Panorama -

Ehering-Tipps vom Goldschmied Trauring-Kauf: Was Brautpaare über Eheringe wissen sollten

Schon mal einen Ring selbst geschmiedet? Bei Brautpaaren ist das aktuell der absolute Renner. Wer einen trendigen Ehering haben möchte, sollte außerdem ein zartes Deisgn in Roségold wählen. Von welchem Material man bei Trauringen lieber die Finger lassen sollte und welche Gravurmethoden es gibt. Die wichtigsten Fragen und Antworten vom Goldschmied.

Wer heiraten möchte, sollte eines nicht vergessen: die Eheringe. Wie sie aussehen, wie viel man ausgibt und wo man sie kauft, dass kann jedes Brautpaar selbst entscheiden. Wer ein handwerkliches Unikat sucht, sollte zum Goldschmied gehen. Im Gegensatz zur Industrieware wird das Material beim Goldschmied von Anfang bis Ende in filigraner Handarbeit gefertigt.

Goldschmiedemeister Laszlo Lepeda aus Stuttgart kennt sich bestens mit Ringen aller Art aus. Im Jahr schmiedet der Handwerker um die 50 bis 60 Trauringpaare. Und in den letzten zwei, drei Jahren ist die Nachfrage nach handgefertigten Eheringen bei Lepeda merklich gestiegen. "Ich habe den Eindruck, es wird wieder mehr geheiratet und gleichzeitig legen die Menschen wieder mehr Wert auf handgefertigte Produkte. Zwar kauft der überwiegende Teil der Brautpaare immer noch die 'Fertigware' beim Juwelier, aber es liegt auf jeden Fall einen Trend in die kleinen Läden zu gehen und sich beim Handwerker die Ringe anfertigen zu lassen", sagt der Goldschmied. Bei Lepeda kann jeder Kunde zuschauen, wie er in der Werkstatt arbeitet und die Ringe schmiedet. "Viele Menschen haben Sehnsucht nach dem Einfachen und nach mehr Transparenz. Genau das bieten wir."

Worauf Brautpaare beim Ring-Kauf achten sollten und welche Farben und Formen aktuell im Trend sind – die wichtigsten Fragen und Antworten vom Trauring-Experten.

Von welchem Material sollte man bei Eheringen die Finger lassen?

Eigentlich eignet sich jedes Material für Eheringe, auch unedle Metalle. Kupfer oder Messing zu verwenden ist jedoch nicht besonders sinnvoll, wie Goldschmied Lepeda erklärt: "Durch Schweiß bilden Kupfer- oder Messing-Ringe Grünspan und die Finger färben sich grün oder sogar schwarz. Deshalb ist es besser auf Edelmetalle oder Stahl zu setzen." Ob aber Gold, Roségold, Weißgold, Platin oder Palladium gewählt wird, bleibt dem Brautpaar überlassen. Wovon Lepeda abrät ist Silber. Das Material ist zu weich und nutzt sich im Alltag sehr stark ab. "Man geht ja davon aus, dass die Ehe mehr als zwei oder drei Jahre hält und somit sollte auch der Ehering viele Jahre und Jahrzehnte schön aussehen."

Was ist bei Ring-Gravuren angesagt?

Klassischerweise lassen sich Paare den Namen ihres Partners und das Hochzeitsdatum eingravieren. Grenzen gibt es nur bei der Textlänge. Was eingraviert werden soll, kann das Paar frei entscheiden. "Ich hatte zum Beispiel schon Kunden, für die ich einen Psalm eingraviert habe", sagt Lepeda.

Auch bei der Graviermethode gibt es Unterschiede. Es gibt drei verschiedene Möglichkeiten Eheringe zu gravieren.

  1. Mit der Graviermaschine: Hier wird der Ring in eine Halterung eingespannt. Ein kleiner Diamant wird dann über ein Gelenk gesteuert. Der Diamant drückt sich in das Material ein und graviert den gewünschten Text in den Ring.
  2. Von Hand: Der Graveur graviert den Ring mit einem Gravur-Stichel, einem harten, scharfen Werkzeug. Dieses Verfahren funktioniert spanabhebend, das heißt, das Material wird herausgeschnitten. Der Graveur hält den Stichel in der einen und den Ring in der anderen Hand und graviert den gewünschten Text.
  3. Die Faksimilegravur: Diese Variante ist aktuell besonders beliebt. Braut und Bräutigam schreiben den gewünschten Text auf ein Blattpapier und der Fachmann graviert diese Vorlage eins zu eins in den Ring. Es ist ebenfalls möglich, die Gravur mit einem Laser zu machen. Bei dieser Methode wird der Ring in eine Lasergravurmaschine eingespannt. Der Laser imitiert die Unterschrift auf dem Papier und verbrennt dabei das Material. Den Unterschied zwischen beiden Verfahren erkennt man daran, dass die Gravur vom Laser rau und dunkel ist, die Gravur von Hand stets glänzend und poliert.

Welche Materialien und Design sind bei Eheringen im Trend?

Wie beim Modeschmuck, gibt es auch bei Eheringen Trends, was das Edelmetall und das Design angeht. Früher waren Weißgold, Platin oder Gelbgold gefragt. Seit einigen Jahren ist jedoch Roségold der absolute Renner, sowohl bei Ohrringen und Uhren als auch bei Trauringen. "Ich weiß nicht, ob der Peak da schon erreicht ist. Aktuell verkaufe ich dieses Material immer noch sehr oft und meine Kollegen bestätigen diesen Trend", sagt Lepeda.

Beim Design sind sehr zarte, aber klassische Ringe im Trend. Die Schmuckstücke haben eine leicht gewölbte oder gerade Oberfläche, sind aber eher unauffällig und alltagstauglich. "Früher waren Eheringe oft echte Klunker mit sieben oder acht Millimetern Breite. Heute sind diese Ringe eher verpönt", sagt Lepeda. Frauen entscheiden sich aktuell für sehr schmale Ringe mit 1,5 bis 3,5 Millimetern Breite und auch Männer wählen eher ein zarteres Design.

Ob die Paare zusätzlich einen Stein in ihrem Ehering wünschen, hängt davon ab, ob es schon einen Verlobungsring gibt. Wenn die Frau bereits einen Brillant in ihrem Verlobungsring hat, wählt sie meist keinen Stein für ihren Ehering. "Die werden oft zusammengetragen und würden sich nur gegenseitig die Show stehlen", sagt Lepeda. Die allermeisten seiner Kundinnen entscheiden sich für Diamanten im Brillantschliff, wenn sie einen Stein in ihrem Ehering haben möchten.

Wie unterscheiden sich Eheringe für Frauen und Männer?

Frauen haben in der Regel schmalere und zartere Ringe. Die Modelle für Männer sind etwas kräftiger, da ihre Hände und Finger größer sind. Im Gegensatz zu den Frauen, ist es für Männer oft sehr ungewohnt einen Ring zu tragen. Viele empfinden ihn zuerst als störend, gewöhnen sich aber mit der Zeit daran.

Müssen Mann und Frau Ringe tragen, die zusammen passen?

Mann und Frau müssen nicht die gleichen Eheringe tragen. Lepeda hat im Laufe der Jahre drei unterschiedliche Kundentypen identifiziert.  

  1. Paare, die unbedingt die gleiche Form haben wollen als Zeichen, dass sie zusammen gehören.
  2. Paare, bei denen jeder den Ring wählt, der ihm persönlich am besten gefällt.
  3. Paare, die unterschiedliche Ringe wählen, aber ein verbindendes Element haben möchten, z.B. die Farbe oder die Form.

Eheringe selbst schmieden, geht das?

Ja, ein Brautpaar kann sich die Eheringe selbst schmieden, zum Beispiel in einem Trauringworkshop. Diese Kurse sind mittlerweile sehr beliebt. Nicht nur Lepeda, sondern auch viele seiner Kollegen bieten Hochzeitspaaren an, ihre Eheringe selbst zu fertigen. Beim Goldschmied aus Stuttgart finden die Workshops meistens am Wochenende statt und dauern vier bis fünf Stunden. Die Paare schmieden dabei jeweils den Ring des Partners. Lediglich die Gravur oder das Einfassen eines Steines übernimmt der Experte dann zum Schluss. Wer weder Gravur noch Stein haben möchte, kann den Ring nach dem Kurs direkt mitnehmen. Wer einen Kurs belegen möchte, sollte vorher bereits beim Goldschmied vorbeischauen und sich beraten lassen.

Wie läuft die Beratung beim Goldschmied ab?

Wer den perfekten Ehering sucht, sollte viel Zeit mitbringen. Rund ein bis zwei Stunden dauert eine Beratung bei Lepeda. Daher empfiehlt der Goldschmied einen festen Beratungstermin auszumachen. "Zuerst gibt es einen Kaffee oder Tee. Dann lasse ich die Kunden erstmal alles in Ruhe anschauen." Je nachdem welche Ideen das Brautpaar schon mitbringt, empfiehlt der Goldschmied einzelne Modelle. Die Farbe des Materials ist zum Beispiel auch abhängig vom jeweiligen Hautton. Ein wichtiger Teil der Beratung ist es schließlich verschiedene Ringe anzuprobieren und in der Hand zu halten: Welche Oberfläche, Farbe und Breite passt am besten zu meiner Hand? "Das ist eben einer der Vorteile in meinem Laden. Die Paare können verschiedene Ringe sehen und anfassen. Das geht zum Beispiel nicht, wenn man den Ring nur am Computer entwirft, wie es einige Internetportale mittlerweile anbieten." Hat sich das Paar entschieden, erstellt der Experte einen Kostenvoranschlag und gibt den Kunden zusätzlich noch das Beratungsprotokoll mit. Bevor die Ringe fertig sind, ist eine Zwischenprobe sinnvoll. So können letzte Feinheiten bestimmt werden, z.B. ob die Oberfläche glänzend oder matt sein soll und die Weite kann ebenfalls noch angepasst werden. Beim dritten Besuch kann das Paar die Ringe schließlich mitnehmen.

Welche Fehler machen Brautpaare beim Trauring-Kauf?

Beim Trauring-Kauf sollten sich Paare vor allem über die Eigenschaften der einzelnen Metalle beraten lassen. Es ist wichtig, dass der Ring alltagstauglich und robust ist, da er täglich getragen wird und dadurch ständig Abnutzungen ausgesetzt ist. Silber ist daher keine gute Wahl. Aber auch über Weißgold sollten Käufer vorher einiges wissen. Dieses Edelmetall ist in seiner ursprünglichen Farbe nicht weiß, sondern grau und erhält die bekannte platinähnliche Farbe dank einer Rhodium-Beschichtung. Die Beschichtung ist zwar sehr hart, nutzt sich aber trotzdem ab. "Das bedeutet, dass man den Ring nach etwa einem Jahr wieder beschichten lassen muss. Je nachdem, wie oft man das im Laufe eines Lebens machen muss, ist eventuell der Aufpreis für einen Platinring wieder drin", erklärt Lepeda. "Das wissen viele Leute nicht und es ist wichtig ihnen das zu sagen. Dann können die Paare diese Aspekte bei ihrer Entscheidung für den Trauring berücksichtigen."

Wie lange dauert es bis ein Ehering beim Goldschmied fertig ist?

Einen Ring von Hand zu fertigen geht schneller als viele Paare glauben. Es reicht vollkommen aus, sich im Mai für einen Entwurf zu entscheiden, wenn man im Juni oder Juli heiratet. Der Goldschmied braucht etwa drei bis vier Stunden, um ein Paar Eheringe anzufertigen. Sofern das Material vorrätig ist, können die Ringe also recht schnell abgeholt werden. Mit Gravur und Stein fassen dauert es in der Regel ein bis zwei Wochen. Deutlich kürzer als es zum Beispiel bei einem maßgeschneiderten Brautkleid der Fall ist. "Ich hatte auch schon ein Paar, das sich Ringe bestellt hat und zwei Tage später ging der Flieger nach Las Vegas. Damals habe ich eine Nachtschicht eingelegt, um die Ringe fertig zu machen. Aber das ist eher die Ausnahme."

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten