Geschäftsklima 2012 Umsätze gesunken, Handwerk bleibt trotzdem zufrieden

Im Handwerk war das Geschäftsklima 2012 weiterhin freundlich. Im Jahresschnitt sank der Index, der im Rahmen von Konjunkturumfragen der Handwerkskammern ermittelt wird, nur um einen Punkt auf 86 Prozent. Während also die Stimmung in der Industrie durch die Schuldenkrise erheblich gedämpft wurde, blieb das Handwerk gelassen. Handwerksbetriebe profitieren derzeit von mehreren Faktoren.

Das Geschäftsklima im Handwerk war auch in diesem Jahr erfreulich, auch wenn die Umsätze gesunken sind. - © Stauke/Fotolia

Ausschlaggebend dafür waren die zunehmende Beschäftigung und die steigenden Einkommen, die nicht nur den Konsum, sondern auch den Wohnungsbau stützten. Darüber hinaus schufen die historisch niedrigen Zinsen beste Voraussetzungen für Investitionen.

Ein weiterer wichtiger Punkt auf der Habenseite: Der Umbau der Energieversorgung in Deutschland schreitet voran, und das Handwerk ist ein Motor der Entwicklung. Schon 2011 wurde in jedem dritten Neubau eine Heizung mit regenerativer Energie verbaut. Aber auch die Branchen außerhalb der Bauwirtschaft hatten im ablaufenden Jahr gut zu tun. Enttäuschung über den Geschäftsverlauf machte sich lediglich im Kraftfahrzeuggewerbe breit.

Fachkräfte werden gebraucht

In der ersten Hälfte des Jahres war die Beschäftigung aufwärtsgerichtet. Dabei löste die hohe Auslastung bei guter Auftragslage in vielen Betrieben den Wunsch nach zusätzlichem Personal aus. Letztlich konnten im Quartalsdurchschnitt aber jeweils nur zwölf Prozent neue Mitarbeiter einstellen.

Nach Umfragen von Creditreform hatten fast 40 Prozent der Mittelständler Probleme bei der Besetzung offener Stellen. Besonders häufig scheiterte die Suche nach Facharbeitern, wobei die Lage im Baugewerbe teils prekär war. Gemäß der Statistik der Arbeitsagenturen dehnte sich die mittlere Vakanzzeit einer Arbeitsstelle in dieser Branchengruppe zwischen 2010 und 2012 von 51 auf knapp 80 Tage aus.

Nachdem die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte nachgelassen hat, ist auch die Beschäftigung ins Minus gedreht. Im Mittel waren 2012 knapp 4,9 Millionen Personen in den beim Statistischen Bundesamt erfassten Handwerksfirmen aktiv. Der Vorjahresstand wurde knapp gehalten, wobei metallverarbeitende Gewerke sogar zulegten.

Starkes Plus zu Jahresbeginn

Nach der großen Kraftanstrengung im Jahr zuvor hatten viele Betriebe auch 2012 kaum Zeit zum Durchatmen. Nach vorläufigen Schätzungen der Deutschen Handwerks Zeitung haben sich die Umsätze gegenüber dem Rekordwert 2011 dennoch um zwei Prozent auf 494 Milliarden Euro verringert.

Die stärkste Dynamik entfaltete die Handwerkskonjunktur zu Jahresbeginn. Trotz der harten Frostperiode im Februar legten die Umsätze im ersten Quartal noch einmal zu. Im Anschluss wurde das extrem hohe Referenzniveau jedoch verfehlt. Verantwortlich dafür waren erlahmende Investitionen, weniger Autos und Maschinen wurden bestellt.

Die betroffenen Branchen sind echte Schwergewichte: Allein das Kraftfahrzeuggewerbe umfasst knapp ein Viertel des gesamten Handwerksumsatzes. Zudem geriet der öffentliche Bau stark unter Druck.

Gute Chancen auf Kredit

Die Investitionsbereitschaft war dieses Jahr so hoch wie 2011 und damit höher als in der Dekade zuvor. Im Quartalsdurchschnitt gaben jeweils 32 Prozent der Handwerksfirmen Geld für neue Ausrüstungsgüter oder Baumaßnahmen im eigenen Betrieb aus. Speziell umsatzstarke Unternehmen besserten das Investitionsbudget auf, um ihre Marktposition weiter auszubauen.

Nach eigenen Berechnungen lag die Gesamtsumme bei 13,7 Milliarden Euro ein Prozent mehr als 2011. Vermehrt wurde auf interne Finanzmittel zurückgegriffen. Dabei waren die Konditionen für die Finanzierung über Fremdmittel durchaus günstig. In der KfW-Verbändeumfrage berichteten Handwerksbetriebe von verbesserten Kreditaufnahmemöglichkeiten. Allerdings verlangten die Banken mehr Sicherheiten.

Der Mittelstand ist gestärkt aus der letzten Rezession hervorgegangen. Im Zuge der Erholung hat sich seine Eigenkapitalbasis weiter gefestigt. Im ablaufenden Jahr gab es laut Creditreform allerdings einen Dämpfer: Nur 23 Prozent der Betriebe konnten die Ertragslage verbessern; per saldo überwogen die Meldungen über Gewinneinbußen (25 Prozent).

Dabei registrierte das Baugewerbe noch relativ viele Unternehmen mit steigenden Gewinnen. Ein plausibles Ergebnis, denn dank hoher Nachfrage legten die Baupreise 2012 vergleichsweise kräftig zu.

Für das Handwerk in Gänze gibt es keine Untersuchungen zur Ertragsentwicklung. Aus den Rahmendaten lässt sich ein gemischtes Fazit ziehen. Einerseits wurden quer über alle Branchen die Preise für Leistungen und Produkte um gut zwei Prozent angehoben, also ähnlich wie 2011. Andererseits ließ der Druck auf der Kostenseite kaum nach.

Während die Erzeugerpreise für Holz und Metallerzeugnisse zuletzt niedriger notierten oder nur wenig höher als im Jahr zuvor, gehörten Strom, Mineralölprodukte und Fleisch zu den Preistreibern. Und auch die Löhne für Facharbeiter zogen nochmals deutlich an.

Eine Million Betriebe

Der Betriebsbestand, der neben den in der amtlichen Statistik erfassten Handwerksunternehmen auch die handwerksähnlichen Gewerbe sowie die Kleinstunternehmen aller Verzeichnisse enthält, dürfte im ablaufenden Jahr lediglich um ein halbes Prozent zugelegt haben.

Dabei ließ die Dynamik der Gründungen in den zulassungspflichtigen Gewerken spürbar nach. Hauptgrund dafür waren die ausgezeichneten Beschäftigungsmöglichkeiten. Zum 31. Dezember waren gut eine Million Betriebe aktiv. we/los