar sein müssen (z.B. nach 18 Uhr oder amWochenende)
  • verlässliche Besprechungszeiten: Vereinbaren Sie Besprechungstermine nur in definierten Kernzeiten.
  • Ergebnis- statt Präsenzkultur: stellen Sie Ergebnisse in den Mittelpunkt.
  • Eigenverantwortung als Standard: schaffen Sie Freiraum für eine flexible und individuelle Umsetzung der Arbeit. Es genügt, wenn Sie Zwischenergebnisse und Endprodukte kontrollieren.

Arbeitszeitmodelle

  • Gleitzeit: Arbeitnehmer können die Dauer der Arbeit innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen frei wählen.
  • Teilzeit-plus-Modelle: Arbeitnehmer arbeiten rund 80 Prozent der Vollzeitarbeitszeit. Sie können entweder die tägliche Arbeitszeit reduzieren oder freie Tage mit Tagen kombinieren, an denen sie Vollzeit arbeiten.
  • Teilzeit mit Jobsharing: Zwei Arbeitnehmer teilen sich eine Position. Voraussetzung sind ähnliche Qualifikationen und unterschiedliche Arbeitszeiten.
  • Arbeitszeitkonten: In Zeiten hoher Arbeitsbelastung werden die Stundenkonten gefüllt und Eltern können diese Stunden später wieder abbauen und Zeit mit ihrer Familie verbringen.
  • flexible Arbeitszeit in Verbindung mit flexiblem Arbeitsort: Arbeitnehmer können flexible Arbeitszeiten nutzen und auch von zu Hause aus arbeiten.

Checkliste: Fünf Schritte zum väterfreundlichen Unternehmen

  1. Bestandsaufnahme machen: welchen Stellenwert hat Familie und Beruf in dem Unternehmen?
  2. Möglichkeiten Identifizieren: Was ist machbar und was wünschen sich die Väter?
  3. passgenaue Maßnahmen initiieren: individuelle Modelle mit flexibler Arbeitszeit und praktischen Unterstützungsangeboten einführen.
  4. glaubwürdig kommunizieren: Unternehmen sollten die elternfreundliche Kultur auch nach außen Kommunizieren, auf der Internetseite oder dafür einen Ansprechpartner ernennen.
  5. Erfolge nachhaltig sichern: regelmäßig bei den Vätern nachfragen, ob die Maßnahmen passen. Es lohnt sich auch mal bei anderen Betrieben nach neuen Ideen zu schauen. jb

Fallbeispiel

Bei der Holzmanufaktur Rottweil ist eine aktive Vaterschaft schon seit mehreren Jahren fester Bestandteil der Unternehmenskultur. Martin Viereck, Projektleiter und zweifacher Vater, war einer der ersten, der flexible Arbeitszeiten gemeinsam mit seinem Arbeitgeber realisierte. Er hat seine Arbeitszeit auf 25 Stunden reduziert und seine Aufgaben neu strukturiert. Anstatt auf Baustellen zu fahren, arbeitet er nun als technischer Projektleiter im Betrieb. In der Regel ist er vier Tage die Woche im Betrieb. Er hat Kernarbeitszeiten und Arbeitszeit, die er flexibel gestalten kann.