Wie ein Kfz-Betrieb reagiert Wenn Gas plötzlich das 5- bis 10-fache kostet

Nachdem ihm sein Gasversorger eine massive Preiserhöhung ankündigte, durchforstete Thomas Endres seinen Kfz-Betrieb nach Einsparpotenzialen – und wurde fündig.

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Die aktuellen Entwicklungen auf dem Energiemarkt schlagen auch im Handwerk voll ein. - © Sascha Schneider/bild-text-ton.de

Die schlechte Nachricht erreichte Thomas Endres und seine Frau Mitte August im Sommerurlaub. Der Gasversorger kündigte für den Allersberger Kfz-Betrieb Auto-Einmal-Eins GmbH (AEE) lapidar an, dass sich ab 1. Oktober der monatliche Gasabschlag auf 8.000 Euro erhöht. Im Vergleich zum Jahr 2020 wäre das fast das Zehnfache, gegenüber dem letzten Jahr immerhin noch fünfmal mehr. "Es war ein richtiger Schock", so Automobilkaufmann Endres. "Wenn das wirklich so kommt, sperren wir lieber zu."

Doch ganz so schlimm wird es wohl kurzfristig nicht kommen. Das Ehepaar machte sich auf die Suche nach einem alternativen Anbieter – zunächst ergebnislos. Auf die ersten Anfragen erhält der Mitgliedsbetrieb der Handwerkskammer für Mittelfranken überhaupt kein Angebot. "Auf Nachfrage wurden wir abgelehnt." Jetzt zeichnet sich ein Vertrag ab, der "nur noch um das Sechs- bis Siebenfache teurer ist". Über den verdreifachten Strompreis regt sich Endres gar nicht mehr auf.

Keine Genehmigung für PV-Anlage

Dafür durchforstet Endres seinen Betrieb nach Einsparpotenzial. Die bereits früher geplante Photovoltaikanlage bekam wegen Denkmalschutzes in der Umgebung keine Genehmigung. Deshalb will er jetzt die Werkstatt von der Gasversorgung abkoppeln, die immerhin für mehr als die Hälfte des Gasverbrauchs steht. Statt grüner Energie vom Dach will er kurzfristig die Werkstatt-Halle für ein bis zwei Jahre mit einer Puls-Air-Heizung betreiben. Die verbrennt zwar fossiles Heizöl, ist allerdings um die Hälfte effizienter. Außerdem gehe es ihm auch schlicht um "Versorgungssicherheit". Schon jetzt ist Endres klar, dass in der kalten Jahreszeit die Fahrzeugausstellung von AEE nicht beheizt wird. Die Beleuchtung ist bereits auf LED umgestellt, jetzt sollen Bewegungsmelder weiter beim Sparen helfen. Zusätzlich werden Mitarbeiter für diesen Winter in einem Büro zusammengelegt, um die Raumtemperatur effizient zu nutzen.

"Wir sind zu klein, um einen richtigen Aufstand zu machen"

Dass Endres mit seiner Not nicht allein ist, ist ihm kein Trost. Der langjährige Vorstand der Unternehmervereinigung Allersberg ist immer noch gut vernetzt und hört von etlichen anderen Betrieben Ähnliches. Ein Fliesenleger vor Ort will seine Halle nicht mehr beheizen, auch ein lokaler Elektriker lässt seine Ausstellung kalt. Fehlt bei Betrieben zusätzlich ein Nachfolger, wollen die Seniorchefs die Reißleine ziehen und dichtmachen. "Die Politik weiß, der Mittelstand ist leidensfähig", bringt es Endres auf den Punkt. "Und wir sind zu klein, um einen richtigen Aufstand zu machen."