Werbungskosten und Co Steuererklärung: Das können Arbeitnehmer fast immer absetzen

Arbeitnehmer bekommen im Schnitt 850 Euro vom Finanzamt zurück, wenn sie eine Steuererklärung abgeben. In der Regel bekommt fast jeder eine Erstattung – ausschlaggebend sind vor allem die Fahrten zur Arbeit. Aber es gibt noch weitere Posten, die sich für fast jeden auszahlen.

Es ist wieder soweit: Die Steuererklärung muss bald abgegeben werden. Arbeitnehmer können vor allem über die Werbungskosten einiges zurückerstattet bekommen. - © Foto: M. Schuppich/Fotolia

Frist für die Abgabe der Einkommensteuererklärung läuft auch in diesem Jahr bis zum 31. Mai. Dieser fällt 2015 allerdings auf einen Sonntag und so müssen die Unterlagen spätestens am 1. Juni im Finanzamt sein. Lassen Sie sich von einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein helfen, läuft die Frist bis 31. Dezember. Steuerzahler, die freiwillig mit dem Finanzamt abrechnen, können sich sogar ganze vier Jahre Zeit lassen.

Wer auf die Steuererklärung verzichtet, verschenkt allerdings viel Geld. Denn nach Angaben der Stiftung Warentest bekommen Steuerzahler im Durchschnitt 850 Euro vom Finanzamt zurück. Wichtig für Arbeitnehmer ist unter anderem die Anlage N. Hier werden unter anderem die Werbungskosten eingetragen.

Werbungskosten zahlen sich aus

Und diese wirken sich bei Arbeitnehmern meist als größter Posten aus. Ausschlaggebend sind meist die Fahrtkosten : Egal, ob jemand mit dem Auto, der Bahn, dem Fahrrad oder zu Fuß zur Arbeit gelangt – das Finanzamt erkennt pro Arbeitstag und Kilometer 30 Cent steuermindernd an. Geltend machen lässt sich dabei jedoch nur die einfache Entfernung.

Ein Beispiel: Ein Arbeitnehmer fährt 15 Kilometer zu seiner Arbeitsstätte und kann bei 220 Arbeitstagen für einen einfachen Weg 0,30 Euro pro Kilometer ansetzen. Ergebnis: Allein bereits 990 Euro für die Fahrten. Der Pauschbetrag von 1.000 Euro ist also schon fast erreicht und jeder weiter Euro der weiteren Werbungskosten zahlt sich aus.

Grundsätzlich gilt: Wer mit dem Auto fährt, muss nicht den kürzesten Weg zu Arbeit nehmen. Ist ein längerer Weg offensichtlich verkehrsgünstiger, darf der Arbeitnehmer nach einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) auch diese Strecke ansetzen. Laut BFH muss der längere Weg nicht einmal eine erhebliche Zeitersparnis bringen – es reiche aus, dass etwa die Streckenführung oder die Schaltung auf dem Weg liegender Ampeln günstiger sei (Az.: VI R 19/11 und VI R 46/10).

Pendlerpauschale oder Reisekosten

Wichtig zu beachten: In Zeile 31 der Anlage N muss jetzt die "erste Tätigkeitsstätte" eingetragen werden. Bisher hieß dieser Begriff "regelmäßige Arbeitsstätte". Hinter der Begriffsänderung verbirgt sich eine wichtige Neuerung: Bei mehreren Arbeitsstellen kann der Arbeitgeber einen beliebigen Ort als erste Tätigkeitsstätte festlegen. Das kann auch ein Arbeitsort sein, der nur selten aufgesucht wird.

Eine solche Festlegung durch den Arbeitgeber kann günstig sein, weil hierdurch die übrigen Fahrten als Reisekosten berücksichtigt werden – also jeder zurückgelegte Kilometer zählt. Hat der Arbeitgeber nichts festgelegt, zählt bei mehreren Arbeitsstellen meist der Ort als erste Tätigkeitsstätte, an dem der Arbeitnehmer jeden Arbeitstag tätig ist. So auch bei Bauarbeitern, die an mehreren Tätigkeitsstätten eingesetzt sind.

Wer regelmäßig zunächst denselben Ort aufsuchen muss, beispielsweise zur Übernahme von Material oder Werkzeugen, für den gilt dieser Ort als erste Tätigkeitsstätte. Angesetzt werden darf nur die Entfernungspauschale. Die Eintragung erfolgt ab der Zeile 33 der Anlage N unter der Rubrik namens Sammelpunkt . Das gilt jedoch nur, wenn dieser Sammelpunkt vom Arbeitgeber festgelegt ist und in der Regel jeden Arbeitstag aufgesucht wird.

Neue Verpflegungspauschalen

Steuerlich bezahlt machen sich neben Beiträgen zu Berufsverbänden (Zeile 40) und Fortbildungskosten (Zeile 44) auch Dienstreisen , die ab Zeile 49 in die Anlage N eingetragen werden. Für Dienstreisen gelten seit Anfang 2014 neue Verpflegungspauschen. Bei einer Abwesenheit von 8 Stunden werden jetzt 12 Euro erstattet. Ist der Arbeitnehmer aus beruflichen Gründen 24 Stunden von seiner Wohnung entfernt, bekommt er 24 Euro. Bezahlt der Arbeitgeber die Mahlzeiten, wird die Verpflegungspauschale allerdings gekürzt.

Die neuen Regelungen zu den Verpflegungspauschalen gelten auch für die doppelte Haushaltsführung , wenn Beschäftigte etwa wegen eines neuen Jobs umziehen (ab Zeile 61). Für die Zweitwohnung am Arbeitsplatz erkennt das Finanzamt Kosten in Höhe von 1.000 Euro monatlich an. dpa

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