Schmerzen vermeiden Tipps gegen Rückenschmerzen bei der Arbeit

Muskel-Skeletterkrankungen verursachen die meisten Krankheitstage im Handwerk. Wie sich gegensteuern lässt.

Mann mit Rückenschmerzen
Auch ein starker Rücken kann schmerzen, wenn er keinen Ausgleich bekommt. - © blackday - stock.adobe.com

Drei von vier Erwachsenen in Deutschland leiden regelmäßig an Rückenschmerzen. Entsprechend häufig melden sich Versicherte krank. 32 Prozent aller Krankheitstage gingen 2020 auf Erkrankungen von Muskel, Skelett oder Bindegewebe zurück, im Handwerk waren es 35,4 Prozent, im Bau- und Ausbaugewerbe sogar 42,3 Prozent. Dabei waren Beschäftigte am Bau nicht häufiger, wohl aber deutlich länger als der Durchschnitt krank (Fehlzeiten-Analyse der IKK Classic 2020).

Zwangshaltungen wie das Knien und Hocken, Arbeiten über Schulterniveau, Arbeiten in extremer Rumpfbeuge, aber auch erzwungene Sitzhaltungen in Kombination mit Ganzkörpervibrationen belasten. Hinzu kommt die häufig erhöhte Kraftanstrengung oder -einwirkung, außerdem in vielen Berufen Hand- und Armvibrationen.

Was den Körper im Handwerk und insbesondere am Bau so viel stärker beansprucht als in anderen Branchen, ist laut Berufsgenossenschaft Bau nicht nur das Heben und Tragen von Lasten.

Ergonomische Arbeitsplätze

Doch die schwere Arbeit muss nicht zwingend körperlichen Verschleiß zur Folge haben. Zwar ist es an Baustellen schwieriger als andernorts, einen ergonomischen Arbeitsort einzurichten, denn die Bedingungen ändern sich ständig. Aber es gibt Hilfsmittel, um die körperlichen Belastungen systematisch zu ermitteln, zu beurteilen und dann passende Maßnahmen zu ergreifen. Die Web-App "DigitGB" der BG Bau beispielsweise erleichtert dies.

Trotzdem kosten eine solche Gefährdungsbeurteilung und die dazugehörenden Maßnahmen Zeit – und Zeit ist ein häufig unterschätzter Faktor beim Krankheitsgeschehen. Im Arbeitsalltag verzichten viele auf Hilfsmittel, weil die Arbeit scheinbar schneller geht ohne. Auf lange Sicht – Stichwort langwierige Erkrankungen – geht so aber Arbeitszeit verloren und außerdem Lebensqualität durch dauerhafte Schmerzen.

Warnzeichen Schmerz

Meist warnt der Körper durch Verspannung oder Unwohlsein, wenn er überfordert ist. Viele Menschen übergehen aber diese Alarmsignale und versuchen, auftretende Schmerzen mit Medikamenten, Massagen oder Wärme beizukommen. Das zeigt eine Befragung unter Rückenpatienten aus dem Jahr 2014. Doch Schmerzmittel oder Anwendungen sind nur Erste-Hilfe-Maßnahmen, die an der Ursache nichts ändern.

Um das Problem grundsätzlich zu lösen, müssen Betroffene grundsätzlich etwas ändern, bei der Arbeit wie privat. So empfiehlt die BG Bau, von vornherein Minipausen in Arbeitsabläufe einzuplanen und niemals über Schmerzen oder auch nur körperliches Unbehagen hinwegzugehen. Eine Pause ist immer dann fällig, wenn der Körper nach Ausgleichsbewegungen verlangt, auch wenn die Arbeit noch nicht beendet ist. Und auch in der Freizeit ist Ausgleichssport wichtig, selbst für Menschen, die sich den ganzen Tag bewegt haben. Nur so lässt sich die Muskulatur wieder lockern und kräftigen.