TV-Kritik: "Ausgerechnet: Bestattung" Eigene Bestattung planen: Über den Wert einer Handwerksleistung

Die eigene Beerdigung durchspielen, bis zur Trauerfeier, und das zu Lebzeiten: In einer ARD-Dokumentation hat ein Journalist genau das getan und dabei den Blick vor allem auf die Kosten geworfen. Nebenbei erfuhren die Zuschauer einiges über den Beruf des Bestatters. Prädikat: sehenswert.

Wie wird eigentlich ein Grab ausgehoben? Die ARD-Doku "Ausgerechnet: Bestattung" gab interessante Einblicke in das Bestatter-Handwerk. - © Screenshot/ARD Mediathek/"Ausgerechnet: Bestattung"

Grabkosten, ein Sarg, das Krematorium, die Dienstleistungen des Bestatters, ein Grabstein – obwohl das letzte Hemd sprichwörtlich keine Taschen hat, werden doch schnell mehrere Tausend Euro rund um eine Bestattung fällig. Abgeklärter handeln kann derjenige, der sich schon zu Lebzeiten um möglichst viele Details rund um die eigene Beerdigung gekümmert hat. Das war eine der zentralen Botschaften des ARD-Doku "Ausgerechnet: Bestattung", die sich vor allem um die finanziellen Aspekte der letzten Ruhestätte drehte.

Reporter plant und erlebt eigene Bestattung

Reporter Daniel Aßmann hatte sich als übergeordneten Rahmen der Reportage das Durchspielen der eigenen Beerdigung überlegt. Da dies als Lebender nicht funktioniert, ohne unschöne und vor allem unumkehrbare Tatsachen zu schaffen, war er bei einer Leichenwäsche dabei, im Krematorium – und am Ende auf einer Trauerfeier, bei der ein Bild von ihm vorne in der Halle stand. Eigene Erfahrungen zum Tod seiner Eltern und seines Großvaters ergänzten diesen emotionalen Part der Sendung. Hin und wieder war das ein wenig "drüber", aber diese Herangehensweise setzte letztlich einen stimmigen Rahmen.

Bestattungen: 22 Prozent im Sarg, 78 Prozent in der Urne

Zumal es der ARD gelang, immer wieder auch Einblicke in das Berufsleben der Bestatter zu geben. So besuchte Aßmann Bestatter in ihrer Ausbildung. Beispielsweise bei Übungen mit einem Bagger, um ein Grab auszuheben. Dabei kam auch das Thema der Bestattungsvorsorge zur Sprache. Logisch, dass die anwesenden Bestatter eine solche besitzen, denn an die 7.000 Euro kann eine Beerdigung je nach Art und Umfang schon mal kosten. In Süddeutschland ist sie zudem im Durchschnitt teurer als im Norden.

Bei einer Beratung in einer Bestattungsfirma war auch viel die Rede von "Paketen", die man buchen könne, aber auch von Einzel- und Zusatzleistungen. Es macht bereits einen Unterschied, ob man, wie 22 Prozent der Deutschen, eine Sarg-, oder wie 78 Prozent eine Urnenbeisetzung wünscht. Dazu kommen dann variable Kosten der Kommunen für die Grabstätte und die Friedhofsleistungen, eine mögliche Todesanzeige in der Zeitung oder aber – ganz modern – für eine Urnenbeisetzung in einem Wald an einem Baum. Dort wiederum kann man sich einen Platz unter einem Baum, potenziell auch mit Fremden, sichern. Oder gleich einen Baum kaufen, an dem die ganze Familie ihre letzte Ruhestätte finden kann. All das koordinieren die Bestatter. Und die tun noch einiges darüber hinaus.

Reporter Daniel Aßmann wohnt seiner eigenen Trauerfeier bei: ein sehr emotionaler Moment, nicht nur für den Zuschauer. - © Screenshot/ARD Mediathek/"Ausgerechnet: Bestattung"

Abwechslungsreiches Berufsbild

In einer anderen Szene arbeiteten sie beispielsweise an Särgen. So kleideten sie diese aus und schliffen beispielsweise Kanten glatt oder sorgten dafür, dass keine Schrauben im Inneren herausstehen, die den Toten unschöne Verletzungen beibringen könnten. "Das geht in Sachen Respekt schon bis auf die letzte Schraube", stellte Aßmann fest. Das Berufsbild ist – wenn auch der Begriff "Bestatter" gesetzlich nicht geschützt ist – sehr abwechslungsreich und umfasst handwerkliche Tätigkeiten genauso wie kaufmännische. Aber natürlich auch die Beratung von Kunden, die entweder gerade einen Angehörigen verloren haben oder aber sich frühzeitig zu dem oft verdrängten Thema beraten lassen wollen.

Würde und Respekt spielen große Rolle

Aßmann fand schnell heraus, dass der Satz "kommt darauf an" sehr oft fällt, wenn es um das Thema Bestattung geht. Denn Möglichkeiten gibt es viele. Seine eigene Bestattung, die er in der Doku plante und schließlich erlebte, schlug am Ende mit 6.055 Euro zu Buche. Einäscherung, Urnengrab, Trauerfeier – relativ normaler Standard. Interessant wurde es immer, wenn der Beruf des Bestatters genauer unter die Lupe genommen wurde. Etwa bei Überführungen von Leichen, der Leichenwäsche oder dem Ankleiden der Leichen. Beeindruckend etwa, mit welcher Routine zwei Mitarbeiter einer Bestattungsfirma eine Tote würdevoll für ihren letzten Weg vorbereiteten. "Das wirkt sehr friedlich", sagte Aßmann. Und in der Tat hatten die Bilder, die die ARD zeigte, keinerlei voyeuristischen Charakter, sondern konzentrierten sich auf die Tätigkeiten der Mitarbeiter und Aßmanns Emotionen.

Krematorium: Ein Bestattungsofen kostet 800.000 Euro

Auch in dem Krematorium, das der Reporter besuchte, ging alles seinen routinierten und würdevollen Gang. Man sah, wie ein Sarg in den Ofen gefahren wurde und dort anfing, Feuer zu fangen. Die Mitarbeiterin erklärte, wie wichtig Respekt vor dem Toten auf diesem letzten Weg sei. Obwohl natürlich auch eine gewisse Menge an Verbrennungen stattfinden muss, damit sich der Betrieb rechnet, lief hier alles würdevoll ab. Auf immerhin 800.000 Euro belaufen sich die Investitionskosten für einen Bestattungsofen. Und vom Einfahren des Sargs bis zur mit der Asche befüllten Urne können schon einmal vier Stunden vergehen. Das sind Eckdaten rund um das emotionale Thema Bestattung, die einerseits ein wenig technisch wirkten, andererseits aber auch von der starken Emotionalität des Themas ablenkten.

Dass man beim Verbrennen eines Angehörigen dabei sein kann, dürfte vielen Zuschauern neu gewesen sein. Eine reizvolle Möglichkeit war dies für Aßmann verständlicherweise nicht. Der Reporter wohnte schließlich seiner eigenen Trauerfeier bei und ließ eine Urne in sein künftiges Grab ab. Diese letzten fünf Minuten waren natürlich auch der TV-Dramaturgie geschuldet. Sie bildeten den emotionalen Höhepunkt der Sendung. Über das Bestatter-Handwerk gab es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel Neues zu erfahren, was aber den trotz des schwierigen Themas unterhaltsamen und informativen Charakter der Sendung nicht schmälerte.

>>> Hier können Sie sich die vollständige Sendung "Ausgerechnet: Bestattung" ansehen