Berufskleidung hat ihr früheres Blaumann-Image abgelegt. Sie hat sich zum trendigen Outfit gemausert. Ein modernes Design und Funktionalität sind Pflicht, besondere Extras die Kür.
Sabine Anton-Katzenbach
Noch vor einem knappen Jahrzehnt war die Welt der Berufskleidung noch in Ordnung. Sie war eine ausschließlich für die Arbeit entwickelte Kleidung. Außerhalb der Woche wurde sie höchstens noch getragen, um Nachbarschaftshilfe zu leisten. Dieses Kapitel ist inzwischen abgeschlossen. Mit der Internationalisierung des Gattungsnamens – Berufskleidung heißt inzwischen Workwear – hat sich das Design deutlich verändert. Ein Übriges tat die Anpassung der aus der Freizeitmode kommenden Funktionsmaterialien an die deutlich härteren Einflüsse im Beruf. Das Ergebnis sind Kollektionen, die sich sehen lassen können.
Schick mit Extra-Schutz
Trotz der Verschiedenheit der Kollektionen ziehen sich ein sportlich-modernes, kontrastreiches Design, eine optimale Passform und trendige Farbkonzepte wie ein roter Faden durch die Entwürfe der Berufsmodemacher. Ein wichtiges Detail ist die vielfältige Kombinierbarkeit mit anderen Linien. Sie ist dem zunehmenden Wunsch der Handwerksbetriebe nach einem unverwechselbaren Outfit geschuldet. Auch Reflexstreifen oder reflektierende Paspeln gehören zu den aktuellen Elementen vieler Handwerker-Kollektionen.

Neben ihrer gestalterischen Funktion dienen sie der Sicherheit: Sie verbessern die Sichtbarkeit in der Dämmerung oder in dunklen Arbeitsräumen. Weitere, der Risikominimierung dienende Extras sind beispielsweise Hosenbeine mit flammhemmenden oder fluoreszierenden Einsätzen. Erstere schützen Dachdecker vor Feuergefahren, letztere erhöhen das Aufmerksamkeitsniveau in einer schlecht beleuchteten Umgebung.
Modische Revolution
Die Freizeitmode mit ihren funktionellen Materialien hat zweifelsfrei einen enormen Einfluss auf die Weiterentwicklung der Berufskleidung genommen. So sind Jacken und Hosen ohne Stretch kaum mehr denkbar. Der Dehnfaktor ist entweder in Form von elastischen Fasern (EOL) direkt in das Gewebe eingearbeitet oder findet sich als Besatz im Bund-, Rücken- oder Schulterbereich. Auch die weichen, flexiblen Softshell-Materialien haben wesentlich zu einer Verbesserung des Tragekomforts beigetragen. Dabei haben sie gleichzeitig die Wetterschutzkleidung revolutioniert.
Während man einem durchziehenden Gewitter vor wenigen Jahren nur mit einer zertifizierten Regenschutzkleidung (EN DIN 343) oder der Flucht in den Montagewagen begegnen konnte, bieten Softshell-Jacken heutzutage kurzzeitigen Schutz gegen Nässe und Wind. Dadurch haben sie sich als unverzichtbarer Bestandteil einer funktionellen Handwerker-Kleidung etabliert und gleichzeitig das aus der Sportswear stammende Drei-Lagen-Prinzip salonfähig gemacht.
Nutzen inklusive

Ungeachtet ihrer deutlichen Modernisierung hat Berufskleidung nichts von ihrer Alltagstauglichkeit eingebüßt. Dafür sorgen ergonomische Schnitte, die vor allem männliche Handwerker in den Genuss von Ober- und Unterteilen mit einer guten Passform und einer hohen Bewegungsfreiheit kommen lässt. Aber auch Handwerkerinnen dürfen sich über eine steigende Zahl speziell für Frauen entwickelter Hosen freuen.
Für Funktionalität bürgen auch eine qualitativ hochwertige Verarbeitung und haltbare, im Trend liegende leichtgewichtige Materialien, die für ein angenehmes Klima sorgen. Dazu kommen zahlreiche Details – darunter Kniepolstertaschen oder Verstärkungen im Beinbereich. Sie halten den mechanischen Belastungen im Beruf stand. Schmutzabweisende Gewebe und unempfindliche Trendfarben widerstehen den berufstypischen Verfleckungen. Und weil sie sich gut waschen lassen, tragen sie maßgeblich dazu bei, dass ein Outfit sein gutes Aussehen die ganze Arbeitswoche über beibehält.
