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Winterreifen, Checks und Versicherung Transporter im Winter: Maßnahmen und Tipps für mehr Sicherheit

Der Winter schafft schwierige Bedingungen für Transportfahrten. Verrutscht die Ladung bei der Fahrt auf glatten Straßen, können mitunter hohe Schäden entstehen. Wie Betriebe in der kalten Jahreszeit für mehr Sicherheit sorgen können.

Eis, Schnee und Matsch, urplötzlich nasse und dann wieder trockene Straßen: In der kalten Jahreszeit sind Wetterkapriolen keine Seltenheit – und diese Bedingungen sind bei Transportfahrten besonders herausfordernd. Denn einerseits steigt auf glatten Straßen die Unfallgefahr – und andererseits kann die Ladung bei der Fahrt auf Schnee, Glatteis oder Matsch verrutschen, was hohe Schäden nach sich ziehen kann. Doch mit ein paar Vorsichtsmaßnahmen lässt sich die Sicherheit auf verschneiten Straßen erhöhen.

Wichtige Checks vor der Abfahrt

Vor der Abfahrt steht zuerst eine Überprüfung des Transporters an: Schnee und Eis müssen entfernt werden. "Das gilt nicht nur für die Scheiben und die Scheinwerfer, sondern auch für das Dach des Transporters", betont Christina Müller von der Nürnberger Versicherung. "So kann der Schnee bei der Fahrt weder auf die eigene Windschutzscheibe gelangen, noch eine Gefahr für andere Fahrzeuge darstellen." Wer mit verschneitem Dach am Verkehr teilnimmt, dem droht zudem ein Bußgeld bis zu 90 Euro. Damit der Fahrer auch bei Dunkelheit, Nebel und Schneefall den Durchblick behält, sollte er die Funktionsfähigkeit der Beleuchtungsanlagen prüfen, die Außenspiegel richtig einstellen und bei Bedarf die Scheibenwischanlage mit Frostschutzmittel auffüllen. Mit einem letzten prüfenden Blick in den Laderaum kann der Fahrer sicherstellen, dass die Ladung gut gesichert ist. Im Anschluss sollte er sich über die Situation auf den Straßen informieren und die aktuellen Wetterdaten abrufen.

Winterreifen sind unverzichtbar

Winterreifen sind natürlich grundsätzlich ein Muss. Die gängige Faustformel, wann man mit Winterreifen unterwegs sein sollte, lautet "von Oktober bis Ostern". Einen bestimmten Stichtag, ab wann die auf winterliche Straßenverhältnisse ausgelegten Pneus aufgezogen sein müssen, gibt es jedoch nicht. Wenn die Sonne scheint und die Straße trocken ist, darf grundsätzlich auch mit Sommerreifen gefahren werden – völlig unabhängig davon, ob mittlerweile Dezember ist oder ob das Thermometer Plus- oder Minusgrade anzeigt. Dennoch ist es empfehlenswert, rechtzeitig die Reifen zu wechseln: "Spätestens wenn die Temperaturen dauerhaft unter sieben Grad Celsius sinken, ist es Zeit für die Winterbereifung", sagt Frank Mauelshagen, Kfz-Experte der Ergo Versicherungsgruppe. Denn bei sieben Grad und darunter verhärtet die Gummimischung herkömmlicher Sommerreifen – und Winterreifen bieten den besseren Grip.

Praxistipp: So prüfen Sie, ob Ihre Reifen noch genug Profil haben

Was die Profiltiefe betrifft, sind zwar bei allen Reifen – im Sommer wie im Winter – nur 1,6 Millimeter gesetzlich vorgeschrieben. Zum eigenen Schutz und dem der anderen Verkehrsteilnehmer sollte man sich aber nicht allzu nah an diesem Grenzwert orientieren. Der ADAC empfiehlt eine Mindestprofiltiefe von vier Millimetern für Winterreifen. Nachmessen lässt sich das mit einem Zwei-Euro-Stück: Wenn der silberne Rand ganz im Profil verschwindet, ist selbiges noch tief genug – wenn nicht, ist es Zeit für neue Reifen. Ein Bußgeld riskiert man aber erst, wenn die Profiltiefe weniger als die vorgeschriebenen 1,6 Millimeter beträgt.

Ein weit verbreiteter Mythos

Dass der Spritverbrauch mit Winterbereifung höher wäre, ist dabei ein weit verbreiteter Mythos: Im Gegensatz zu früher, als Winterreifen ein grobstolliges Profil hatten, das einen hohen Rollwiderstand und auch laute Fahrgeräusche verursachte, ähnelt die Profilgestaltung von modernen Winterreifen der von Sommerreifen. Die Kältespezialisten haben lediglich zusätzlich Lamellen, zudem ist die Gummimischung natürlich anders. Der Rollwiderstand dagegen ist weitgehend gleich, ein Mehrverbrauch ist laut Angaben des ADAC nicht mehr messbar.

Tempo reduzieren, mehr Zeit einplanen

Während der Fahrt gilt es zu beachten, dass der Bremsweg auf winterlichen Straßen bis zu fünf Mal länger als auf trockenen Straßen ausfallen kann. Nürnberger-Expertin Müller rät daher zu einer Bremsprobe auf freier Straße zu Beginn der Fahrt. Besonders beim Transport schwerer Ladung sollte der Fahrer genügend Sicherheitsabstand zum vorderen Fahrzeug halten und die Geschwindigkeit an die Straßenverhältnisse anpassen. "Im Winter das Tempo besser reduzieren und mehr Fahrzeit einplanen", rät Müller. "Wer einen viel zu knappen Termin einhalten möchte, bringt sich selbst und die transportierte Ladung in Gefahr."

Das Überholen von anderen Fahrzeugen sollte bei Eis und Schnee vermieden werden. Für einen besseren Halt auf glatten Straßen empfiehlt sich niedertouriges Fahren im hohen Gang – dadurch lässt sich einem Durchdrehen der Antriebsräder vorbeugen. Zudem sollte man bei Schneefall etwas versetzt von den eingefahrenen Spuren fahren, weil die Spurrillen oftmals schnell einfrieren. Generell gelte es, im Winter besonders aufmerksam zu fahren, so Müller. "Bei Beeinträchtigungen durch schlechtes Wetter, etwa einer Sichtweite unter 50 Metern oder schlechtem Halt auf der Straße, lieber eine Pause auf dem nächstgelegenen Parkplatz einlegen." Gelegentliche Zwischenstopps bieten außerdem die Möglichkeit, sich neben den Radioberichten auch online über die aktuellen Geschehnisse auf der Straße zu informieren.

Achtung: Transporter-Ladung bei Kfz-Kaskoversicherung nicht mitversichert

Dennoch: Ein gewisses Unfallrisiko besteht auch bei bester Vorbereitung – im Winter reicht manchmal schon eine kurze Unachtsamkeit. Daher gilt es, auch den Versicherungsschutz genau zu prüfen. "Eine Kfz-Kaskoversicherung kommt zwar für das beschädigte Fahrzeug auf, die Ladung ist hier jedoch nicht mitversichert", warnt Nürnberger-Expertin Müller. Hierfür ist zusätzlich eine Transportinhaltsversicherung notwendig. Diese springt bei Schäden an eigenen Arbeitsgeräten und Maschinen inklusive geleaster Geräte ein, genauso wie bei Kundenwaren. Abgesichert sind entweder die Reparaturkosten oder im Fall eines Totalschadens der Ladung der Handelswert für die Wiederbeschaffung. Darüber hinaus schließt der Schutz Unfall, Diebstahl und Unterschlagung des eigenen Fahrzeugs mit ein.

Checkliste: Das gehört im Winter in jeden Transporter

Die passenden Reifen alleine machen ein Fahrzeug nicht winterfest: In der kalten Jahreszeit gehören außerdem in jedem Fall ein Starthilfekabel und ein Abschleppseil in den Laderaum. Außerdem sollte der Erste-Hilfe-Kasten überprüft und sichergestellt werden, dass dieser komplett bestückt ist. Warndreieck und Ersatzreifen müssen ebenso in einwandfreiem Zustand sein. Auch Eiskratzer, Handbesen, ein Tuch zum Abwischen beschlagener Scheiben sowie Türschlossenteiser gehören zur Winterausrüstung. Zudem sollte immer ausreichend Scheibenfrostschutzmittel und je nach Witterung und Fahrtziel auch Schneeketten mitgeführt werden. Warme Handschuhe und eine dicke Wolldecke sollten ebenfalls im Fahrzeug bereit liegen – denn wer im Schneetreiben stecken bleibt, möchte schließlich nicht auch noch frieren, während er auf den Abschleppdienst wartet.

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