Kompromiss in Straßburg Veggie-Wurst bleibt, aber kein "Veggie-Hühnchen" mehr

Das EU-Parlament hat entschieden: Pflanzliche Alternativen dürfen weiter Burger, Schnitzel oder Wurst heißen. Bezeichnungen wie Hühnchen, Speck oder Rippchen sollen aber von veganen Produkten verschwinden.

Pflanzliche Wurstalternativen dürfen in der EU weiterhin als Veggie- oder Tofu-Wurst bezeichnet werden. - © Alesia Berlezova - stock.adobe.com

Vegetarische und vegane Produkte dürfen in der EU weiterhin als "Veggie-Burger", "Soja-Schnitzel" oder "Tofu-Wurst" verkauft werden. Verboten werden sollen dagegen Begriffe, die sich direkt auf Tierarten oder Fleischteilstücke beziehen – etwa Hühnchen, Rindfleisch, Speck, Leber, Kotelett oder Rippchen. Das hat das Europaparlament in Straßburg mit 560 Ja-Stimmen, 75 Nein-Stimmen und 25 Enthaltungen beschlossen.

Worüber das Parlament abgestimmt hat

Die Abgeordneten bestätigten damit einen Kompromiss, den sie Anfang März mit Vertretern der EU-Staaten ausgehandelt hatten. Ursprünglich hatten Teile des Parlaments im vergangenen Jahr ein weitreichendes Verbot ins Spiel gebracht: Auch Begriffe wie "Steak", "Schnitzel", "Burger" und "Wurst" sollten ausschließlich für tierische Produkte reserviert sein. Begründet wurde der Vorstoß mit dem Schutz von Verbrauchern und Landwirten. Dagegen gab es viel Kritik, unter anderem aus Deutschland.

Was künftig tabu ist

Fleischtypische Bezeichnungen bleiben für pflanzliche Alternativen also grundsätzlich erlaubt. Tabu sind aber konkrete Tier- und Teilstückbezeichnungen – auch für Produkte aus dem Labor oder zellbasierte Erzeugnisse. Fleisch wird als "genießbare Teile von Tieren" definiert.

Bundesernährungsminister Alois Rainer (CSU) sieht den Kompromiss zwiespältig. "Die Verbraucher sind schlau und mündig. Sie wissen längst, dass im Veggie-Schnitzel kein Fleisch ist", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Zur Liste der verbotenen Begriffe äußerte er sich kritisch: "Wir hätten uns gewünscht, dass diesbezüglich gar keine Neuregelung kommt." Für die Branche bedeute das unnötigen Mehraufwand.

Veggie-Markt zuletzt ohne Wachstum

Zuletzt war die Produktion von Fleischersatzprodukten in Deutschland erstmals seit Jahren leicht zurückgegangen – um 1,2 Prozent auf 124.900 Tonnen, wie das Statistische Bundesamt im Mai mitteilte. Zuvor hatte sich die Menge binnen sechs Jahren mehr als verdoppelt. Der Fleischkonsum dagegen stieg zuletzt wieder leicht an: auf 54,9 Kilogramm pro Kopf im Jahr 2025, nach 53,5 Kilogramm im Vorjahr.

Gemessen am Fleischmarkt bleibt die Veggie-Sparte eine Nische: 2025 produzierten deutsche Hersteller Fleisch und Fleischwaren im Wert von 45,2 Milliarden Euro – rund 70-mal so viel wie Fleischersatzprodukte mit 632,6 Millionen Euro.

Für die Veggie-Hersteller selbst dürften die neuen Kennzeichnungsregeln spürbar werden. Ein Vertreter des Lobby- und Branchenverbands BALPro schätzte die Kosten für den deutschen Markt im März auf bis zu 250 Millionen Euro. Vertreter der Veggiebranche kündigten zudem an, rechtliche Schritte zu prüfen.

Bevor die Regeln gelten, müssen die Mitgliedstaaten noch formell zustimmen. Sie sind bis Ende des kommenden Jahres befristet – danach steht ohnehin eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU an, in deren Zuge die Debatte um Burger und Schnitzel erneut aufkommen dürfte. dpa/fre