Die Benzinpreise waren in diesem Jahr nicht nur so hoch wie noch nie, sie änderten sich auch fast täglich. Offen ist, ob die Preismeldestelle beim Kartellamt im nächsten Jahr die häufigen Schwankungen eindämmen wird oder sie weiter verschärft. Nun drückt das Kartellamt bei der geplanten Transparenzstelle aufs Tempo.
Die Preise an den Tankstellen ändern sich mittlerweile an jedem Tag. Auch das Ausmaß der Preisveränderungen ist so ausgeprägt wie noch nie; es lag bei 4,3 Cent je Liter - im Durchschnitt. "Ohne die Erhöhungsversuche hätte das Tankstellengeschäft nicht kostendeckend betrieben werden können", teilte der Tankstellenkonzern Aral mit.
Der Durchschnittspreis für einen Liter Superbenzin der meistgetankten Sorte E5 betrug im Aral-Netz 1,643 Euro, für Diesel 1,49 Euro. Damit war 2012 das teuerste Tankjahr aller Zeiten; die Durchschnittspreise lagen um sieben bis acht Cent höher als vor einem Jahr. Als einen Grund nennt Aral den hohen Rohölpreis.
Höhere Gewinnmargen
In Dollar war Rohöl im vergangenen Jahr im Durchschnitt kaum teurer als im Jahr zuvor. Umgerechnet kostete ein Barrel (159 Liter) jedoch 87 Euro und damit acht Euro mehr als im Vorjahr und so viel wie noch nie.
Nach Berechnungen des Hamburger Energie-Informationsdienstes EID konnten die Konzerne in diesem Jahr zudem ihre Gewinnmargen ausbauen. Sie verdienten mit Verarbeitung und Vertrieb 10 bis 15 Euro je Tonne. Das wäre für die gesamte deutsche Mineralölindustrie ein Vorsteuergewinn von 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro und damit laut EID das beste Ergebnis seit 2008. Das hört sich viel an, ist aber nicht besonders üppig verglichen mit den Gewinnen beim Aufsuchen und der Förderung von Öl oder in der deutschen Chemieindustrie. Pro Liter Benzin beträgt der Gewinn ein bis zwei Cent.
Das Auf und Ab der Tankstellenpreise hat einen extrem hektischen Rhythmus erreicht, der sich kaum noch steigern kann. Die Branche erklärt das mit einem intensiven Wettbewerb, Kritiker sprechen von einer Verwirrungstaktik der Mineralölkonzerne zur Gewinnmaximierung. Von vielen Autofahrern werden die häufigen Preisveränderungen als Ärgernis empfunden.
Kartellamt will schnell mehr Transparenz
Gegenwärtig bereitet das Bundeskartellamt den Aufbau einer Preismeldestelle vor. Völlig offen ist, ob diese Meldestelle, die alle Autofahrer mit aktuellen und korrekten quasi amtlichen Preisdaten versorgen soll, den Preiswettbewerb eher dämpft oder nochmals anheizt.
Das Kartellamt drückt nun bei der geplanten Transparenzstelle aufs Tempo. "Sie soll so schnell wie möglich kommen, wir arbeiten mit Hochdruck daran", sagte Bundeskartellamts-Präsident Andreas Mundt der "Süddeutschen Zeitung". Die dafür notwendige Verordnung könnte bereits im ersten Quartal 2013 verabschiedet werden.
Mundt hofft, dass mit der dadurch geschaffenen Transparenz die Preise sinken. "Durch exakte und stets aktuelle Preisinformationen wird der Autofahrer gezielt die jeweils günstigste Tankstelle ansteuern können", sagte er in dem Interview. "Wenn davon genug Gebrauch gemacht wird, kann dies dem Wettbewerb auf die Sprünge helfen."
Vorbild sei Österreich. Dort gibt es bereits ein solches System und dort gehe man davon aus, dass die Preise dadurch gesunken seien. Mundt will beim Aufbau der Transparenzstelle von den dortigen Erfahrungen lernen, um seine Pläne möglichst schnell umzusetzen. In Österreich habe die Umsetzung ungefähr ein Jahr gedauert. dpa
