Hauptgeschäftsführer des Zeitarbeitverbands BAP Thomas Hetz: "Wir sind ein Gradmesser"

Im Interview erklärt Thomas Hetz, Geschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbands der Personaldienstleister, warum sich die Zeitarbeit im Abschwung befindet und wie neue Beschäftigte gewonnen werden können.

Steffen Guthardt

Thomas Hetz sieht für die Zeitarbeit bei ausländischen Fachkräften Potentiale. - © Foto: BAP

DHZ: Herr Hetz, die Beschäftigung in der Zeitarbeit ist seit einigen Monaten rückläufig. Wo liegen die Gründe?

Hetz: Die Entwicklung im Dezember bewegt sich im Rahmen dessen, was auch in den Jahren zuvor stattgefunden hat. Allerdings sind die Zeitarbeitneh­merzahlen bereits seit Juli 2012 zurückgegangen. Als zentrale Ursache kommt die schwierige konjunkturelle Entwicklung im IV. Quartal 2012 in Betracht. Etwas zu Auswirkungen der Branchenzuschlagstarife zu diesem Zeitpunkt zu sagen, wäre noch verfrüht. Das System dieser Tarife deckt mittlerweile nahezu alle Wirtschaftsbereiche in Deutschland ab, bei denen es bisher eine Lohnlücke gab. Wir sind allerdings mit den laufenden Tarifverhandlungen auf dem Weg, die von der Politik geforderte flächendeckende Lösung präsentieren zu können.

DHZ: Besonders Mittelständler scheinen von dem Rückgang betroffen.

Hetz: Pauschal kann man das nicht sagen. Es gibt Monate, so zeigt der IW-Zeitarbeitsindex, in denen die großen Zeitarbeitsfirmen Rückgänge zu verzeichnen haben, und es gibt Phasen, in denen es die kleineren Unternehmen betrifft. Bei den spezialisierten Zeitarbeitsfirmen kommt es vor allem auf die Art der Spezialisierung an. Der Markt gibt vor, wo er Bedarf hat. Grundsätzlich lässt sich natürlich sagen, dass große Zeitarbeitsfirmen eine Nachfrage besser abpuffern können als kleine Unternehmen. Das liegt auch an der höheren Zahl der Mitarbeiter, die dort beschäftigt sind, aber ebenso an der breiten Aufstellung der Qualifikationen der Zeitarbeitnehmer. Vor allem sind jedoch Zeitarbeitsfirmen gefragt, die genügend Fachpersonal haben. Denn dieses wird nachhaltig gesucht, egal, ob es sich um eine kleine, große oder spezialisierte Zeitarbeitsfirma handelt.

DHZ: Warum gibt es bundesweit so große Unterschiede bei der Nachfrage?

Hetz: Dies mag zum einen daran liegen, dass sich die Konjunktur in den Regionen bzw. Bundesändern unterschiedlich entwickelt. Zum anderen könnte die regionale Schwankung vielleicht keine regionale, sondern eine branchenspezifische sein, denn Zeitarbeitnehmer sind vor allem in den Bereichen Verkehr, Logistik und Metall gefragt. Ein weiterer Grund könnte sein, dass es in einem Ballungsgebiet mehr Arbeitgeber aus der Zeitarbeitsbranche gibt als an einem anderen Standort. Das plausibels­te Argument scheint mir jedoch die mehr oder weniger verstärkte Ansiedlung von Industrie. Aber auch im Dienstleistungsbereich stellen wir eine zunehmend intensive Nachfrage fest.

DHZ: Wie versuchen Sie dem Bundestrend entgegenzuwirken?

Hetz: Die Branche Zeitarbeit ist, ebenso wie die anderen Branchen, von der Konjunktur abhängig. Wir sind darauf angewiesen, dass die Wirtschaft sich erholt. Wir würden es auch als Erste spüren und sind damit eine Art Gradmesser oder Indikator, wenn Sie so möchten.

DHZ: Für wen ist Zeitarbeit derzeit noch attraktiv?

Hetz: Interessant ist Zeitarbeit für Facharbeiter, Höherqualifizierte, Arbeitsuchende, aber auch Ungelernte, die gleichzeitig die Chance auf Qualifizierung haben, sowie für Berufseinsteiger und auch für Studienabgänger, die den Arbeitsmarkt von unterschiedlichen Seiten kennenlernen möchten.

DHZ: Spielt Zeitarbeit im Handwerk überhaupt eine Rolle?

Hetz: Eine große, obwohl naturgemäß die Nachfrage von Seiten der Industrie höher ist. Beim Stichwort Flexibilität und Auftragsspitzen sind im Handwerk vor allem Maler, Lackierer, Elektro- und Sanitärhandwerker gefragt, manchmal auch Tischler. Kleine und mittelständische Betriebe sind darauf angewiesen, flexibel auf Aufträge reagieren zu können. Sie entsenden für ein Projekt oft nicht selten mehr als nur zwei Handwerker für drei Wochen.

DHZ: Setzen Sie auch auf Arbeitskräfte aus dem Ausland?

Hetz: Längerfristig werden auch ausländische Arbeitskräfte in der Zeitarbeit eine Rolle spielen. Diese Erkenntnis ziehen wir aus unseren Gesprächen auf internationaler Ebene im Eurociett und Ciett, in denen wir als einziger deutscher Zeitarbeitsverband vertreten sind.

DHZ: Bitte eine Prognose. Wo steht die Zeitarbeit zum Jahresende?

Hetz: Ich nehme an, dass die Zeitarbeit sich auf ihrem Niveau in etwa halten wird. Allerdings hängt das auch von der wirtschaftlichen Entwicklung, nicht zuletzt auch auf europäischer Ebene, ab. Auch die politischen Rahmenbedingungen nach der Bundestagswahl spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle.