InfoStream -

Mehrwertsteuersenkung Umsatzsteuersatz: Was bei Teilleistungen zu beachten ist

Die geplante Mehrwertsteuersenkung kann für Unternehmer viel Stress bedeuten. Nicht nur, dass die Buchhaltung und die Rechnungsstellung in Rekordzeit umgestellt werden muss. Auch Kunden, die von den geringeren Umsatzsteuersätzen profitieren möchten, tragen dazu bei. Aber was ist bei Teilleistungen zu beachten.

Kundenwünsche mit Vereinbarung von Teilleistungen erfüllbar

Privatkunden, die die wahren Zahler der Umsatzsteuer sind, möchten die Erledigung ihrer in Auftrag gegebenen Handwerksleistungen natürlich im Zeitfenster zwischen dem 1. Juli 2020 und dem 31. Dezember 2020 abgewickelt wissen. Denn schließlich sparen sie sich dadurch 3 Prozent Ausgaben – vorausgesetzt natürlich, dass Unternehmer die Mehrwertsteuersenkung eins zu eins an den Kunden weitergeben.

Bei größeren Bauvorhaben, die sich über mehrere Monate hinziehen, kann der geringere Umsatzsteuersatz durch die Vereinbarung von Teilleistungen erreicht werden.

Beispiel: Ein Kunde beauftragt bei einem Bauunternehmer die Erstellung eines schlüsselfertigen Hauses. Die Arbeiten haben im Mai 2020 begonnen und werden voraussichtlich im Mai 2021 beendet sein. Auftragsvolumen netto 300.000 Euro. Folge: Bei Beendigung und Abnahme der Bauarbeiten würden zu den 300.000 Euro für den Kunden noch 57.000 Euro Umsatzsteuer kommen (Umsatzsteuersatz 19 Prozent).

Alternative: Vereinbaren der Kunde und der Bauunternehmer die Erbringung, Abrechnung und Abnahme von Bauleistungen, können in der Zeit vom 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020 Teilleistungen im Volumen von 200.000 Euro abgerechnet werden. Folge: Für die Teilleistungen im zweiten Halbjahr würden nur 16 Prozent Umsatzsteuer fällig werden, also 32.000 Euro. Für die Teilleistungen von 100.000 Euro in 2021 dann wieder 19 Prozent Umsatzsteuer, also 19.000 Euro. Unter dem Strich hat sich der Kunde durch die Vereinbarung von Teilleistungen immerhin 6.000 Euro Umsatzsteuer gespart.

Vorsicht bei Vereinbarung von Teilleistungen

Doch aufgepasst. Das Finanzamt wird sich Jahre später bei Betriebs- oder Umsatzsteuerprüfungen sicherlich brennend dafür interessieren, ob tatsächlich Teilleistungen vorlagen oder ob nur aus Gefälligkeit Teilleistungen vereinbart wurden. Wurden Gefälligkeitsrechnungen gestellt, obwohl keine Teilleistungen vorlagen, wird das Finanzamt Bauhandwerker zur Kasse bitten und die zu wenig ausgewiesene Umsatzsteuer nachfordern.

In einem Entwurf eines Schreibens zur Mehrwertsteuersenkung des Bundesfinanzministeriums vom 12. Juni 2020 finden sich Hinweise, welche Kriterien bei Abrechnungen von Teilleistungen erfüllt sein müssen (Entwurf abrufbar hier, ab Randziffer 20).

Teilleistungen werden danach umsatzsteuerlich anerkannt, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Es muss sich um einen wirtschaftlich abgrenzbaren Teil einer Werklieferung oder einer Werkleistung handeln.
  • Der Leistungsteil muss, wenn er Teil einer Werklieferung ist, abgenommen werden. Bei einer Teilleistung muss der Teil nachweislich vollende oder beendet werden.
  • Es muss vor dem 1. Juli 2020 vereinbart werden, dass für Teile einer Werklieferung oder Werkleistung entsprechende Teilentgelte zu zahlen sind.

Praxis-Tipp: Um umsatzsteuerlich auf Nummer Sicher zu gehen, sollten Sie bei Vereinbarung von Teilleistungen mit Privatkunden im Zeitraum vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020 vorab den Kontakt zu Ihrem Steuerberater suchen. Dieser kann bestimmen, ob tatsächlich Teilleistungen vorliegen. Die Vereinbarung sollte bei bereits laufenden Verträgen dann so schnell wie möglich – vor dem 1. Juli 2020 – vereinbart werden.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten