Ölpreis unter Druck Teures Öl: Kommt jetzt der letzte Absturz?

Die Welt wendet sich vom Öl ab. Unternehmen und Staaten wollen nachhaltiger werden und weniger fossile Brennstoffe verfeuern. Gut möglich, dass der Ölpreis zunächst noch einmal steigen wird. Langfristig aber stellt sich die Frage: Wohin mit dem ganzen Öl?

Maschinen gewinnen Öl aus Erde, Sonnenuntergang.
Der Ölpreis könnte in den kommenden Monat weiter sinken. - © Photocreo Bednarek - stock.adobe.com

Der Ölpreis ist ein Spiegel der Weltkonjunktur. Geht es der Wirtschaft gut, wird entsprechend viel Öl verbraucht und der Preis steigt. Krisen lassen den Preis ebenfalls anziehen, schließlich könnte der Nachschub des kostbaren Guts stocken. Das Ölkartell der Opec-Staaten nimmt ebenfalls Einfluss auf die Preise, selbst wenn das in den letzten Jahren immer weniger funktioniert hat. Manches Mal drückt das Überangebot auf dem Markt zur Freude der Abnehmer den Preis. Doch nichts bringt den Ölpreis mehr unter Druck als die Angst vor einer Rezession. Und da stehen wir derzeit.

Wer will noch Öl kaufen?

Wir steuern auf eine Phase des Überangebots zu. Wie die Notenbanken in den kommenden Monaten auch handeln werden, die bislang getätigten und angekündigten Zinsschritte werden die Weltwirtschaft treffen. Steigende  Zinsen werden Investitionen verteuern, manches Geschäftsmodell in Frage stellen und Konsumenten verunsichern. Die Welt verharrt in Rezessionsangst-Starre. Wer will da noch Öl kaufen?

Hinzu kommt, dass gerade in Zeiten schwacher Wirtschaftsdaten die ölexportierenden Staaten gerne mal ihre Defizite im Staatshaushalt durch Mehr-Produktion ausgleichen. Die eigene darbende Bevölkerung zu unterstützen ist ein hehres Ziel. Dafür mehr Öl auf den Markt zu werfen, funktioniert aber nur, wenn die Preise einigermaßen stabil bleiben. Doch offenbar nutzen manche Staaten die Notlage Russlands aus, das sein Öl nicht mehr an die großen Abnehmer im Westen loswird. Indien und China kaufen groß und billig ein. 

Der Ölpreis macht keine großen Sprünge mehr

Dies spricht dafür, dass der Ölpreis in den kommenden Monaten keine großen Sprünge nach oben machen wird. Eher ist zu erwarten, dass es ein gutes Stück weiter nach unten geht. So weit, dass irgendwann die Energiepreise als Treiber der Inflation ausfallen, die Notenbanken die Zinsen wieder senken und die Weltwirtschaft wieder anspringt. Dann wird Öl wieder teurer werden.

Möglicherweise beginnt dann ein neuer Zyklus mit steigenden Ölpreisen, Krisen, Inflationsängsten, Zinssteigerungen und so weiter. Ein Schweinezyklus, der ewig so weitergehen könnte? Nein, denn die Welt wendet sich vom Öl ab, will nachhaltiger werden, weniger fossile Brennstoffe verfeuern. Möglich also, dass dieser Absturz der letzte ist. Dem folgt noch einmal ein Wiederaufstieg des Öls. Der nächste Absturz wird dann aber die gesamte Ölwirtschaft beenden.

Zum Autor: Uwe Zimmer ist Geschäftsführer der z-invest GmbH in Köln.