Schon der erste Corona-Lockdown hat die Textilreinigungen und Wäschereien hart getroffen. Starke Umsatzrückgänge im November-Lockdown werden die bereits geschwächte Branche zusätzlich belasten, warnt der Deutsche Textilreinigungsverband. Von der Politik fordern Betroffene, wie Textilreinigermeister Ralf Heisterkamp, ihr Gewerk endlich als systemrelevant einzustufen.
Eileen Wesolowski

Geschlossene Gaststätten, Veranstaltungs- und Übernachtungsverbote, Menschen, die sich vermehrt in ihrem Zuhause aufhalten – Branchen wie die Gastronomie und Hotellerie treffen die Maßnahmen des November-Lockdowns direkt, andere mittelbar. Dazu zählt auch die Textilpflege. "Wir leben von Veranstaltungen wie Hochzeiten, Kommunionen oder Weihnachtsfeiern. All das fällt nun weg", berichtet Textilreinigermeister Ralf Heisterkamp. In seinem Betrieb leide aktuell vor allem das Geschäft mit der Pflege von Tischwäsche, Anzügen und Abendgarderobe. "Weil viele Menschen im Homeoffice arbeiten, werden aber auch weniger Oberhemden bei uns abgegeben", berichtet der Inhaber der Tip Top Textilpflege aus Bocholt (Münsterland). Auch der Deutsche Textilreinigungsverband (DTV) warnt, dass in der Branche mit ähnlich dramatischen Einbrüchen wie im ersten Lockdown zu rechnen sei: "Mit dem Unterschied, dass die Einbrüche diesmal auf eine stark geschwächte Ausgangsituation aufsetzen", sagt Geschäftsführer Andreas Schumacher.
Schon erster Lockdown traf Textilreinigungen und Wäschereien hart
Auch Heisterkamp hatte im April und Mai 2020 einen Einbruch von ungefähr Zweidrittel seines Umsatzes verbüßen müssen. Dienstleistungen wie die Pflege von Berufsbekleidung, die der Unternehmer ebenfalls anbietet, wurden kaum in Anspruch genommen. "Und weil keine Privatkunden mehr kamen, haben wir unser Geschäft in dieser Zeit an den Nachmittagen ganz geschlossen", berichtet der Betriebsinhaber.
Auch für viele andere Textilpflegebetriebe kamen die Probleme mit dem ersten Lockdown, wie der DTV bestätigt. Laut einer Umfrage des Verbands hatte die gesunkene Nachfrage im Frühjahr 2020 bei 92 Prozent der befragten Wäschereien und Reinigungen weitreichende Folgen. 68 Prozent der Betriebe fuhren aufgrund der Corona-Krise ihre Investitionen zurück, fast die Hälfte der Befragten beklagte Liquiditätsengpässe (49 Prozent). Besonders hoch sei der Umsatzrückgang bei Unternehmen gewesen, die fast ausschließlich für die Hotel-, Restaurant- und Catering- (HoReCa) sowie Veranstaltungsbranche arbeiten. "Sie verzeichneten teilweise Umsatzeinbrüche von bis zu 90 Prozent", sagt Schumacher.

85 Prozent der befragten Betriebe führten zudem Kurzarbeit ein. Dazu zählt auch Tip Top Textilpflege: "So war ich in der Lage alle meine 48 Mitarbeiter zu halten", erzählt Handwerker Heisterkamp. Auch andere finanzielle Unterstützungen wie die Sofort- und Überbrückungshilfen beantragte der Unternehmer. Allerdings hätte er sich einfachere und verständlichere Anträge gewünscht. Schumacher bestätigt: "In vielen Fällen scheitern Unterstützungsmaßnahmen an den bürokratischen Hürden. Zudem beklagten sich viele Betriebe, dass das Kurzarbeitergeld sehr spät gezahlt wurde."
November-Lockdown trifft bereits geschwächte Branche
Nach Auskunft des DTV hob sich im Laufe des Sommers der Umsatz einzelner Unternehmen wieder auf den von 60 bis 70 Prozent des Vor-Corona-Niveaus. Insgesamt sei die Erholung in der Branche aber nicht einheitlich gewesen. Seit Oktober verschlechtere sich die Situation zudem erneut. Auch Heisterkamp berichtet: "Seit der kurzen Zeit, in der die Gaststätten und Hotels wieder geöffnet hatten, haben wir uns nicht wieder vollständig erholt."
Daniel Dalkowski, Geschäftsführer der Europäischen Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege (EFIT), warnt ebenfalls vor der aktuellen Situation: "Leider brechen aufgrund der Kontaktbeschränkungen die Umsätze massiv ein und der Fortbestand vieler Betriebe ist stark gefährdet." Der Bedarf nach professioneller Reinigung sinkt – so heißt es auch vonseiten des DTV – weil etwa im Home-Office niemand Businessbekleidung trägt. Für das Tragen von Abend-, Hochzeits- und Festbekleidung fehlten aufgrund des Veranstaltungsverbots die Anlässe.
Der November-Lockdown wirke sich zudem umso eklatanter aus, weil viele Unternehmen die Frühlingskrise noch nicht überwunden haben. Der Verband fordert von der Politik deshalb praxisgerechtere Hilfen: Aktuell können nur die Betriebe, die 80 Prozent ihres Umsatzes mit einem von den Novemberschließungen betroffenen Unternehmen generieren, mit finanziellen Hilfen rechnen. "Ein Wäschereibetrieb, der 60 Prozent seines Umsatzes mit Hotel- und Gastrowäsche erwirtschaftet und 40 Prozent im Bereich Krankenhauswäsche, wäre von den Novemberhilfen ausgeschlossen", warnte in diesem Zusammenhang auch Holger Schwanneke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks.
Der Lösungsvorschlag des DTV: "Bei Mischbetrieben muss bezogen auf das Gesamtunternehmen ein Umsatzeinbruch von 50 Prozent ausreichend sein, um einen Anspruch auf die außerordentliche Wirtschaftshilfe zu begründen." Alternativ, so Schumacher, könne bei einer alleinigen Betrachtung der Betriebsteile im Bereich Hotels bzw. Gastronomie auf einen Umsatzrückgang von 70 bis 80 Prozent abgestellt werden.
Einstufung als systemrelevant
Textilreinigermeister Ralf Heisterkamp wünscht sich zudem von der Politik, dass sie die Textilpflegebranche als systemrelevant einstuft. Das fordert auch der DTV: Einige Betriebe – überwiegend textile Dienstleister für das Gesundheitswesen – hätten im Frühjahr große Probleme mit der Anerkennung gehabt. Die Folge: Sie konnten ihre Mitarbeiter nur unter erschwerten Bedingungen mit den Desinfektionsmitteln, Atemschutzmasken und Schutzbekleidung versorgen. "Wäschereien und textile Dienstleister für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen leisten in Corona-Zeiten einen unverzichtbaren Job, um Hygiene-Standards aufrecht zu erhalten und die Ausbreitung des Virus gerade in den Risikogruppen zu verlangsamen", so Schumacher. "Für diejenigen, die mit potenziell kontaminierten Textilien – etwa aus Krankenhäusern – umgehen müssen, fordern wir einen schnellen Zugriff auf angemessene Schutzausrüstung. Die fehlende Einstufung als systemrelevant führte zudem zu Problemen bei der Kindernotbetreuung." Vor allem in Hinblick auf die zweite Corona-Welle gewinne diese Debatte erneut an Aktualität.