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So bekommen Sie den Umweltbonus Elektro- und Hybridautos: Die Kaufprämie steigt

Die Kaufprämie für Elektroautos sollte eigentlich im Juni 2019 auslaufen. Dann wurde sie verlängert und nun wird sie aufgestockt. So bekommen Sie den Umweltbonus.

Die Zahlen sind eindeutig: Seit dem Start der Kaufprämie für Elektroautos – dem sogenannten Umweltbonus – Mitte 2016 wurden nur rund 141.000 Anträge gestellt. Von den 600 Millionen Euro an Bundesmitteln, die für Privatpersonen, Unternehmen und Vereine zur Verfügung stehen und der selben Summe, die die Hersteller als Kaufanreiz bieten, wurde noch immer nicht alles abgerufen. Hatte die Bundesregierung erst Mitte des Jahres entschieden, den Förderzeitraum zu verlängern, so geht sie nun noch weitere Schritte und stockt die Prämie für jeden einzelnen Fahrzeugkäufer auf. Das sind die Ergebnisse des Autogipfels, eines Spitzentreffens im Kanzeleramt mit der Automobilindustrie.

Änderungen in der aktuellen Förderrichtlinie sollen schon im November 2019 in Kraft treten. Sie sichern Diese die Auszahlung des Umweltbonus – entweder bis der Fördertopf leer ist oder bis maximal 31. Dezember 2025. Eigentlich war ein Ende der Förderung für 31. Dezmber 2020 angesetzt.

So steigt der Umweltbonus noch im November 2019

Den Umweltbonus finanzieren Bundesregierung und die Autoindustrie je zur 50 Prozent. Beim Kauf eines reinen Batterieautos gibt das Förderprogramm bisher einen Zuschuss von 4.000 Euro, für Hybridautos 3.000 Euro. Die Bundesregierung teilte nach dem gestrigen Treffen nun allerdings mit, die Kaufprämie solle noch im November verlängert und erhöht werden – und zwar um 50 Prozent bei E-Fahrzeugen bis zu einem Nettolistenpreis von 40.000 Euro und um 25 Prozent bei teureren Fahrzeugen bis zu einer Grenze von 65.000 Euro. Die Industrie werde sich weiterhin paritätisch an den Kosten für den Zuschuss beteiligen, hieß es.

Konkret soll die Prämie damit für rein elektrische Autos unterhalb eines Listenpreises von 40.000 Euro von derzeit 4.000 Euro auf 6.000 Euro steigen. Für Autos mit einem Listenpreis über 40.000 Euro soll der Zuschuss künftig bei 5.000 Euro liegen. Auch für Plug-in-Hybride soll der Zuschuss steigen. Nach Angaben von Bernhard Mattes, dem Präsidenten des Verbands der Automobilindustrie, soll der Umweltbonus künftig auch für sogenannte junge Gebrauchte bereit stehen, die bislang nicht gefördert wurden.

Mit höheren Kaufprämien für E-Autos wollen Politik und Autoindustrie die Elektromobilität in Deutschland endlich stärker voranbringen. Weitere rund 650.000 bis 700.000 Elektrofahrzeuge zu fördern, ist das Ziel der Bundesregierung. "Wir brauchen jetzt die Massenwirksamkeit der Mobilität von morgen", sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nach dem Autogipfel. Die Autohersteller kündigten an, in den kommenden Monaten und Jahren zahlreiche neue E-Autos auf den Markt zu bringen. Um Klimaziele 2030 zu schaffen, sind bis dahin sieben bis zehn Millionen E-Autos in Deutschland notwendig, wie aus einem "Masterplan Ladeinfrastruktur" der Bundesregierung hervorgeht.

50.000 neue öffentliche Ladepunkte

In den nächsten zwei Jahren sollen außerdem zusätzlich 50.000 öffentliche Ladepunkte errichtet werden, davon übernimmt die Industrie 15.000. Derzeit gibt es rund 21.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte – vor allem auf dem Land muss man derzeit oft lange suchen. Die Bundesregierung hatte angekündigt, bis 2030 eine Million öffentliche Ladepunkte zu schaffen. Der Bund will in den nächsten Jahren mehr als drei Milliarden Euro in den Ausbau der Ladeinfrastruktur investieren. Zudem soll der Bau privater Ladepunkte stärker gefördert werden. Im Miet- und Wohnungseigentumsrecht soll es Erleichterungen geben.

Die Zahl der Neuzulassungen von E-Autos ist in den vergangenen Monaten zwar etwas gestiegen, verbleibt aber dennoch immer noch auf niedrigem Niveau. So machten im Oktober 2019 elektrisch betriebene Pkw bei den Neuzulassungen nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts einen Anteil von 1,7 Prozent aus und Fahrzeuge mit Hybridantrieb 9,3 Prozent (darunter Plug-in-Hybride mit 2,4 Prozent). Allerdings zeigten die Pkw mit reinem E-Motor einen Zuwachs von 46,9 Prozent und Hybride von sogar 138,6 Prozent. Dennoch sind noch immer benzinbetriebene Pkw mit 57,7 Prozent die am häufigsten gewählte Antriebsart. Diesel liegen bei 30,9 Prozent.

Bei den Förderanträgen an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) wurden bisher zwei Drittel für reine Batteriefahrzeuge gestellt, der Rest für Hybrid-Fahrzeuge. Der größere Teil der Anträge stammt von Unternehmen.

So viele Kaufprämien wurden bis 30. September 2019 beantragt

Bauart Anzahl der Anträge
reine Batterieelektrofahrzeuge 94.144
Plug-In Hybride 47.187
Brennstoffzellenfahrzeuge 96
Gesamt 141.427

Die Kaufprämie für E-Autos im Überblick

Umstiegswillige Autofahrer können seit dem 2. Juli 2016 an die Kaufprämie für Elektroautos – den "Umweltbonus" – beantragen. Die Förderung gilt rückwirkend für E-Autos, die seit dem 18. Mai 2016 gekauft wurden. Anträge beim zuständigen Bundesamt Bafa können Bürger, Firmen, Stiftungen, Körperschaften und Vereine stellen, auf die ein Neufahrzeug zugelassen wird. Hier geht es zum Online-Portal für den Umweltbonus .

Wie hoch ist die Kaufprämie?  

Für reine Elektrofahrzeuge mit Batterie gibt es derzeit 4.000 Euro "Umweltbonus", davon je 2.000 Euro vom Bund und 2.000 Euro vom Hersteller. Bei Hybridautos, die per Stecker geladen werden und einen ergänzenden Verbrennungsmotor haben, sind es 3.000 Euro (1.500 Euro Staat/1.500 Euro Hersteller). Doch diese Prämie steigt zeitnah an - je nach Kaufpreis des Fahrzeugs. Konkret soll sie für rein elektrische Autos unterhalb eines Listenpreises von 40.000 Euro von derzeit 4.000 Euro auf 6.000 Euro steigen. Für Autos mit einem Listenpreis über 40.000 Euro soll der Zuschuss künftig bei 5.000 Euro liegen.

Die Kosten teilen sich der Bund und die Hersteller weiterhin jeweils zur Hälfte. Prämien sind allerdings nur für Modelle mit einem Listenpreis von maximal 60.000 Euro für ein Basismodell möglich. Ausgeschlossen von der Kaufprämie sind also hochpreisige Elektroautos.

Wo kann man einen Antrag auf die Kaufprämie für E-Autos stellen?  

Wie 2009 bei der "Abwrackprämie" beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Eschborn bei Frankfurt - allerdings nur online in einem Internet-Portal. Dort werden auch alle Fahrzeugmodelle der verschiedenen Hersteller aufgeführt, für die die Prämie gilt. Infos gibt es auch unter dieser Telefonnummer des Bafa: 06196 908-1009.

Wer kann den Umweltbonus beantragen?  

Anträge dürfen Privatpersonen, Firmen, Stiftungen, Körperschaften und Vereine stellen. Das E-Fahrzeug darf aber erst nach dem 18. Mai 2016 gekauft worden sein. Käufer müssen das neue E-Auto mindestens neun Monate behalten, das gilt auch für Leasing.

Was muss ich beachten, welche Unterlagen sind nötig?

Wer die Prämie bekommen will, muss eine Rechnungskopie vom Autohändler sowie den Zulassungsnachweis auf den Antragsteller (Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief) vorlegen. Dafür hat man einen Monat Zeit nach Eingang des Antrags beim Bafa. Achtung: Um den Bonus vom Staat zu bekommen, muss auf der Rechnung vom Autohändler stehen, dass der Hersteller eine Prämie in selber Höhe vom Netto-Kaufpreis bereits abgezogen hat.

Welche Hersteller machen bei den Kaufprämien mit?  

Die deutschen Autobauer wie Volkswagen, Daimler und BMW sind dabei, aber auch viele ausländische Hersteller ziehen mit. So beteiligen sich nach Angaben ihres Branchenverbandes VDIK Citroen, Hyundai, Kia, Mitsubishi, Nissan, Peugeot, Renault, Toyota und Volvo. Einzelne Anbieter wollen sogar auf die Prämien noch einen Zuschlag drauflegen, um E-Auto-Kunden anzulocken.

Diese Elektroautos werden am häufigsten mit Umweltbonus gekauft: Die Top 10 der Anträge je Hersteller

Hersteller Anzahl der Anträge
BMW 22.965
Renault 18.706
smart 15.423
Volkswagen 15.403
Mitshubishi 10.159
Tesla 9.113
Hyundai 8.811
Streetscooter 8.371
Kia 6.770
Audi 6.565

Quelle: BAFA (Antragstand vom 30. September 2019)

Wie lange gilt der Umweltbonus?  

Für die Prämien gilt das Windhundprinzip. Beantragt werden kann das Geld bis der Topf leer ist – bis längstens bis Ende 2025. So die neuen Pläne.

Was sagen Verbraucher und Handwerk zur Kaufprämie für E-Fahrzeuge?

Steigert die Kaufprämie wirklich den Absatz von Elektroautos in Deutschland? Nein, dieser Schluss lässt sich bisher aus den Verbraucherbefragungen ziehen. Laut einer repräsentativen GfK-Umfrage aus dem vergangenen Jahr "ist die Kaufprämie für Elektroautos für die Verbraucher kein Thema." Nur für jeden siebten Bundesbürger kommt beim nächsten Pkw-Kauf ein E-Auto in Frage. Die Gründe für das geringe Kaufinteresse sind vielfältig.

Der hohe Anschaffungspreis, die geringe Reichweite und fehlende Ladestationen bleiben dabei die maßgeblichen Argumente, derzeit kein Elektroauto zu kaufen. Daran ändert auch die Kaufprämie nichts. Die geringe Reichweite der Fahrzeuge schrecken 56 Prozent der Befragten ab, gut die Hälfte moniert fehlende Ladestationen und lange Ladezeiten. Eine Ladestation zu Hause wünschen sich demnach drei Viertel der Befragten, ein Aufladen an der Arbeitsstelle könnten sich 37 Prozent vorstellen. Dafür würden auch längere Ladezeiten akzeptiert. Für 46 Prozent der Befragten ist es wichtig, das E-Auto auch schnell an der Tankstelle laden zu können.

Die Kaufprämie stößt auch im Handwerk nicht auf eine klare Zustimmung. "Eine Kaufprämie für Elektroautos ist nicht der richtige Weg, um Elektrofahrzeugen eine breitenwirksame Marktperspektive zu geben. Das kann nur gelingen, wenn die Angebote den tatsächlichen Mobilitätsanforderungen entsprechen und wirtschaftlich tragfähig sind", sagte Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) bisalng zur E-Fahrzeugeförderung der vergangenen Jahre. Da weiterhin ein großer Entwicklungs- und Handlungsbedarf bei den E-Autos bestehe, könnten diese beiden Engpassfaktoren nicht durch eine Kaufprämie für Elektrofahrzeuge überbrückt werden, so Schwannecke weiter. dhz/ dpa

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