Lebensmittelverschwendung Too Good To Go: Fertige Mahlzeiten retten statt neue bestellen

In Bäckereien, Metzgereien, Cafés und Restaurants bleiben jeden Tag viele fertige Mahlzeiten, Backwaren und Lebensmittel übrig, die man nur am Tag der Herstellung frisch verzehren kann. Vieles landet am Ende im Müll. Alternative: Die überproduzierten Lebensmittel zum reduzierten Preis verkaufen. Das geht auch mit der App "Too Good To Go". Mahlzeiten retten: So können Betriebe mitmachen.

Alternative zur herkömmlichen Online-Essensbestellung: "Too good to go" vermittelt per App Mahlzeiten und Lebensmittel, die ansonsten weggeworfen werden. - © Too good to go

Mehr als ein Drittel aller produzierten Lebensmittel wandert direkt in den Müll statt in den Mund. Sie werden produziert, damit die Verkaufsregale immer voll, das Angebot breit und die Auswahl an Speisen groß ist – bestenfalls bis kurz vor Ladenschluss. Vor allem was dann an bereits fertig Zubereitetem übrig bleibt, können Betriebe am nächsten Tag meist nicht mehr verkaufen. Auch für Lebensmittelspenden eignet es sich nicht immer. So dürfen beispielsweise die Tafeln fertige Speisen und wärme- oder kühlpflichtige Ware nicht abholen.

Too Good To Go: Mahlzeiten retten, die ansonsten im Müll landen

Damit die überproduzierten Waren, die fertigen Gerichte, belegten Brötchen und einwandfrei genießbaren Lebensmittel dennoch gegessen statt weggeworfen werden können, versucht die Initiative "Too Good To Go" sie per App an hungrige Lebensmittelretter zu vermitteln. Konkret: Betriebe bieten das überschüssige Essen zu einem vergünstigten Preis online an. Wer es abholt, bekommt eine Art "Überraschungstüte" – nicht das, was er bestellt und was explizit zubereitet wird, sondern das, was noch da ist. So werden Lebensmittel nicht weggeworfen, Menschen satt und sie bekommen hochwertiges Essen zu einem günstigen Preis.

Seit dem Start von "Too Good To Go" haben sich in Deutschland rund 11.000 Betriebe in rund 900 deutschen Städten registriert und bieten über die App Lebensmittel an, die dann am selben Tag noch abgeholt werden können. Weltweit sind es nach Angaben der Initiative 130.000 in 17 verschiedenen Ländern und insgesamt fast 109 Millionen gerettete Mahlzeiten.

Mitmachen kann im Prinzip jeder Betrieb, der Lebensmittel herstellt und/oder verkauft, seine überproduzierte Ware über unsere App anbieten möchte. Das gilt auch für Metzgereien, deren Waren man oft gekühlt oder direkt verzehrt. Denn die Lebensmittelbetriebe verkaufen ihre Waren oder Mahlzeiten schließlich innerhalb der normalen Öffnungszeiten direkt an die Kunden. "Too Good To Go" tritt hierbei lediglich als Vermittler auf. "Dadurch handelt es sich bei uns quasi um ein klassisches Take-Away, die Kunden holen also ihr Essen zum direkten Verzehr selbst ab und somit gibt es keine Probleme mit Hygieneauflagen", erklärt dazu Teresa Sophie Rath von "Too Good To Go".

So funktioniert die Bestellung über "Too Good To Go"

Die App funktioniert so, dass die Kunden bequem über Smartphone oder PC einen Laden in ihrer Umgebung aussuchen und filtern, worauf sie gerade Lust haben – also Brötchen, Leberkäs-Semmel, Pizza, Sushi oder etwa Tapas. Was genau eine dann bestellte Portion beinhaltet, bestimmt der Betrieb, der es in Form der "Überraschungstüte" zusammenstellt. Das können zum Beispiel Obst und Gemüse aus dem Supermarkt, Brötchen und süße Teilchen vom Bäcker oder Sushi vom Lieblingsjapaner sein. Eines haben die Portionen immer gemeinsam, nämlich dass es sich dabei um überschüssige Lebensmittel handelt.

"Der Preis einer Portion beträgt maximal die Hälfte des Originalpreises und durchschnittlich drei Euro", erklärt  die Sprecherin der Initiative. Im Profil des Ladens erhält man eine Beschreibung dessen, was man dort eventuell bekommen kann. Dass man nicht zu 100 Prozent weiß, was man bekommt, macht laut Rath auch einen besonderen Reiz der Aktion aus. Außerdem könnte man so auch neue Restaurants und Geschäfte in seiner Stadt kennenlernen. Die bisherige Erfahrung zeigt zwar, dass das Konzept in Städten schneller angenommen wird. Dennoch versuchen die Anbieter auch in ländlicheren Gebieten Betrieben hinzuzugewinnen.

Um die Mengen der weggeworfenen Lebensmittel zu reduzieren, bedarf es ganz unterschiedlicher Ansätze. "Mit unserem Konzept ergänzen wir die Tafeln und andere Organisationen und sorgen dafür, dass verschiedene gesellschaftliche Akteure gemeinsam so viele Lebensmittel wie möglich vor dem Entsorgen retten", fasst es Teresa Sophie Rath zusammen. Im Fall von  "Too Good To Go" auch einzelne Portionen für einzelne Personen. Genau damit schließt die Initiative aber eine Lücke, die fertig zubereitete Speisen rettet. Werden allein in Deutschland jedes Jahr 18 Millionen Tonnen Essen weggeworfen, wenn man die ganze Wertschöpfungskette betrachtet von den Feldern, dem Einzelhandel, der Gastronomie und den Haushalten. So wären nach Angaben von "Too Good To Go" davon satte zehn Millionen Tonnen vermeidbare Abfälle. Jährlich wandern so auch rund 235 Euro pro Person in den Müll.