Die deutsche Wirtschaft nimmt Fahrt auf. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Februar überraschend stark. Fast alle Branchen bewerten sowohl ihre aktuellen Geschäfte gut, das Bauhauptgewerbe bewertete die Aussichten so gut wie noch nie seit der Wiedervereinigung.

Der Index des Münchener Ifo-Instituts gilt als der wichtigste Frühindikator für die Konjunktur. Er ist im Februar um mehr als drei Punkte auf einen Wert von auf 107,4 gestiegen. Das sei der stärkste Anstieg seit Juli 2010, teilt der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, zu den Ergebnissen mit. Der Indikator stieg damit den vierten Monat in Folge und erreichte den höchsten Stand seit zehn Monaten.
Baugewerbe mit guten Aussichten
Fast alle Branchen bewerten sowohl ihre aktuellen Geschäfte als auch die Erwartungen für das kommende halbe Jahr besser, erläuterte der Ifo-Präsident Sinn. Besonders deutlich war das Plus in der Industrie, dem Schwergewicht der deutschen Wirtschaft. Die Exporterwartungen stiegen weiter. Der Wert liegt nun über dem langfristigen Durchschnitt.
Aber auch im Baugewerbe und im Großhandel gab es ein Plus. Die Bauunternehmer bewerteten ihre Geschäftsaussichten so gut wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Lediglich die befragten Einzelhändler rechnen in der nahen Zukunft mit geringeren Umsätzen als noch im Januar. Das aktuelle Geschäft beurteilten aber auch sie besser.
Die Dienstleistungsbranche setzt dagegen auf die zu erwartenden Umsätze, denn die aktuelle Geschäftslage zeigt sich hier noch ein wenig verhalten. So nahm die Zufriedenheit mit den derzeitigen Geschäften etwas ab, doch der Indikator für die Entwicklung im Dienstleistungsgewerbe stieg im Februar das dritte Mal in Folge.
Hans-Werner Sinn"Während die Zufriedenheit mit der aktuellen Geschäftslage etwas abnahm, zeigten sich die befragten Dienstleister deutlich optimistischer bezüglich des zukünftigen Geschäftsverlaufs", sagte Sinn.
Wirtschaft nicht zu stoppen
"Nichts scheint den Optimismus der deutschen Wirtschaft stoppen zu können", sagte Carsten Brzeski, Ökonom der Bank ING Belgium. "Während andere Länder der Eurozone stöhnen unter der Last von Reformen, Entbehrung und Rezession, spielt Deutschland weiter in einer eigenen Liga."
Das Ifo-Institut befragt monatlich etwa 7.000 Unternehmen nach ihrer aktuellen Situation und den Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate.
Zuletzt hatten auch die Finanzmarktexperten die Aussichten der deutschen Wirtschaft nochmals besser beurteilt. Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ermittelte ZEW-Index für die Konjunkturerwartungen stieg im Februar zum dritten Mal in Folge. Mit 48,2 Punkten steht er auf dem höchsten Wert seit April 2010. dhz/dapd
