Lohntarifverhandlungen Tarifverhandlungen im Gerüstbauer-Handwerk: Das ist der Stand

Nach der vierten Verhandlungsrunde melden sich die Tarifpartner im Gerüstbauer-Handwerk mit gegensätzlichen Stellungnahmen zu Wort. Unstrittig ist, dass die Tarifverhandlungen gescheitert sind. Bemerkenswert sind die Aussagen über mögliche Haustarifverhandlungen.

Rund 35.000 Männer und Frauen sind im Gerüstbauer-Handwerk beschäftigt. Da die bisherigen Tarifverhandlungen zu keiner Einigung geführt haben, bleiben sie vorerst ohne Tarifvertrag. - © goodluz - stock.adobe.com

Die Lohntarifverhandlungen im Gerüstbauer-Handwerk sind in eine Sackgasse geraten. Auch in der vierten Runde konnten sich Gewerkschaft und Arbeitgeber nicht auf einen Lohntarifvertrag einigen. Stattdessen zeichnet sich ein Konflikt über das weitere Vorgehen ab. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, lieber auf Haustarifverhandlungen setzen zu wollen, als sich wieder an den Verhandlungstisch zu setzen.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) ging mit einer Forderung von 7,4 Prozent im ersten und 4,5 Prozent im zweiten Jahr in die Verhandlungen. Die Tarifkommission von Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau bot fünf Prozent im ersten und drei Prozent im zweiten Jahr an. Der Gerüstbau gehört zwar zum Bauhauptgewerbe, führt aber eigene Tarifverhandlungen mit der IG BAU.

Tarifverhandlungen im Gerüstbauer-Handwerk: Das Angebot der Arbeitgeber

Wie die IG BAU zuletzt mitteilte, hätte man sich mit 6,5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten begnügt. Die Arbeitgeber signalisierten Entgegenkommen, indem sie ihr Angebot um eine beitragsneutrale Erhöhung des zusätzlichen Urlaubsgelds von 30 auf 35 Prozent ergänzten und eine Erhöhung der Rentenbezüge um elf Prozent in Aussicht stellten, sofern die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) dem zustimmt. An dieser Stelle scheinen sich die Lohntarifverhandlungen verkeilt zu haben.

Ein höheres Angebot sei in diesen schwierigen Zeiten nicht zu verantworten, sagte Marcus Nachbauer, Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite. Aufgrund der zum Teil erheblichen Einbrüche in der Bauwirtschaft zeichne sich ein Auftragsrückgang im Gerüstbauer-Handwerk ab. Die aktuelle DHZ-Konjunkturauswertung bestätigt diesen Trend. Danach rechnen 55 Prozent der Bauunternehmen bis zum Jahresende mit einer sinkenden Nachfrage. Nur vier Prozent erwarten mehr Aufträge als zuletzt.

IG BAU: "1,5 Prozent unter der Inflation – die pure Provokation"

Die Gewerkschaft IG BAU kommentierte das Angebot der Gerüstbauunternehmen als "pure Provokation". Ein Angebot, das 1,5 Prozent unter der Inflationsrate liegt, decke nicht die Bedürfnisse von Menschen, "die die enorm gestiegenen Mieten nicht mehr bezahlen können, die beim Einkaufen genau schauen müssen, wieviel am Ende auf dem Kassenband liegt und die auch gerne im Warmen zu Hause entspannen möchten", sagte das zuständige IG BAU-Vorstandsmitglied Carsten Burckhardt.

"Irgendwann können die Unternehmen keine Aufträge mehr annehmen, weil sie schlicht kein Personal mehr haben. Ist das so schwer zu verstehen?", sagte der Gewerkschafter. Nachbauer von der Arbeitgeberseite hielt dagegen: "Ein weiteres Entgegenkommen in Sachen Lohnerhöhung hätte viele unsere Mitglieder zu überfordern gedroht. Und das kann schließlich keiner wollen."

Gegenseitige Vorwürfe: Kein Interesse an Flächentarifverträgen?

Der Konflikt zwischen den Tarifparteien geht über die Lohnerhöhung hinaus. Die IG BAU unterstellt den Unternehmen ein schwindendes Interesse an Flächentarifverträgen. "Sollen die Firmen das doch alleine regeln mit Haustarifverträgen", sei immer wieder zu hören. Dem widersprach Nachbauer: Eine solche Aussage sei in dieser Form zu keinem Zeitpunkt getroffen worden und entspreche in keiner Weise der Haltung der Tarifkommission. Vielmehr habe die IG BAU ihrerseits angekündigt, auf einzelne größere Betriebe zuzugehen und sie zu Haustarifverhandlungen auffordern zu wollen. Das Gerüstbauer-Handwerk ist seit Anfang Oktober ohne Tarifvertrag, der bisherige war Ende September ausgelaufen.

Gerüstbauer-Handwerk: Einigung bei Ausbildungsvergütung und Mindestlohn

Mit Blick auf die Zukunft der Tarifverhandlungen im Gerüstbauer-Handwerk bleibt die Lage unklar. Nachdem sich die IG BAU und der Bundesverband Gerüstbau in den vorherigen Verhandlungsrunden im Bereich der Ausbildungsvergütung und des Mindestlohns einigen konnten, scheint der Abschluss eines Lohntarifvertrags nach den jüngsten Entwicklungen derzeit in weite Ferne gerückt zu sein.

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