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Urlaubsplanung 2019 Streit um Brückentage vermeiden: 5 Tipps für den Chef

Brückentage sind in jeder Firma beliebtes Beutegut. Zu verlockend die Aussicht, die freie Zeit mit einem einzigen Urlaubstag in die Länge zu ziehen. Das kann bisweilen zu Streit führen. Wie finden Mitarbeiter und Arbeitgeber eine faire Lösung?

Vom sprichwörtlichen Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", hält Sascha Weigel nicht allzu viel. Der Mediator für betriebsinterne Konflikte warnt davor, dass auf diese Weise ein Wettlauf mit Gewinnern und Verlierern entsteht. "Das ist nicht immer eine kluge Idee. Vor allem dann nicht, wenn einer ständig gewinnt". Eine gute Strategie, um Urlaubs– und Brückentage im Unternehmen zu vergeben, sei das letztlich nicht.

Die könnte es in vielen Betrieben auch im kommenden Jahr wieder geben. Vor allem auf den 31. Mai 2019 – den Freitag nach Christi Himmelfahrt – werden es viele Arbeitnehmer abgesehen haben. Nach einer Umfrage der Jobplattform Indeed ist das der zweitbeliebteste Brückentag der Deutschen. Noch begehrter sind nur die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr. 2019 werden Heiligabend und die beiden Weihnachtsfeiertage von Dienstag bis Donnerstag gefeiert. Und auch den 4. Oktober 2019 – ein Freitag, der auf den Tag der Deutschen Einheit folgt – wird sich mancher rot im Kalender anstreichen. Dann gibt es da noch Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt und den Reformationstag, die in einzelnen Bundesländern den Rang eines gesetzlichen Feiertages innehaben. Sie fallen 2019 allesamt auf einen Donnerstag. Summa summarum sind das verheißungsvolle Aussichten für all jene, die durch eine clevere Brückentagsplanung ihren Urlaub verlängern wollen.

Lösungsansatz Nr. 1: Eigenständige Absprache

Das wollen laut Indeed–Umfrage immerhin zwei Drittel der Deutschen. 74 Prozent der Befragten empfinden es dabei als völlig unproblematisch, die freien Tage mit den Kollegen abzusprechen. 53 Prozent klären die Aufteilung selbst im Team und reichen danach die Urlaubsanträge bei ihrem Vorgesetzten oder der Personalabteilung ein. Eine gute Lösung, die dem Zeitgeist entspricht und aus Untertanen mündige Mitarbeiter macht, findet Weigel. Klar ist aber auch, dass der Vorgesetzte dadurch Autorität abgibt. "Wer als Chef nicht damit umgehen kann, sollte selbst entscheiden", so Weigel. "Es kommt auch auf die Mitarbeiter an. Manche sind selbstverantwortlich und wollen es sein. Es gibt aber auch solche, die eine klare Ansage brauchen."

Lösungsansatz Nr. 2: Soziale Gründe

Aber wie findet der Arbeitgeber im Fall der Fälle eine faire Lösung? Das Bundesurlaubsgesetz sagt zunächst dazu: "Bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs sind die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen, es sei denn, daß ihrer Berücksichtigung dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen, entgegenstehen."

Zu den sozialen Gründen zählen vor allem:

  • Lebensalter
  • Dauer der Betriebszugehörigkeit
  • Alter und Schulpflicht der Kinder
  • Anzahl der Kinder
  • Berufstätigkeit des Ehepartners
  • Krankheit oder erhöhte Arbeitsbelastung
 

Das bedeutet im Klartext: Der verheiratete Vater von zwei Kindern erhält den Vorzug vor dem kinderlosen Single. Der Senior mit über 20–jähriger Betriebszugehörigkeit hat Vorfahrt vor dem Berufseinsteiger. Ob die sozialen Gründe gleich gewichtet werden, ist indes umstritten. Nach Einschätzung einiger Juristen sind Lebensalter und Betriebszugehörigkeit nachrangig. Präzedenzfälle gibt es dazu aber kaum.

Lösungsansatz Nr. 3: Das rollierende System

Zudem gibt es da noch den Grundsatz der Gleichbehandlung. Gewährt ein Arbeitgeber einem bestimmten Mitarbeiter jedes Jahr die Brückentage, dem anderen aber nie, dann kann von Gleichbehandlung irgendwann nicht mehr die Rede sein. Ein rollierendes System kann Abhilfe schaffen. Beispiel: Durfte der Vater zwei Jahre in Folge über Weihnachten freinehmen, muss er beim dritten Mal dem Single den Vortritt lassen. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Fluktuation gering und die Mitarbeiter längerfristig im Betrieb sind.

"Ich würde empfehlen, das Thema strategisch anzugehen und vorab zu besprechen. Dann ist niemand hinterher überrascht", meint Sascha Weigel. Am besten also, man steckt gleich zu Beginn des Jahres die Köpfe zusammen. Spätere Konflikte können so vermieden werden.

Lösungsansatz Nr. 4: Spielerisch zum Brückentag

Aber was, wenn sich zwei Mitarbeiter partout nicht einig werden? Dann könnte das Los entscheiden. Eine faire, transparente und unbestechliche Lösung. "Ein Losentscheid kann ein faires Verfahren sein", bestätigt Weigel. "Aber nur dann, wenn alle vorher eingewilligt haben". Man kann der Entscheidung sogar einen Wettkampfcharakter verleihen. Eine Partie an der Playstation oder am Kickertisch oder ein Quizduell übers Smartphone. Wer gewinnt, darf den umworbenen Brückentag für sich beanspruchen, der Verlierer kommt zur Arbeit. "Egal, welches Verfahren man nimmt. Alle Beteiligten müssen das als fair oder verbindlich annehmen", betont Weigel. Aber wehe, ein Mitstreiter wird beim Schummeln erwischt. Dann kann aus der Bagetelle Brückentag schnell eine diplomatische Krise entstehen.

Lösungsansatz Nr. 5: Gleiches Recht für alle

Es gibt Arbeitgeber, die die ultimative Lösung für diese Angelegenheit längst gefunden haben. Sie lassen ihren Betrieb an Brückentagen einfach geschlossen.

 

Alle gesetzlichen Feiertage 2019

1. Januar: Neujahr – Dienstag

6. Januar: Heilige Drei Könige – Sonntag (nur in Baden–Württemberg, Bayern, Sachsen–Anhalt)

19. April: Karfreitag

22. April: Ostermontag

1. Mai: Tag der Arbeit – Mittwoch

30. Mai: Christi Himmelfahrt – Donnerstag

10. Juni: Pfingstmontag

20. Juni: Fronleichnam – Donnerstag (nur in Baden–Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein–Westfalen, Rheinland–Pfalz, Saarland)

15. August: Mariä Himmelfahrt – Donnerstag (nur in Bayern, Saarland)

20. September: Weltkindertag – Freitag (nur in Thüringen)

3. Oktober: Tag der Deutschen Einheit – Donnerstag

31. Oktober: Reformationstag – Donnerstag (nur in Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg–Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen–Anhalt, Schlewsig–Holstein, Thüringen)

1. November: Allerheiligen – Freitag (nur in Baden–Württemberg, Bayern, Nordrhein–Westfalen, Rheinland–Pfalz, Saarland)

20. November: Buß– und Bettag – Mittwoch (nur in Sachsen)

25. Dezember: 1. Weihnachtsfeiertag – Mittwoch

26. Dezember: 2. Weihnachtsfeiertag – Donnerstag

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