Zentrale Online-Meldestelle Mehr Transparenz soll Spritpreise im Zaum halten

Geht es nach den Plänen des Bundeskartellamtes sollen Autofahrer schon Anfang des nächsten Jahres mithilfe ihres Mobiltelefons oder Navis leichter den Weg zur nächstgelegenen günstigen Tankstelle finden. Eine zentrale Datenbank soll das möglich machen.

An den deutschen Tankstellen nähern sich die Preise für die Kraftstoffsorten Benzin und Diesel immer mehr an. - © Thomas Lohnes/dapd

Kartellamtspräsident Andreas Mundt sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", er sei optimistisch, dass das geplante Informationssystem für Spritpreise helfen werde, den Wettbewerb auf dem Tankstellenmarkt zu beflügeln.

Am kommenden Donnerstag soll der Bundestag über einen entsprechenden Gesetzentwurf entscheiden. Im Fall einer für sicher gehaltenen Zustimmung des Parlaments sind alle 17.000 Tankstellen in Deutschland verpflichtet, ihre Benzinpreise bei jeder Änderung an eine zentrale Datenbank zu melden.

Diese soll bei der Bonner Behörde angesiedelt sein. Über Smartphone-Anwendungen oder Navi sollen den Autofahrern die Daten nach Möglichkeit in Echtzeit zugänglich gemacht machen.

Das Ziel lautet "mehr Übersicht"

"Wir werden die Datenbank so schnell wie möglich aufbauen", versprach Mundt. Das Gesetz werde voraussichtlich zum 1. Januar in Kraft treten. "Die Datenbank soll dem Autofahrer helfen, künftig billiger zu tanken", sagte Mundt. "Ökonomisch gesprochen" könne der Preis seine Lenkungsfunktion "nur dann erfüllen, wenn der Tankstellenkunde einen Überblick über die Preise hat, die verschiedene für ihn relevante Tankstellen verlangen."

Die geplante Datenbank bleibt indes umstritten. Während der Automobilclub ADAC die Pläne generell befürwortet und angesichts steigender Spritpreise als "überfällig" bezeichnet, sind viele Tankstellenbetreiber und Vertreter der Mineralölwirtschaft skeptisch.

Sie befürchten hohen Bürokratieaufwand und keinen nennenswerten Einfluss auf die Preisgestaltung.

Das sieht Kartellamtspräsident Mundt anders: Wenn der Benzinpreis um 1,5 Cent je Liter steige, bedeute dies zusätzliche Kosten für alle Autofahrer in Deutschland zusammen von einer Milliarde Euro im Jahr, sagte er der Zeitung.

Leichte Entspannung im Oktober

Der Oktober hat den Autofahrern eine spürbare Entspannung bei den Benzinpreisen gebracht. Wie eine Auswertung des ADAC vom Freitag zeigt, fiel der Preis für einen Liter Super E10 im Vergleich zum Rekordmonat September um 6,9 Cent und lag damit im Monatsmittel bei 1,602 Euro.

Deutlich geringer fiel die Entspannung für Dieselfahrer aus. Ein Liter kostete im Oktober im Schnitt 1,507 Euro und damit 1,7 Cent weniger als im Vormonat.

Teuerster Tag im vergangenen Monat war der 8. Oktober. Ein Liter Super E10 kostete im Tagesmittel 1,656 Euro. Am letzten Oktobertag konnten sich die Fahrer von Benzin-Pkw über die niedrigsten Preise des Monats freuen. Einen Liter E10 gab es dafür durchschnittlich 1,538 Euro.

Dieselfahrer mussten ebenfalls am 8. Oktober mit 1,536 Euro je Liter für ihren Kraftstoff am meisten bezahlen. Am günstigsten war der Selbstzünderkraftstoff am 18. Oktober mit 1,476 Euro je Liter.

Die deutlichere Verbilligung von Benzin gegenüber Diesel ließ gleichzeitig die Preisdifferenz zwischen den beiden Sorten auf 9,5 Cent sinken. Dagegen beträgt die Differenz bei der Kraftstoffbesteuerung zwischen Benzin und Diesel 22 Cent. dapd