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So finden Braut und Bräutigam das perfekte Outfit Hochzeitsmode für sie und ihn: Maßschneider verraten die Trends 2018

Hochzeitskleider mit rosa Schleifen für die Braut und blaue Anzüge für den Bräutigam sind 2018 im Trend. Doch was passt am besten und wann sollte man das Kleid und Anzug bestellen? Zwei Maßschneider verraten, wie Brautpaare das perfekte Outfit finden.

Am Hochzeitstag soll alles perfekt sein: von der Hochzeitstorte über die Eheringe bis hin zu den Fotos. Im Mittelpunkt steht natürlich auch das Outfit des Brautpaares. Vor allem das Hochzeitskleid wird von allen Gästen gemustert. Es ist das Highlight auf jeder Hochzeitsfeier. Aber wie sollte das perfekte Hochzeitskleid aussehen? Wann sollte die Braut das Kleid kaufen, damit es perfekt sitzt? Und welches Hochzeitsoutfit ist bei den Männern 2018 im Trend? Zwei Maßschneider geben Tipps für die perfekte Hochzeitskleidung für Frauen und Männer.

1. Tipps und Trends für das perfekte Brautkleid

Manche Frauen träumen seit ihrer Kindheit von ihrem perfekten Hochzeitskleid, andere haben keine konkreten Vorstellungen vom Schnitt, wissen aber, welchen Farbton sie haben möchten. Doch bis das Kleid dann auch gefunden ist, kann es lange dauern.

Welches Hochzeitskleid passt zu welcher Figur?

Ein Besuch beim Maßschneider lohnt sich vor allem für Frauen, die ein individuelles Hochzeitsoutfit suchen. Anders als in einer normalen Hochzeitsboutique können die Bräute Stoff und Schnitt frei nach ihren Wünschen aussuchen. Der Maßschneider berät sie zudem über die beste Form für die eigene Figur.

"Wir haben zum Beispiel Kunden, die Konfektionsgröße 55 haben, 1,85 Meter groß sind oder auch nur 1,55 Meter klein. Denen passen die Kleider von der Stange oft nicht, aber die wollen natürlich auch schön aussehen auf ihrer Hochzeit", sagt Schneidermeisterin Gabriele Albert-Wurst. Die Vorsitzende des Landesinnungs­verbands des Maßschneider­handwerks Bayern hat ihre Meisterprüfung Anfang der 80er Jahre abgelegt und hatte bereits zahlreiche Bräute in ihrer Schneiderei: "Gerade bei Bräuten ist viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl gefragt. Die Frauen kommen oft ganz verzweifelt bei mir an, weil sie in den Läden nichts finden."

Träger, kleine Ärmel, kein Reifrock und ein fließendes Kleid sind laut der Expertin für kräftige oder kleine Frauen gut geeignet. "Was wichtig ist, die Frauen sollen nachher nicht wie eine Zuckerpuppe aussehen. Sonst erschrecken die Männer doch, wenn ihre Frau so auf der Hochzeit auftaucht", sagt Albert-Wurst.

Wann sollte sich die Braut um ihr Hochzeitskleid kümmern?

Wie bei den anderen Hochzeitsvorbereitungen, ist es auch wichtig, sich früh zu überlegen, wie das Hochzeitsoutfit aussehen soll. Die Frauen brauchen dabei eine größere Vorlaufzeit als die Männer. Einige Monate bis zu einem halben Jahr vor der Hochzeit sollte die Braut bei der Maßschneiderin vorbeischauen. So können die Experten noch reagieren, wenn zwei oder drei Kilo hinzukommen oder wegfallen. Bräute, die im Sommer heiraten wollen, sollten also im Februar oder März ihr Outfit mit den Schneidern besprechen.

Eine besondere Herausforderung sei es, wenn die Frau vor der Hochzeit schwanger wird, erklärt Albert-Wurst: "Auch wenn man noch keinen Bauch sieht, bekommen die Frauen oft schon einen größeren Busen. Das Abnähen und die letzten Schliffe mache ich deshalb erst 14 Tage vor der Hochzeit."

Welche Stoffe, Farben und Schnitte sind bei Hochzeitskleidern 2018 im Trend?

Welches Outfit Frauen und Männer dann wählen, hängt natürlich von den eigenen Vorlieben, dem Budget und dem Körperbau ab. Inspiration bieten die jährlichen Hochzeitsmodenschauen und Hochzeitsmessen. Dort stellen zahlreiche Designer ihre neuen Kollektionen vor. Stefan Wermter, Vize-Präsident des Bundesverband der Maßschneider ist jedes Jahr auf einigen dieser Veranstaltungen unterwegs und weiß wie die Hochzeitstrends für 2018 aussehen.

Für die aktuelle Saison hat er zahlreiche Brautkleider mit einer aufwendigen Rückenansicht entdeckt. Dieses Jahr machen Frauen also auch von hinten eine gute Figur. Im Trend sind zum Beispiel Rückenansichten mit aufwendigen Knopfleisten oder einem transparenten Stoff mit Spitze drüber.

Trend: A-Linie und Meerjungfrau

Außerdem nach wie vor sehr angesagt sind zwei Formen für Brautkleider: die A-Linie und die Meerjungfrau. "Die A-Linie ist einfach nicht tot zu kriegen", sagt Wermter. Sie tauche auch immer wieder in abgewandelter Form auf, zum Beispiel mit einem Reifrock oder mit Spitze.

Viele Frauen entscheiden sich aber auch für ein Kleid im Meerjungfrauen-Stil. Hier liegt der Stoff bis zum Knie eng an und ist von der Wade bis zum Fuß deutlich ausgestellt. Ganz im Look einer Meerjungfrau.

Trend: Sexy Hochzeitskleider

Frauen, die an ihrer Hochzeit besonders sexy aussehen wollen, können 2018 auf den Trend Vokuhila setzen. Nicht nur bei den Haaren, sondern auch bei den Brautkleidern ist dieser Schnitt angesagt. "Diese Kleider sind unheimlich sexy geschnitten. Sie haben ein sehr kurzes Schoßteil vorne und nach hinten eine lange Schleppe. So wird viel Bein gezeigt", erklärt Wermter.

Aber auch etwas lässiger geschnittene Boho-Kleider können sexy ausfallen. Oft sind diese Outfits auch als Zweiteiler gedacht mit Top und Rock. "Ein leicht bauchfreies Kleid ist auf jeden Fall ein Hingucker. Wenn man die entsprechende Figur dafür hat, kann man solche ein Boho-Kleid auf jeden Fall anziehen", sagt der Experte.

Beliebt, aber kein Trend für 2018, sind laut Wermter ausladende Sissi-Kleider, Outfits, die aussehen wie bei Tanz der Vampire oder Kleider im Barock-Stil. "Diese Kleider gibt es immer wieder. Sie sind nicht erst dieses Jahr auf den Messen und Modenschauen zu finden", sagt Wermter.  

Welche Farben sind bei Hochzeitskleidern 2018 im Trend?

Ein Traum in Weiß ist das Hochzeitkleid heutzutage eher selten. 99 Prozent der Kleider sind laut Wermter mittlerweile cremefarben. Auch rosafarbene Akzente seien stark im Kommen. Bei dieser Kombination bleiben die Kleider zwar in Creme als Grundfarbe, werden aber mit rosa Schleifen, Bändern und Gürteln verziert, oder sogar das ganze Oberteil wird farblich abgesetzt, "Ob sich das durchsetzt kann ich zwar nicht sagen, aber ich habe es oft gesehen und finde es eine sehr schöne Mode", sagt der Schneidermeister aus Essen.

Eine Farbe, die man eher nicht mit einem Brautkleid assoziiert ist Schwarz. Doch genau diese Farbe taucht nun immer öfter auf den Brautmodenschauen auf. Cremefarbene Kleider mit schwarzen Bändern und Gürteln sind ein ausgefallener Trend, dem Wermter jedoch nicht viel abgewinnen kann: "Mir persönlich gefällt die Kombination von Schwarz und Creme nicht so gut. Mit Weiß und Schwarz kann ich mir das besser vorstellen."

Abseits von den Trendfarben haben Maßschneider auch immer mit den individuellen Farbwünschen der Kunden zu tun. Damenmaßschneiderin Albert-Wurst erinnert sich an Hochzeitskleider in Knallrot, Schlamm, Hellblau oder Gold. "Ich muss mir eben die Kundin anschauen und fragen, in welchem Rahmen die Hochzeit stattfindet? Ich habe zum Beispiel mal ein Kleid für eine kräftige Frau genäht, die am Strand geheiratet hat und barfuß gelaufen ist."

Was kann man nach der Hochzeit mit dem Hochzeitkleid machen?

Wenn der Hochzeitstag vorbei ist, stellt sich für viele die Frage, was mit dem Hochzeitsoutfit passiert? Bei den Männern ist es einfach. Sie können ihren Hochzeitsanzug bei vielen anderen Veranstaltungen wieder anziehen. Bei den Frauen geht das in der Regel nicht so einfach.

Für Frauen gibt es zwei Möglichkeiten mit ihrem Hochzeitskleid umzugehen:

1. Die Frau zieht das Kleid nicht mehr an und hängt es als Erinnerung in den Schrank.

2. Die Frau lässt es beim Schneider umnähen und umfärben.

Wermter und Albert-Wurst haben mit der zweiten Variante unterschiedliche Erfahrungen gemacht. "Wir nähen die Kleider oft um. Mal entsteht ein Taufkleid, mal ein Etuikleid mit farbigem Bolerojäckchen. Vor allem im Herbst nach den Hochzeiten, kommen viele Frauen bei uns vorbei", erzählt Wermter, für den diese Option ein erfolgreiches Geschäftsmodell ist.

Albert-Wurst hingegen rät ihren Kundinnen davon ab, das Kleid umnähen zu lassen. "Es ist einfach so emotional belegt. Die Frauen ziehen es dann doch nicht an, auch wenn ich es umnähe." Sie hat jedoch einen anderen Vorschlag: "Eine schöne Variante ist, wenn die Töchter in den Brautkleidern ihrer Mutter heiraten. Ich nähe das Kleid dann um und modernisiere es für sie. Das ist toll, weil viele Emotionen damit verbunden sind."

2. Tipps und Trends für das perfekte Outfit für den Bräutigam

Die Männer haben es bei ihrem Hochzeitsoutfit deutlich einfacher als die Frauen. Die Auswahl an Anzügen ist einfach nicht so groß und die Schnitte nicht so ausgefallen wie bei den Hochzeitskleidern. Aber auch der Bräutigam sollte einige Tipps beachten, damit er bei der Hochzeit eine gute Figur macht.

Wann sollte sich der Bräutigam um sein Hochzeitsoutfit kümmern?

Im Gegensatz zu den Frauen, ist die Vorlaufzeit bei den Männern nicht so lang. Vier bis sechs Wochen seien ausreichend meint Herrenmaßschneider Wermter. "Männer sind da tiefenentspannter und es geht schneller, weil die Auswahl einfach nicht so groß ist", erklärt der Maßschneider.

Was ist 2018 Trend für das Outfit des Bräutigams?

Auch wenn bei einer Hochzeit die Braut das auffallendere Outfit trägt, so gibt es auch bei den Männern unterschiedliche Stylingkombinationen und Trends für den Hochzeitsanzug. Bei der Farbe ist seit ein paar Jahren Blau sehr angesagt und auch in diesem Jahr sollten trendbewusste Männer diesen Farbton wählen. "Das ganz tiefe marineblau eher nicht, aber alles, was darüber hinausgeht: Mittelblau, Stahlblau, Eisblau, wer möchte auch Schalke-Blau", empfiehlt Wermter.

Braun sei ebenfalls ein Thema, da es gut zu den cremefarbenen Kleidern passt. Schwarz sei hingegen nur noch selten und grau gar nicht mehr zu sehen. "Das finde ich gut, weil Grau einfach zu langweilig aussieht", so Wermter. "Ich liebe zum Beispiel die Farbe Rosa auch für Herren. In Kombination mit einem braunen Anzug, ist ein rosafarbenes Hemd sehr schön."

Beim Schnitt ihres Hochzeitsanzugs machen die meisten Männer keine Experimente. Der Anzug ist laut Experte klassisch einfarbig, damit man ihn auch nachher noch anziehen kann. Nur die Knöpfe im Futter, die Fliege und das Plastron bringen etwas Farbe ins Spiel.

Männer, die etwas Ausgefallenes suchen, können zu farbigen Anzügen, Prokatstoffen und Stehkragen greifen. "Das ist für die Herren interessant, die schon zwanzig Business-Anzüge im Schrank hängen haben und für ihre Hochzeit nicht den 21. Business-Anzug wollen", sagt der Herrenmaßschneider. So hebt sich der Bräutigam auf jeden Fall von den anderen Hochzeitsgästen ab.

Fliege binden leicht gemacht

Krawatte oder Fliege auf der Hochzeit?

Wenn die Entscheidung für einen bestimmten Anzug gefallen ist, muss sich der Bräutigam auch überlegen, ob er eine Krawatte oder eine Fliege tragen möchte. Für den Experten gibt es jedoch eine andere Variante: ein Plastron. "Krawatte trägt der Bräutigam eigentlich nicht, weil das schon jeder andere auf der Hochzeit trägt. Die meisten Herren tragen ein Plastron, ein krawattenähnliches Gebinde, was aber schon fertig gebunden ist." Das Plastron ist deutlich kürzer als eine Krawatte und wird in Kombination mit der Weste getragen. Sie ist meist auch aus dem Westenstoff gearbeitet, damit es nicht zu bunt wird. Manche sind mit einer kleinen Perle oder einem Kunststein verziert.

Wenn sich Kunden, für eine Fliege entscheiden, dann rät ihnen Wermter eine Fliege zum Selbstbinden zu kaufen. "Abends kann der Bräutigam dann die Fliege aufziehen und am Körper hängen lassen. Das sieht cool aus. Ein bisschen wie James Bond."

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