Handwerk im TV "Tatort": Hat die vegane Bäckerin den Elektriker ermordet?

Am 14. Dezember um 20:15 Uhr geht das "Tatort"-Duo aus Wien zum drittletzten Mal auf Täterfang und muss einen perfiden Mord an einem Handwerker aufklären. Ob sich das Einschalten beim neuen ARD-Krimi lohnt, erfahren Sie in unserer Filmkritik.

Die "Tatort"-Ermittler Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer)
Die "Tatort"-Ermittler Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) fühlen dem Heimbewohner Fritz (Johannes Silberschneider) auf den Zahn. - © ORF/Dean Michael Buscher

Erst vor wenigen Tagen lüftete der österreichische Sender ORF ein Geheimnis. Denn er verriet den Millionen "Tatort"-Fans in Deutschland und unserem Nachbarland endlich, wer die altgedienten Wiener Kriminalisten Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) in den Fadenkreuzkrimis aus Österreich beerbt: Laurence Rupp und Miriam Fussenegger treten ihren Dienst an der Donau im Jahr 2027 an und gleichzeitig in riesige Fußstapfen. Moritz Eisner und Bibi Fellner zählen schließlich auch hierzulande zu den beliebtesten Ermittlerteams, gehen 2026 aber nach vielen erfolgreichen Jahren altersbedingt in den wohlverdienten "Tatort"-Ruhestand.

Ihr drittletzter Fall, den das Erste und ORF2 am Sonntag, 14. Dezember 2025, um 20:15 Uhr im TV ausstrahlen und in die Mediatheken bringen, ist aus Sicht des Handwerks doppelt spannend – dreht er sich doch um das Ertrinken eines früheren Elektrikers, der körperlich eingeschränkt ist und inzwischen in einem Pflegeheim versorgt wird. Darüber hinaus sind in diesem Austro-"Tatort" unter Regie von Harald Sicheritz unter den Verdächten gleich zwei Handwerker, die nicht gut auf den Ermordeten zu sprechen waren. Und auch bei der Auflösung der Täterfrage spielt das Handwerk eine entscheidende Rolle.

Darum geht es im "Tatort: Der Elektriker"

Wien, im Alten- und Pflegeheim "Haus Laetitia": Der gehbehinderte Rentner Danijel Filipovic (Roman Frankl) wird gerade von seinem Pfleger Horst Windisch (Michael Edlinger) per Hebelift in die Badewanne gehoben, als der Feueralarm losschrillt: Heimbewohner Fritz (Johannes Silberschneider) hat verbotenerweise in seinem Zimmer geraucht. Kurz darauf gibt es einen Stromausfall im ganzen Haus. Weil das Heim personell unterbesetzt ist, lässt Windisch Filipovic für ein paar Minuten in der Badewanne allein, um den Alarm zu deaktivieren und den Sicherungskasten aufzusuchen. Als er ins Badezimmer zurückkehrt, ist Filipovic in der Wanne ertrunken. Reanimationsversuche schlagen fehl.

Chefinspektor Moritz Eisner und Majorin Bibi Fellner, die bei ihren Untersuchungen von Kriminalassistentin Meret Schande (Christina Scherrer) und Gerichtsmediziner Prof. Werner Kreindl (Günter Franzmeier) unterstützt werden, gehen zunächst von einem tragischen Unfall aus – Windisch erklärt ihnen allerdings, dass Filipovic sich unmöglich selbst in die Wanne hätte bewegen können. War es Mord? Je länger sich das Ermittlerduo im Haus Laetitia umhört, desto klarer wird: Der Tote hatte mehr als nur einen Feind.

Unter Verdacht: eine Bäckerin und ein Fußpfleger

Rauchmelder und Sicherungskästen, Stromschläge und ein rätselhafter Phasenprüfer: Dass das Elektrohandwerk und die Rolle der Elektrik im Allgemeinen eine zentrale Rolle in diesem Film spielen, ist erfreulich und angesichts des Krimititels keine große Überraschung. Darüber hinaus kommen gleich drei weitere Gewerke zu ihrem Recht – nicht zuletzt auch beim Tathergang, der an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird. Den klugen finalen Clou erzählen die Filmschaffenden wie in der Krimireihe üblich erst spät, denn "Der Elektriker" hatte mehr als nur eine Leiche im Keller. Wer war dieser Mann? Hatte ihn womöglich der Fußpfleger Ivica Kjuric (Aleksandar Petrovic) – ein Mann, dessen Hände täglich wertvolle Dienste im Heim leisten und der wie der Tote aus Ex-Jugoslawien stammt – auf dem Kieker?

Linda Filipovic (Gabriela García-Vargas) gerät unter Verdacht: Weil ihre vegane Bäckerei nicht läuft, plagen sie finanzielle Sorgen. - © ORF/Dean Michael Buscher

Auch die Tochter des Ermordeten zählt in diesem Whodunit in Agatha-Christie-Manier zum Kreis der Verdächtigen, und auch sie übt ein wichtiges Handwerk aus: Linda Filipovic (Gabriela García-Vargas) ist Bäckerin und hat sich mit ihrer pink-orange-rot eingerichteten, veganen Bäckerei "Das Veggerl" selbstständig gemacht. Dass das Geschäftsmodell bei der Wiener Kundschaft (noch) nicht zündet, wird auch abseits der kurzweiligen Dialoge erzählt: Bei den Stippvisiten der Kommissare, die das Pflegeheim sonst (fast) nur für Besprechungen im Präsidium verlassen, herrscht im Verkaufsraum gähnende Leere. Mit Blick auf die Tatsache, dass vegane Bäckereien in vielen (Groß-)Städten längst etabliert sind, ein durchaus überraschender Umstand – vielleicht hapert’s ja an modernem Marketing.

Ein "Tatort" nach klassischer Konstruktion

In Sachen Modernität hat auch dieser "Tatort" noch Luft nach oben: Dramaturgisch wandelt er auf Pfaden, die die Krimreihe über Jahrzehnte hinweg ausgetreten hat. Gerade deshalb kommt aber vor allem das Stammpublikum, das in der Hoffnung auf einen knifflig zu lösenden Mordfall, eine Handvoll Verdächtige mit eindeutigem Mordmotiv und ein blendend aufgelegtes Ermittlerduo einschaltet, bei diesem kurzweiligen Krimi voll auf seine Kosten: Mitgerätselt werden darf bis in die Schlussminuten und allein die Sequenz, in der sich Moritz Eisner bei der Rekonstruktion des Tathergangs in den Hebelift setzen lässt und dafür spöttische Blicke seiner besseren Ermittlungshälfte erntet, ist das Einschalten wert.