Geldanlage Trotz Turbulenzen: ETFs bleiben eine clevere Wahl

Vor rund 25 Jahren begann an der Börse Xetra der Handel mit ETFs – damals ein Nischenprodukt, heute eine echte Erfolgsgeschichte. Nach den jüngsten Turbulenzen an den internationalen Märkten stehen ETFs jedoch verstärkt im Fokus. Besonders beim äußerst beliebten MSCI World fragen sich viele Anleger: Ist mein Geld noch sicher investiert? Wie könnte eine neue Strategie aussehen? Oder ist gerade jetzt ein günstiger Zeitpunkt für den Einstieg?

Von einem Bärenmarkt spricht man, wenn die Kurse an der Börse über einen längeren Zeitraum stark fallen. Der Begriff kommt daher, dass ein Bär mit der Tatze von oben nach unten schlägt – symbolisch für fallende Kurse. Ein Bulle stößt mit den Hörnern von unten nach oben, was steigende Kurse symbolisiert. - © Petrus Bodenstaff - stock.adobe.com

Am 11. April 2000 wurden die ersten beiden ETFs an der Börse Xetra gehandelt. Diese Fonds bildeten den Euro Stoxx 50 und den Stoxx Europe 50 ab. Dieses Datum markiert einen Meilenstein und hat den deutschen Finanzmarkt nachhaltig verändert. In den folgenden 25 Jahren entwickelten sich ETFs von einem Nischenprodukt zu einer festen Größe in der Geldanlage. Was einst als exotisch galt, ist heute fester Bestandteil vieler Portfolios.

ETFs im Aufwind: Wachstum und Verbreitung

Nach fast 25 Jahren ETF-Handel fällt die Bilanz klar positiv aus. Ende Dezember 2024 betrug das in ETFs investierte Volumen bei den teilnehmenden Banken in Deutschland 148,5 Milliarden Euro – ein Anstieg von 33,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rund 40 Prozent der deutschen Anleger setzen inzwischen auf ETFs. Anlässlich dieses Jubiläums lohnt sich ein Blick auf aktuelle Herausforderungen und Chancen im ETF-Markt, insbesondere vor dem Hintergrund der jüngsten Marktschwankungen.

Der MSCI World unter Druck: Was steckt dahinter?

Der MSCI World Index zählt zu den beliebtesten Basisinvestments in Deutschland. Er umfasst große und mittelständische Unternehmen aus den wichtigsten Industrieländern. Nahezu alle großen Anbieter führen ETFs auf diesen Index.

Allerdings birgt seine Struktur auch Risiken. Der MSCI World ist nach Marktkapitalisierung gewichtet. Das bedeutet, dass große Unternehmen wie Apple oder Microsoft stark ins Gewicht fallen. Der Index ist dadurch prozyklisch, übergewichtet in Boomphasen die Gewinner und untergewichtet in Abschwünge die Verlierer. Zudem sind US-Aktien derzeit mit etwa 70 Prozent dominierend vertreten, was zu einer scheinbaren Diversifikation führt. Trotz hunderter enthaltener Titel hängt die Performance oft an wenigen Großkonzernen.

Investiert bleiben oder umschichten?

Zuletzt hat der MSCI World deutlich an Wert verloren – eine Entwicklung, die vor allem ETF-Neulinge verunsichert. Viele fragen sich angesichts der starken Verluste: Ist mein Geld noch richtig angelegt? Die Antwort lautet: Ruhe bewahren. Kurzfristige Schwankungen sind bei Aktieninvestments normal. Für Produkte wie den MSCI World empfiehlt sich ein Anlagehorizont von mindestens zehn bis fünfzehn Jahren. Von 2010 bis 2022 erzielten Anleger trotz diverser Krisen eine durchschnittliche Jahresrendite von rund zehn Prozent.

Fallende Kurse bieten langfristig orientierten Investoren sogar Chancen. Wer regelmäßig per Sparplan investiert, profitiert vom Cost-Average-Effekt und reduziert das Risiko eines ungünstigen Einstiegszeitpunkts. Verluste entstehen erst beim Verkauf. Die Devise lautet: "Buy and Hold" statt hektischem Umschichten.

So gelingt Diversifikation mit ETFs

Ein ausgewogenes ETF-Portfolio ist breit gestreut – über verschiedene Regionen, Branchen und Anlageklassen hinweg. Eine klassische Aufteilung ist 60 Prozent Aktien-ETFs und 40 Prozent Anleihen-ETFs. Auch alternative Investments können sinnvoll sein. Schon mit drei bis fünf ETFs lässt sich eine gute Diversifikation erreichen. ETFs bieten hier den Vorteil niedriger Kosten und einfacher Umsetzung.

Jetzt einsteigen? Chancen trotz Rückgang

Der jüngste Rückgang mag neue Anleger abschrecken, bietet aber auch Einstiegschancen. Denn: "Zeit im Markt ist wichtiger als das Timing des Marktes." Wer per Sparplan investiert, steigt automatisch zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein – das reduziert Risiken und kann langfristig die Rendite stabilisieren. Trotz Zinserhöhungen bleiben ETFs gegenüber klassischen Sparformen langfristig attraktiv.

ETF-Tipps für Einsteiger

Wer neu einsteigt, sollte auf globale, breit gestreute Aktien-ETFs setzen. Empfehlenswert sind beispielsweise Produkte auf den MSCI World, den MSCI All Country World Index (ACWI) oder den FTSE All-World. Für Anleger mit Deutschland-Fokus eignen sich ETFs auf den DAX oder den FTSE Germany All Cap Index. Spezialisierte oder thematische ETFs sind für Anfänger eher ungeeignet.

Eine Alternative bieten sogenannte Equal Weighted ETFs. Bei diesen werden alle enthaltenen Unternehmen unabhängig von ihrer Größe gleich gewichtet. Das führt zu einer ausgewogeneren Verteilung und reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Mega-Caps. Equal Weighted ETFs können langfristig eine stabilere und diversifiziertere Renditeentwicklung bieten, sind allerdings oft mit leicht höheren Kosten und einer etwas aktiveren Anpassung verbunden. Für Anleger, die bewusst eine breitere Streuung wünschen und das Risiko von Übergewichtungen reduzieren wollen, kann ein solcher Ansatz sinnvoll sein.

ETFs bleiben langfristig attraktiv

Auch 25 Jahre nach ihrem Start in Deutschland haben ETFs nichts an Relevanz eingebüßt. Im Gegenteil, sie sind fester Bestandteil moderner Vermögensplanung. Ihre Vorteile – Kosteneffizienz, Transparenz und einfache Handelbarkeit – bleiben überzeugend. Wer auf eine langfristige Strategie setzt, klug diversifiziert und diszipliniert investiert, kann mit ETFs auch in Zukunft seine finanziellen Ziele erreichen.

Zum Autor: Markus Richert ist Portfoliomanager bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln.