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Fehlerhafter Steuerbescheid Steuerbescheid: 5 Regeln zum Einspruch

Bekommen Sie vom Finanzamt einen Steuerbescheid und Sie sind der Meinung, dass dieser fehlerhaft ist, können Sie mit einem Einspruch dagegen vorgehen. Bei Einlegung eines Einspruchs sollten Sie jedoch fünf Regeln beachten.

Einspruch können Sie gegen jeden Verwaltungsakt des Finanzamts einlegen, nicht nur gegen einen Steuerbescheid. Der Einspruch kostet Sie nichts, es sei denn Sie lassen sich steuerlich vertreten. Dann wird der Steuerberater für seine Arbeit ein Honorar fordern. Das Finanzamt verlangt für die Bearbeitung der Gebühren jedoch keine Gebühren.

Regel 1: Einspruchsfrist beachten

Erhalten Sie einen Steuerbescheid und möchten Einspruch einlegen, haben Sie dazu nicht ewig Zeit. Der Einspruch muss innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Steuerbescheids beim Finanzamt eingehen. Die Bekanntgabe berechnen Sie, indem Sie zum Datum des Steuerbescheids drei Tage hinzurechnen. Wird die Einspruchsfrist nicht eingehalten, wird das Finanzamt den Einspruch nicht mehr bearbeiten.

Beispiel: Sie bekommen einen Steuerbescheid mit Datum 30. Oktober 2020 und möchten dagegen Einspruch einlegen. Dafür haben Sie bis zum 2.12.2020 Zeit (Bescheiddatum + 3 Tage = 2.11.2020 + 1 Monat).

Regel 2: Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand

Konnten Sie die Einspruchsfrist wegen einer akuten Erkrankung nicht einhalten, bekommen Sie vom Finanzamt auf Antrag eine zweite Chance (so genannte Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand nach § 110 Abgabenordnung). Doch aufgepasst: Die Krankheit muss plötzlich und in einer Schwere auftreten, die es einem Steuerzahler nicht mehr zumutbar ermöglicht, einen Steuerberater mit der Einlegung eines Einspruchs zu beachtragen (BFH, Beschluss v. 17.6.2020, Az. 7 V 949/20).

Regel 3: Zuständiges Finanzamt

Der Einspruch muss zwingend beim zuständigen Finanzamt eingereicht werden. Werfen Sie den Einspruch in den Briefkasten eines falschen Finanzamts, ist die Frist nur gewahrt, wenn das unzuständige Finanzamt den Einspruch innerhalb der Einspruchsfrist an das zuständige Finanzamt weiterleitet.

Praxis-Tipp: Damit der Einspruch stets beim richtigen Finanzamt eingeht, empfiehlt es sich, den Einspruch per ELSTER elektronisch ans Finanzamt zu übermitteln. Melden Sie sich mit Ihren Zugangsdaten bei ELSTER an, steht Ihnen hierfür ein Formular zur Verfügung. Wichtig dabei: Der ELSTER-Einspruch muss nicht nur gespeichert, sondern aus gesendet werden.

Regel 4: Zahlung trotz Einspruch

Selbst wenn der Steuerbescheid fehlerhaft ist und eine zu hohe Steuerfestsetzung ausweist, muss die festgesetzte Steuer fristgemäß ans Finanzamt überwiesen werden. Wer Einspruch einlegt und einfach nicht bezahlt, weil er sicher ist, dass der Bescheid falsch ist, riskiert die Festsetzung eines Säumniszuschlags.

Praxis-Tipp: Ist die festgesetzte Steuer offensichtlich ernstlich zweifelhaft, kann auch ein Antrag auf Aussetzung der Vollziehung gestellt werden. Stimmt das Finanzamt diesem Antrag zu, muss zumindest die strittige Steuer vorerst nicht bezahlt werden.

Regel 5: Einspruchsrücknahme bei Verböserung

Bei einem Einspruch überprüft das Finanzamt nicht nur den strittigen Sachverhalt, sondern in aller Regel alle Angaben. Das kann dazu führen, dass das Finanzamt auch Fehler zu Ungunsten des Steuerzahlers findet und am Ende des Tages sogar noch eine höhere Steuer fällig wird (sog. Verböserung). In diesem Fall kann der Einspruch zurückgenommen werden und die zusätzlichen Steuerzahlungen sind damit vom Tisch.

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