Tarifabschluss im Gerüstbauerhandwerk Mindestlohn für Gerüstbauer steigt ab Oktober 2021

Die Tarifpartner im Gerüstbauerhandwerk haben sich geeinigt: Ab dem 1. Oktober 2021 steigen Ecklohn, Mindestlohn und Ausbildungsvergütung. Der Mindestlohn für Gerüstbauer liegt dann bei 12,55 Euro. Zudem wurde die zusätzliche Altersvorsorge für die kommenden Jahre gesichert.

Gerüstbauer bei der Arbeit. - © Kara - stock.adobe.com

Ab dem 1. Oktober erhalten Beschäftigte im Gerüstbauerhandwerk 2,5 Prozent mehr (Eck-)Lohn. Auch der Mindestlohn und die Ausbildungsvergütung steigen. Daneben wurde die Altersvorsorge für gewerbliche Arbeitnehmer gesichert. Geeinigt hatten sich die Tarifpartner im Gerüstbauerhandwerk am 1. Juni 2021 in ihrer zweiten Verhandlungsrunde.

Wie die Bundesinnung für das Gerüstbauer-Handwerk und der Bundesverband Gerüstbau mitteilen, gelang der Abschluss, obwohl die Tarifpartner unterschiedliche Auffassungen über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Branche hatten. Die Vertreter von Innung und Verband forderten erfolgreich, alle Tarifverträge für 24 Monate abzuschließen. "Mit der langen Laufzeit schaffen wir Planungssicherheit für die Betriebe", so Marcus Nachbauer, Verhandlungsführer der Tarifkommission auf Arbeitgeberseite. "Gleichzeitig sehen wir die Lohnsteigerung auch als deutliches Signal der Wertschätzung an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie in den Arbeitsmarkt der Fachkräfte."

Auch die Gewerkschaft zeigte sich zufrieden: "Mit diesem guten Tarifergebnis haben wir einen ordentlichen Reallohnzuwachs für die Gerüstbauer erzielt. Insgesamt 5,1 Prozent mehr Einkommen in der Tasche kann sich sehen lassen", sagt Carsten Burckhardt, der in der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) für die Bauwirtschaft und die Handwerkspolitik zuständig ist. Der Abschluss demonstriere auch, dass gelebte Sozialpartnerschaft im Handwerk verlässliche Zukunftsperspektiven schaffe.

Die Ergebnisse der Tarifverhandlungen im Überblick:

Gerüstbauer erhalten mehr Ecklohn

Der Lohntarifvertrag sieht ab dem 1. Oktober 2021 vor, dass der Ecklohn im Gerüstbauerhandwerk um 2,5 Prozent auf 17,47 Euro steigt. In einer zweiten Stufe steigt der Ecklohn um weitere 2,5 Prozent ab dem 1. Oktober 2022. Er liegt dann bei 17,91 Euro.

Unter Ecklohn versteht man den Lohn, der nach einem Tarifvertrag für einen Facharbeiter nach zweijähriger Tätigkeit gezahlt werden muss. Nicht jede Branche hat einen Ecklohn und im Laufe der Zeit hat dieser an Bedeutung verloren. Wo es noch Ecklöhne in den Tarifverträgen gibt, können sich Arbeitnehmer auch darauf berufen – allerdings nur dann, wenn ihr Arbeitsverhältnis einem entsprechenden Tarifvertrag unterliegt. Trifft das zu, spricht man von Tarifbindung. Wird ein Tarifvertrag ausgehandelt, muss der Arbeitgeber sich an die Bedingungen halten, die darin definiert sind.

Ausbildungsvergütung steigt

Auch die Ausbildungsvergütung steigt zum 1. Oktober 2021 – um 50 Euro im ersten, 60 Euro im zweiten und 70 Euro im dritten Ausbildungsjahr. Damit liege die Ausbildungsvergütung im Gerüstbauerhandwerk an der Spitze der Ausbildungsvergütungen im Handwerk, wie Bundesinnung und Bundesverband Gerüstbau mitteilten.

Mehr Mindestlohn für Gerüstbauer

Der Mindestlohn im Gerüstbauerhandwerk steigt in zwei Schritten. Ab dem 1. Oktober 2021 auf zunächst 12,55 Euro und zum 1. Oktober 2022 auf 12,85 Euro. Der Tarifvertrag "Mindestlohn" endet zum 30. September 2023.

Für Gerüstbauer gilt bereits seit 2013 ein eigener Mindestlohn. Im Laufe der Jahre ist der Mindestlohn angestiegen, wie die Tabelle zeigt:

JahrMindestlohn
1. Mai 201610,70 Euro
1. Mai 201711,00 Euro
1. Mai 201811,35 Euro
1. Juni 201911,88 Euro
1. August 202012,20 Euro
1. Oktober 202112,55 Euro
1. Oktober 202212,85 Euro

Gesicherte Altersvorsorge

Auch bei der Altersversorgung konnte eine Einigung erzielt werden. So wurden die Arbeitgeberbeiträge dauerhaft für gewerblich Beschäftigte von 0,8 auf 1,2 Prozent des Bruttolohns und für Angestellte von elf auf 20 Euro angehoben. 

"Die langfristige Absicherung der zusätzlichen Altersversicherung war uns als Handwerksgewerkschaft ebenfalls wichtig, auch hier können wir mit dem Erreichten durchaus zufrieden sein", sagt Burckhardt.